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katze_edith katze_edith ist weiblich
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Der Spielmann und die Hexen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen

Grade in den Zeiten der Rauhnächte treiben sich gar allerlei finstere Gestalten umher. In vielen Familien wird heute noch der alte Brauch des Räucherns von allen Räumen und Ställen usw. ausgeübt. So soll man alles Böse oder Krankheiten vertreiben.
Wer zu diesen Zeiten unterwegs war, der konnte gar oft auf eigentümliche Gestalten treffen ...



Der Spielmann und die Hexen






Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein armer Spielmann. Mit seiner Fidel vermochte er grade so viel zu verdienen, daß er seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Nur ganz selten war es ein bißl mehr. Dann legte er sich das Wenige als Notgroschen zur Seite, denn damals gab es keine Krankenversicherung und keinen, der für die alten Menschen sorgte.

Eines Abends ward er wieder in einem Wirtshaus und spielte dort zum Tanz auf. Lange nach Mitternacht, als auch die letzten Gäste gegangen waren, machte auch er sich auf den Heimweg. Wie er so dahin trottete, begegnete er einer Schar vergnügter junger Frauen. Rasch umringten sie ihn und baten ihn doch für sie aufzuspielen. Eigentlich war der Spielmann ja schon so müde, doch als sie ihm eine gute Bezahlung in Aussicht stellten, wenn er für sie ein Stündlein aufspielen wollte, da sagte er zu.

Unter gar fröhlichen Scherzen, übermütigem Gelächter und ausgelassenem Tanzen gingen sie so ein Stücvk des Weges. Ach, wie die Musik des Spielmanns doch alle Frauen vergnügte.
Auf einmal - was war denn das? - stand mitten auf ihrem Weg ein großes, stattliches Haus. Nun ging unser Musikant beinahe täglich diesen Weg, doch noch nie war ihm dieses Gebäude aufgefallen! Noch während er sich am Wundern war, hatte die Schar ihr Ziel erreicht.

Sie luden den Mann ein einzutreten. Boah! Welch prachtvollen Saal, taghell erleuchtet, bot sich seinen Augen. Das übermütige Treiben ging weiter. Der Spielmann hob nun an zu musizieren und bald wirbelten alle Pärchen fröhlich tanzend durch den Saal. Die jungen Frauen aber vergaßen trotz aller Tanzerei nicht darauf auf dem Musikus zu bewirten. Sie schenkten ihn ein und boten die besten Speisen an. So viele feine Sachen hatte der arme Mann noch nie gesehen und da durfte sogar er, der Musikant, zugreifen ...
Der hungrige Spielmann ließ sich also nicht lange Bitten und griff zu. Es gab da: allerlei Würstln, köstliche Braten, knusprig Gebackenes, resche Brathendln, saftige Ganserln, und vieles mehr. Der gute Mann konnte bald nimmer, so viel hatte er schon in seinen Bauch gestopft. Ja, er füllte einiges sogar noch in seine Taschen. So feine Leckerbissen wollte er nicht verkommen lassen und morgen wollte er noch etwas von dem guten Essen genießen.
Auch sein Bescher war niemals leer und so fidelte und trank er immer weiter.
Es war schon sehr spät geworden. Der Musikus war nun rechtschaffen müde. Alle seine Stückerln und Tänze hatte er schon gespielt. So dachte er: "Jetzt, zum Schluß, will ich meinen Gastgebern noch ein frommes Lied auf den Weg spielen.
Doch - o weh!
Kaum spielte er die ersten Töne auf seiner Fidel, da erloschen alle Lichter. Es knallte und krachte! Mit höllischem Lärm brach das riesengroße Haus auseinander! Nicht von all dem, das noch vor wenigen Augenblicken vorhanden war, ward noch zu sehen!
Der Spielmann saß nun in finstrer Nacht auf einem Felsen. So saß er eine ganze Weile und langsam tagte es. Jetzt fiel ihm auf, wie kalt ihm war und wie die Müdigkeit von ihm Besitz nahm. Auch verspürte er etwas Hunger. Er erinnerte sich seiner vollgestopften Taschen mit den besten Köstlichkeiten. Er griff danach ...
Aber - O Schreck! Was hielt er in seinen Händen?
Anstatt der gefüllten Eier hielt er Roßknödel in der Hand. Die Bratenstücke waren nun Kuhfladen, Die gebackenen Hendlhaxerl waren Totengebeine! Anstelle des Gänsebratens sprangen Kröten heraus!
Igitt! Was das grauslich!
Noch nie zuvor hatte er sich so geekelt!
ASls ihm dann n och in den Sinn kam, daß er von alle dem sich seinen Bauch vollgestopft hatte, da war es endgültig vorbei. Der arme Mann übergab sich und übergab sich und übergab sich ...
Mit letzter Kraft schleppte er sich vom Felsen zu Tal. Sie Sonne warf ihre ersten Strahlen, als er todmüde zu Hause ankam.

Tage später, als er sich wieder etwas erholt hatte, erzählte er einem Freund und Nachbarn von jener Nacht und dem, was er erlebt hatte.
Der Freund, schon ein etwas betagter Mann, hatte wortlos zugehört und ab und zu sein graues Haupt gewiegt. Als der Spielmann langsam zum Ende kam und berichtete, was er zum Abschied spielen wollte, da sagte der alte Mann: "Ja, mein lieber Freund, weißt du denn, wem du da aufgespielt hast? Das waren Hexen und Hexer! Dein frommes Musikstück nahm ihnen alle Zauberkraft. Alles wurde wieder zu dem was es vorher war ..."

Der Spielmann bereitete auch weiterhin mit seiner Fidel den Menschen viel Freude. Allerdings trug er seither stets ein kleines Kreuz bei sich. So war er vor Hexen und sonstigen bößen Gestalten gefeit.






5.1.2017
@eea
05.01.2017 16:51 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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