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Die Wasserleute im Wörther See = KL « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Vor uralten Zeiten ging's noch sehr geheimnisvoll zu.

Eines Abends saßen viele Leute beim Wallerwirt zusammen. Das war ein Wirtshaus am Wörther See, wo sich Bauern und Fischer trafen und einander Geschichten aus vergangenen, dunklen Zeiten erzählten.
Einmal war die Reihe des Erzählens am Wallerwirt. Er wußte folgendes zu berichten:

"Bevor einer meiner Guckahnen, der Seebauer, am Wörther See aus einer Bauernhütte dieses Wirtshaus baute, hieß es, daß im See ein Volk, die Wasserleute, herrschen.
Einmal kam von weither eine junge Magd und nahm hier ihren Dienst auf. Ihr Name war Ludmilla und sie kam von einer Gegend, wo es weit und breit keinen See gab. Der Bauer warnte sie: "Den See mußt du meiden! Denn wisse, am Tag liegt er wie schlafend da, doch nächtens erwachen die Wasserleute und steigen herauf!"
Ludmilla, ein übermütiges Mädchen, reizte das mehr, denn es sie abhielt: "Wasserleute? Die sollen da leben? Die möchte ich für mein Leben gerne sehen!"
Der Seebauer wiegte seinen Kopf und warnte erneut: "Hören darfst du sie, aber niemals, wirklich niemals darfst du sie sehen! Du wärst nicht die erste, die von denen auf den Seegrund gezogen wird. Bisher kam noch keine wieder zurück!"
Freilich packte die Dirn ein leichtes Grausen ob dieser Worte an, doch ihre Neugier ... Wie gerne wollte sie die Wasserleute wenigstens hören!
So kam es. In einer Vollmondnacht spiegelte sich der Mond im stillen Wasser. Ludmilla konnte nicht schlafen. Sie stand am Kammerfenster und schaute auf den See hinab. Plötzlich schien ihr, als wäre es gar nicht mehr die Spiegelung des Mondes, sondern der hätte sich selbständig gemacht und losgelöst schwamm er unter dem Wasse4r dahin. Die junge Frau meinte schier, sie könne jeden Augenblick bis auf den Grund sehen. Im Ge4heimen hoffte sie: "Wenn es diese Wasserleute tatsächlich gibt, dann werden sie wohl durch das Mondlicht heraufsteigen und ich kann sie sehen!"
Wie gebannt schaute sie auf das Wasser.
Da! Etwas im Schilf bewegte sich. Die Halme bogen sich leise raschelnd hin und her. Das Wasser warf kleine, funkelnde Wellen. Es glitzerte auf, daß es schien als tropfe Wasser aus lichtem Haar im Mondschein. Dann gurgelten dunkle Laute. Man hätte meinen können, es wäre ein plupperndes Lachen aus einem Mund voller Wasser.

Um nur ja alles gut zu sehen, beugte sich Ludmilla soweit sie nur konnte aus dem Fenster. Da fing unten ein Singen an. Der Gesang war sehr schön, doch auch so schwermütig. Das Mädchen wollte leise mitsingen, doch tiefe Traurigkeit erfaßte sie und so begann sie zu weinen. Gleichzeitig wurden ihre Sehnsucht, ihr Verlangen immer größer zum See4 zu laufen und nach den so schön singenden Wasserleuten zu schauen.
Schon nahm sie sich vor: "Ich tu es und geh hinunter!" als der Bauer in ihre Kammer trat und sagte: "Ich habe dich singen gehört. Eigentlich mehr ein Weinen. Du bist verhext von diesen Wasserleuten!"
Dann ging er ans Fenster und schrie zu den Wasserleuten hinunter: "Wasserleute, Wasserleute! Taucht hinab, sonst verbrenn ich das Schilf!"

Das war wohl die schlimmste Drohung. Das Schilf war ja der verhüllende, schützende Schirm unter dem sie aus der Tiefe heraufsteigen konnten.
Es zischelte und raschelte. Noch ein leises Wasserglucksen ... und dann war es ganz still da unten.
Der Bauer ging wieder zurück in seine Kammer und die Dirn legte sich ins Bett und weinte, ohne zu wissen warum.

Viele Tage und Nächte sann sie über das Geschehene nach. Eines Nachts im höchsten Sommer, als nur die Sterne am Himmel blinkten, zog es sie so sehr an den See, als zögen hunderte Hände sie da hin. So verließ sie das Haus. Am Wasser gedachte sie zu warten, bis die Wasserleute wieder zu singen begännen.
Das Wasser war noch warm vom heißen Sommertag. Es umspülte sachte die Füße des Mädchens, das Schritt für Schritt tiefer in den See stieg. Schon war sie bis zu den Knien im See und der Saum ihres Nachthemdes wurde grade benetzt. Da zog sie es aus und warf es auf das trockene Ufer.
Wie schön müßte es wohl sein, bis an den Hals einzutauchen und zu baden ... Sie war ja ganz allein und keiner konnte sie sehen. Alle, der Bauer und sie Bäuerin, der Knechte und die andern alle, sie schliefen und träumten. Ja, sogar die Viecher schliefen alle.
Sie tauchte ganz tief ein, hob das Gesicht aus dem See und tauchte immer wieder ein. Einmal und noch einmal und noch einmal ...!

Da schauten sie plötzlich aus dem Schilf grüne Augen an! Diese bannte Ludmilla so sehr, daß sie ihre Stimme verlor. Sie wollte ihre Beine heben - doch die hingen fest im See. Vor Schreck wollte sie ihre Arme heben - doch diese schienen auf dem Wasser festzukleben.
Da schoß der Maid ein Gedanke: " Der Wassermann und seine Leute haben mich festgebann. Ich bin verloren, verloren, verloren!"
Nur ihre Augen und ihr Gehör lebten noch!
Da hörte sie auf einmal ein Rufen: "Ludmilla! Ludmilla! Wo bist du?" Es war die alte Bauersfrau, die sie vom Haus aus rief.
Das löste die Stimme der jungen Magd wieder und sie antwortete: "Im See! Im See bin ich! Der Wassermann ist da!"
Laternenlicht. Hastende Schritte. Beine und Arme gehorchten dem Mädchen wieder. Sie schlug fest ins Wasser, daß dieses nur so spritzte und schrie und schrie ...! Das war das Allerärgste für die Wasserleute. Die alte Bäuerin war nun am Ufer, griff sich den größten Stein und warf den mit aller Kraft ins Schilf.
Schon beinahe beim Haus angelangt, bemerkte die Frau, daß das Mädchen ohne Kleid war: "Wo hast du denn dein Kleid, Ludmilla?"
"Unten. Unten am See! Bitte geh nicht hinunter!" bettelte die Dirn.
Am anderen Morgen trieben Fetzen des ehemaligen Nachthemds auf dem See.

Seit dieser Zeit war der Wassermann und seine Leute nicht mehr aufgetaucht.
Die Mädchen waren vor seiner gefährlichen Zudringlichkeit sicher und konnten wieder zu jeder Zeit im See baden.



27.11.2016 11:46 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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