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Pour Sarah!




Wie ist das eigentlich mit dem Osterhasen?





Vor langen, langen Zeiten da war das mit Ostern noch ganz anders als wir es heute kennen.
Bunte Ostereier gab es anfangs überhaupt nicht, geschweige denn irgendwelche Geschenke. Da wurde nur das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christ gefeiert.

Nun, in jenen fernen Tagen war es Usus, daß manche Untertanen ihre Abgaben an die Ritter, Lehensherren und andere hohen Herren auch mit Naturalien "zahlen" durften. So war es etwa im Herbst und Winter Brauch, mit Fleisch und anderen leicht verderblichen Waren (gab ja keine Kühlschränke!) ihre Pacht zu begleichen, während im Frühling Eier als Teil solcher Abgaben dienten.

Doch zu unserer eigentlichen Geschichte, wieso der Hase die Ostereier bringt, wo er doch gar keine legen kann!

Alles begann in Kärnten.

Damals lebte dort ein armer Kleinhäusler namens Jokl. Wie alle anderen, so mußte auch er in den Tagen vor dem Osterfest Eier an seinen Herrn abliefern.
Doch eines Tages geschah etwas, was viel ... was alles verändern sollte!

Es begann damit, daß Jokls Frau gerade in Bottichen Kräutern, Blüten und Wasser zusammenrührte um darin ihre in diesen Winter gewebten Stoffe zu färben.
Und dann war da noch Klarabella, eine gewisse Henne. Diese war bekannt für ihre große Schusseligkeit.
Wieder einmal übertraf sich unser Henderl selber. Sie stolperte über ihre eigenen Beinchen und dabei entglitten ihr einige ihrer Eier. Sie flogen in hohem Bogen durch die Luft und platschten in einen Bottich mit roter Farbe.
OK, Klarabella versuchte ja eh sofort ihre Eier aus dem Bottich zu fischen.
Doch ohne Hände?
Nur mit Flügeln?
Es kam, wie es kommen mußte.
Irgendwie gelang es die Eier aus dem Gebräu herauszufischen. Nur, ihre wunderschönen Eier waren nun rot. Und dieses Rot ging nicht mehr weg, mochte sie tun was sie wollte!
Klarabella wußte, der arme Jokl muß morgen zum Lehensherrn und dem die geforderten Anzahl an Eiern abgeben.
Was also tun?
In ihrer Verzweiflung versteckte sie die roten Eier ganz zu unterst im Korb und hoffte, daß kein Mensch das herausfindet.
Typisch Huhn werdet Ihr jetzt wohl denken?

Am Karsamstag, schon in aller Herrgottsfrüh, machte sich der Kleinhäusler Jokl auf den Weg.
Beim Lehensherren angelangt begannen dessen Eintreiber bei jedem Bauern, Kleinhäusler, usw. die Abgaben nachzuzählen. Bei den Eiern waren sie besonders genau! Sie prüften akribisch, ob auch wirklich genau so viele Eier gebracht wurden, als verlangt waren.
Gegen Ende war Jokl an der Reihe.
Doch was war das?
Plötzlich, mitten unter den gewöhnlichen Eiern, lagen da tief unten im Korb einige rote Eier!
Alle bekamen große Augen! Noch niemand hatte je rote Eier gesehen!
Wie geht das denn? Eigentlich legen Hennen nur weiße oder braune Eier. Aber rote Eier?!
Die Kinder des Lehensherren waren sofort hellauf entzückt.
"Vater, Vater!" bettelten sie laut, "bitte dürfen wir die roten Eier haben? Bitteeeeeeeeeeeeeeeeee ..."
Welche Freude als sie diese roten Eier geschenkt bekamen!
"Wie kommt es, daß da auch rote Eier dabei sind?" fragte der Lehensherr. "Wie sieht das Huhn aus, das solche Eier legt?"
Jokls Schulten hohen und senkten sich, er wußte es ja selber nicht.
"I-i-i-ich ..."
Mehr kam aus dem armen Mann nicht heraus. Wie denn auch. Erstens war er selber baß erstaunt, was da in seinem Korb zu sehen war, und zweitens ... wo um Himmels Willen waren diese roten Eier hergekommen.
Er war sich total sicher: ER war es nicht!
"Gut" sagte der Herr, "wenn du nichts sagen willst , so will ICH dir etwas sagen! In Zukunft will ich von dir IMMER rote Eier als Abgabe bekommen. Hast du mich verstanden?" und etwas gütiger, mit einem Blick auf seine Familie, fuhr er fort, "Du siehst ja, daß meine Gemahlin und die Kinder schier aus dem Häuschen sind vor Freude darüber!"
"Ja, ga-ganz nach Befehl!"
Jokl war kaum fähig zu sprechen. In einer tiefen Verbeugung und im Rückwärtsgang verließ er den Saal seines Gebieters, denn zu jenen Zeiten war es strengstens untersagt dem Herrn den Rücken zuzuwenden.

Auf dem Heimweg wunderten sich die Freunde und Bekannten sehr über den Jokl. Er, sonst stets fröhlich und freundlich, schlurfte kopfschüttelnd und murmelnd dahin und sah nichts und niemanden. Selbst seine Frau brachte erst nach Tagen langsam kleinweise aus ihm heraus, was geschehen war. Auch sie konnte sich das mit den roten Eiern nicht erklären.
Endlich hörten auch die Tiere davon und so drang diese Kunde nach weiteren Tagen endlich zu den Hennen und damit zu Klarabella.
Nun geriet das Henderl in einem gar seltsamen Zustand:
Einerseits freute sie sich über alle Maßen, daß die Kinder sich über die roten Eier gefreut haben, andererseits war sie sehr traurig, wenn sie den armen Bauern in seinem Kummer sah. Und sie war dran schuld ... gack - gack - gack ...
Eines war ihr klar:
NUR SIE hatte das verschuldet!
Also konnte NUR SIE was gegen seinen Kummer unternehmen!

So schlich sie eines Nachts verbotenerweise aus dem Hühnerstall, versteckte sich in einem Hollerbusch* und rief verzweifelt nach der Oberhenne Berta von Gluck. Genau wie uns Menschen, so erging es beim Warten auch dem armen Huhn. Für Klarabella schien es eine Ewigkeit zu dauern, bis ihr Flehen und Rufen erhört wurde und diese Oberhenne erschien.

Ihr müßt wissen, diese Oberhenne, Berta von Gluck, ist eine ganz besondere Henne!
Sie ist nicht nur viel größer als andere Hennen, sie ist auch um vieles klüger als normale Artgenossen und sie besitzt ein glänzendes Gefieder, welches in der Sonnen golden, im Mondlicht jedoch silbern schimmert.

"Du hast mich gerufen? Warum bist du nicht im Stall, wo du zu dieser Zeit hingehörst?!" streng war der Bertas Blick.
"Jjja," begann kleinlaut Klarabella, "ich war so frei. Ich brauche ganz, ganz dringend ... wirklich gaaaaaanz dringend deine Hilfe, liebe Oberhenne. - - - Und ich bin heraus'n, - - - weil die anderen müssen das nicht unbedingt wissen ... dachte ich ..."
Leise tropften ein paar kleine Tränchen aus Klarabellas Augen.
Als die Berta von Gluck diese gewahrte, da konnte sie nicht mehr länger streng sein. Sie nahm Klarabella unter ihre Fittichen und dann begann diese zu erzählen.
Die Oberhenne lauschte und staunte. Sie sann nach, wie ein Weg aus diesem Dilemma zu finden wäre.
Als der Morgen schon langsam die Welt erhellte wurde Klarabella zurück in den Stall geschickt. Ihr wurde geheißen, kein Pieps oder Gacker von sich zu geben, bis sie wieder komme.

Bald darauf gingen seltsame Dinge vor sich.
Immer, wenn die Frauen des Dorfes Farbe in ihren Bottichen anrührten, fehlte ein Teil. Freilich nicht besonders viel, aber doch merkbar. Etwas Unbegreifliches ging vor sich. Die Frauen stellten Wachen auf. Aber ... außer ein paar verrückten Hühnern, welche gackernd wie irr herumtobten, war nichts von einem merkwürdigen Dieb zu bemerken!

Die Zeit verrann und langsam zog wieder der Frühling ins Land und mit ihm die Zeit, da es Abgaben zu entrichten galt.
Unserm Bauer Jokl wurde es von Tag zu Tag schwerer und banger ums Herz. Woher sollte er bloß rote Eier nehmen? Er hatte keinen Plan! Er fürchtete sich vor dem Karsamstag! Was wird der Herr mit ihm machen, wenn keine roten Eier dabei sind?
Doch was war das?
Als er sich früh morgens auf den Weg machen wollte, da war sein Korb vollgefüllt mit bunten Eiern!
"Wie nun!" staunte der Jokl und seine Augen wurden dabei fast so groß wie Wagenräder, "woher kommen die denn?"
Augenblicklich fiel eine große Last von seinen Schultern. Erleichtert eilte er zu seinem Herrn und Gebieter. Woher die bunten Eier kamen, darüber wollte er später nachdenken.

"Na, hast du auch nicht vergessen uns rote Eier zu bringen?" fragte der Rittersmann
Der Bauer nahm das Tuch ab ... und ... da waren sie.
Eier in rot, gelb, grün und blau, ...
"Ich will gar nicht wissen wie du das machst," sagte der Lehensherr und schüttelte erstaunt den Kopf, "Hauptsache, deine Eier sind ab jetzt immer so schön bunt!"

Als Jokl daheim seiner Familie von den bunten Eiern berichtete, waren diese noch erstaunter.
Waren sie schon über die Herkunft der roten Eier sprachlos, so jetzt über die bunten erst recht!
Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen!
Wer vermochte aus den gewöhnlichen weißen oder braunen Eiern jetzt sogar bunte machen?
Wie geht das denn?
War da ein geheimer Zauber im Spiel?

Nun, Ihr könnt Euch das sicherlich schon denken, wer dahinter steckte ...

Die Oberhenne Berta hatte die Hennen beauftragt, immer, wenn die Frauen Farbe für ihre Stoffe in Bottichen herrichteten, etwas davon zu nehmen. Im hintersten Eck, wo kaum jemals ein Mensch hinkam, wurde diese versteckt. Dann, knapp bevor der Zehent abzugeben war, mußten die Hühner Nachtschichten einlegen und die Eier mit den geklauten Farben färben.

Zuerst war es nur Jokl, der bunte Eier ablieferte. Doch eines Tages begehrte der Herr auch von den anderen Untertanen bunte Eier. Nur, die Schwierigkeit war, daß Jokl keine Ahnung hatte, warum nur seine Eier und insbesondere nur die für den Zehent bunt waren.
Jetzt war es am Federvieh ihrem Jokl zu helfen, da der sonst des Zauberns angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden würde. Und nicht nur er, sondern mit ihm ebenso seine Frau und seine Kinder.
Da war es an der Zeit sich zusammenzuschließen und das Geheimnis den anderen Hendln im Dorf preiszugeben.
Für eine kurze Weile schien Ruhe eingekehrt zu sein.

Doch wie wie Menschen halt so sind.
Irgendwann war es dann so weit. Zuerst wollten Kinder von größeren Bauern und wieder eine Weile später sogar Kinder ganz armer Familien einmal so ein farbiges Ei haben.

Boah! Ich kann Euch sagen! Jetzt kamen die armen Hühnchen ganz schön ins Trudeln!
Nicht nur die viele und anstrengende Eierlegerei, das unbemerkbare Stibitzen der Farben, die laaaaaaaaaaangen Nächte, in denen mühsamst die Eier bunt bemalt werden mußten ... und das ... man bedenke ... !!! ... mit Flügeln !!!!

Was für eine Patzerei!



Als ob das alles nicht schon arg genug sein würde, mußten sie jetzt, da alle braven Kinder so ein Ei bekommen sollten, diese auch noch unter Blumen oder im Gras verstecken!!
Man stelle sich das vor!!

Die Oberhenne Berta von Gluck verlangte dies aus dem Grund, weil ja kein Mensch auch nur erahnen sollte, wie die Eier auf wundersame Weise zu den buntfröhlichen Farben kamen.

Naja - hin und wieder kam ein Dienstbote oder Kleinhäusler schon ins Grübeln. Nämlich immer dann, wenn eines der Hennen nicht sorgsam genug war und mit einigen unbemerkten Farbspritzern auf der Hühnerleiter vor Müdigkeit einschlief.
Gar oft wunderten sich die Menschen dann darüber und mancher kratzte sich am Kopf, als ob Kopfkratzen beim Denken hülfe.
Ferner versuchen wir Menschen alles zu benennen, selbst Unbegreifliches. So kam es, daß die bunten Eier, weil sie immer nur in der Osterzeit zu finden waren, als Ostereier bezeichnet wurden.

Aber jetzt wißt Ihr ja immer noch nicht, wie da der Hase ins Spiel kam.

Nun, das geschah so Mitte des 19. Jahrhunderts ...
Die Hühner hielten eines nachts eine Versammlung ab und dazu geladen war auch die Oberhenne Berta von Gluck. Das Hühnervolk klagte und jammerte über die immer mehr werdende Arbeit.
"... Werte Frau Oberhenne! Was zu viel ist, ist zu viel und deshalb verlangen wir Hilfe. Sie haben die ganze Färberei damals auch zu verantworten!" hieß es zu guter Letzt.
"Gack-gack-ganz genau! An Farben zu kommen wird immer schwerer, das sollte auch einmal gegackert sein!" gackerte noch ein Huhn.
Das stimmte alles, aber dann doch wieder nur zum Teil ...

Seit damals Klarabella die Eier aus Versehen im Farbbottich landeten und dieser Versammlung waren mehrere hundert Jahre vergangen.
Die seinerzeitige Berta von Gluck war eine Urururururururur...oma der der jetzigen.
Nur das mit den Farben, das wurde wirklich von Jahr zu Jahr schwerer. Mittlerweile webten und färbten die Frauen ja nicht mehr selber, sondern die Stoffe wurden in riesigen Webereien gewebt und in wiederum anderen Fabriken gefärbt ...
Und jetzt komm da einmal als Huhn hinein und klau Farben!
Aufgeregt stimmten unter lautem Gegacker und Geschrei die Hühnerschar der letzten Rednerin zu.
Das war vielleicht ein ohrenbetäubender Krach!
Aber - von einer Sekunde auf die andere wurde es mucksmäuschenstill.
Hatte sich da etwas bewegt?
Wurden sie belauscht?
War da etwa ein Fuchs?
Fragen über Fragen. Endlich erhob sich die Oberhenne von ihrem Nest und schritt majestätisch in die Richtung, aus der das leise Geraschel zu hören gewesen war.
Sachte teilte sie das Stroh ... und ... ein kleines, ängstlich bibberndes Hasenkind kam zum Vorschein!

"Was machst du denn hier?" fragte die Oberhenne den kleinen Hasen streng.
Der bibberte vor Angst und Schrecken noch mehr und konnte nur stammeln: "I-i-i-ich ha-hab mi-mich verlaufen."
"Aha! Und wer bist du?" Das kleine Hasenkind dauerte ihrem weichen Herzen.
"Bi-bi-bitte, i-i-ich bi-bin Hansi und ein Hase."
"So so! Ein Hase bist du und Hansi heißt du."
"Mhm!" war Hansis mutige Antwort. "Ich wohne da drüben im Wald und wollte wissen, wie das wohl ist ohne Wald. Und dann hab ich was gehört und dann wollte ich wissen, was das ist. Aber auf einmal war es soooo schrecklich laut. Da hab ich mich gefürchtet und im Stroh versteckt."
"Wenn du schon lauscht, dann sag uns, was du dazu meinst." fauchte ihn Frida, eine alte, stets grantige Henne an.
Hatte sich Hansi beinahe wieder von dem Schrecken erholt und Mut gefaßt, so verlor er den gleich wieder als Frida ihn da so anfauchte und dabei ihre Flügel bedrohlich spreizte.
"I-i-i-ich weiß nicht. I-i-i-ich könnt' nur meine Mama fragen." ganz leise kamen seine Worte und er sah dabei auf seine tapsigen Hasenfüße, die immer einer auf den anderen traten. Hansis Ohren hingen herunter als er bat: "Darf ich bitte, bitte nach Hause zu meiner Mama?"
Nicht nur die Oberhenne mußte sich ein Schmunzeln verkneifen. Sie alle mochte den kleinen Kerl sehr. Wenn man recht bedenkt, für einen Hasen war er ziemlich tapfer!

Eiligst hoppelte Hansi nach Hause. Als er sich fortgeschlichen hatte war es grade etwas dämmerig gewesen und jetzt ... jetzt stand der Mond hoch am Himmel.
"Au weh! Das wird was geben, wenn ich heimkomme" befürchtete das Hasenkind.
Und seine Mama?
Die war wie alle Mamas auf der Welt. Sie war in hellster Aufregung und größter Sorge um ihren Kleinen. Hoffentlich ist ihm nichts Schlimmes passiert. Schier aufgelöst rief sie immer wieder nach ihrem Kind.
Da! Endlich! Etwas Mondlicht genügte und sie erkannte ihren Schatz sofort.

Nach der großen Begrüßungs-Busslerei und als Hansi wieder Luft holen konnte, beichtete er seiner Mama alles. Daß er außerhalb des Waldes war und sogar in Menschennähe ... und ... und sogar in einem Hühnerstall.
Jetzt kamen alle Hasen des Waldes an. Ein jeder wollte haarklein wissen, wie es denn da so ist, wie es ausschaut, usw.
Und Hansi erzählte ganz stolz. Besonders wichtig war ihm von den Hühnern zu berichten und welche Sorgen die da hatten.
Am Ende war es total still. Allein am Mümmeln erkannte man, daß alle Hasen äußerst angestrengt nachdachten.
"Es hilft alles nichts." sagte da die Hasenmama in die Stille, "wir können nur helfen, wenn wir von ihnen wissen WIE wir helfen können."
"Was denkst du, machen wir hier schon seit Stunden?" grummelte der Hasenchef. "Nachdenken! Nichts als nachdenken!"
"Und," war die schnippische Erwiderung der Hasenmama, "zu welchem Ergebnis bist du oder einer von den anderen gekommen? Genau! Zu keiner!"
Wohl oder übel mußte der Hasenchef und alle anderen der Hasenmama Recht geben.
"Hansi, morgen Abend gehst du wieder hin und ich werde dich begleiten."
Damit verabschiedete die Hasenmama alle Hasen nach Hause und nach dem Zähneputzen ihren Liebling ins Nest.

Wie gesagt, so getan.
Am anderen Abend hoppelte Hansi gemeinsam mit seine Mama zu dem kleinen Bauernhof. Zuerst blieb Mama ja noch im Versteck und nur Hansi tapste zu den Hühnern in deren Stall.
"Was machst du denn schon wieder hier?" gackerte Frida und weckte damit auch all jene Hennen auf, die schon schliefen.
"Ich hab meine Mama mitgebracht. Wissen sie Frau Henne, wir wollen wissen, wie wir helfen können" Hansi war ausgesprochen tapfer!
Da hob Frida lautest zu Gackern an - ihre Art zu lachen!
Angelockt vom Lärm, schwebte Berta von Gluck daher, während Hansi seine Mama holte. Die Hasenmama war von dem glänzenden Gefieder sehr angetan, was der Oberhenne wiederum äußerst schmeichelte.
Jede stellte sich der anderen mit einer kleinen Ehrerbietung vor.
"Gestatten, ich bin Hasine von Langohr und das hier ist mein Sohn, Hansi von Langohr. Er hat mir von ihren Sorgen berichtet und nun sind wir hier um zu erfragen, ob, und wenn ja, wie wir ihnen behilflich sein können."
Berta von Gluck war tief beeindruckt.
Bald sprachen die beiden Damen vertraut miteinander. Sie diskutierten so eifrig, daß sie beinahe die Zeit übersahen. Der Tag graute bereits als Hasine mit ihrem verschlafenen Hansi in Richtung Bau hoppelte und Berta gen Himmel entschwand.

Zur Zeit der Dämmerung trommelte Hasine alle Hasen des Waldes zusammen. Der Hasenchef, der, der sich dafür hielt, staunte nicht schlecht, als die Häsin das Kommando übernahm. Kein Hase wagte es sich ihr zu widersetzen. Hasine testete eines jeden Fähigkeit und Talent.
Wer war gut im Verstecken?
Wer war besonders geschickt seine Pfoten einsetzen?
Wer konnte sorgsamst mit zerbrechlichen Dingen umgehen?
Wer war besonders flink und dabei leise?
usw.

Auch bei den Hennen kam Schwung in den Stall.
Zunächst mußte eine jede der Damen mindestens eine ihrer weichen und doch stabilen Federn opfern!
War das ein Gegacker und Getue! Keine wollte auch nur auf eine einzige Feder, geschweige denn auf ein solches Prachtstück von Feder verzichten!
Und dann ... noch dazu für einen Hasen!

PF!


Schließlich fand alle Aufregung, sowohl bei den Hühnern als auch bei den Hasen, ein Ende.
Die Hühner unterrichteten die geschicktesten der Hasen im Färben und Bemalen der Eier. Und wehe, eines entglitt den Hasenpfoten und landete auf dem Boden!



Hasen, die bei der Hasenmama als nicht sehr geschickt galten, bekamen die nicht unwichtige Aufgabe mit ihrer Blume, so heißt das Hasenschwänzchen, so arg zu wackeln, daß die Farben rasch trockneten.

Für die Flitzer unter den Hasen galt es alsdann diese Eier so rasch und ohne Schaden zu den Versteck-Hasen zu bringen.
Die ihrerseits huschten lautlos durch Gärten, bei Schlechtwetter durch die Häuser oder sogar durch den Stall. Die Versteck-Hasen kamen auf die sonderbarsten Verstecke.

Aber, da gab es auch junge Hasen, die Spaß haben wollten und nur Quatsch im Kopf hatten. Was denen alles einfiel ...!
Nur ein Beispiel!

Da spielten 2 Junghasen Ball mit den Eiern! Prompt landete eines in einer Astgabel hoch oben im Apfelbaum!

Als alle Arbeit getan war, stellte sich für die Tiere endlich Ruhe ein. Die Oberhenne kontrollierte zum Abschluß, ob wohl keines der Tiere mit Farbe bekleckert war, die Häsin ihrerseits ob auch kein Ei übersehen oder vergessen worden war.
Zufrieden schüttelten sich Henne und Häsin Flügel und Pfote.
Die beiden waren sich einig: Ab nun wollen sie das immer so handhaben.

Seit dieser Zeit, und das sind nun schon beinahe 200 Jahre, bewerkstelligen Hühner und Hasen gemeinsam die anstrengenden
Ostereier-Verbreitungs-Arbeiten.





Und falls Ihr einmal in einer Astgabel hoch in einem Baum ein Osterei finden, ... denkt dran, vielleicht gibt es, wie in den alten Zeiten, zwei Lauser, die ihren Spaß hatten ...




Hollerbusch* = Holunderstrauch



3. 4. 2018
@eea
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