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Wie Gurk unsichtbar wurde = SV « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Wie Gurk unsichtbar wurde = SV Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen



Vor vielen hundert Jahren, so im 15. Jahrhundert, lief einst ein Bote durch den Gurktalgraben und rief laut warnend:
"Die Türken kommen!"


Allein dieser Ruf war genug und alle Leute packten ihr Hab und Gut, was sie halt eben so auf die Schnelle tragen konnten, auf ihre Buckel oder kleine Karren. Sie trieben Ochsen und Kühe auf die Almen oder in die Bergwälder. Dies, weil sie sich sicher waren, daß die Türken mit ihren Pferden da nicht so leicht hingelangen würden.
Nur für die Menschen im Örtchen Gurk, damals noch ein kleiner Markt, kam dieser Warnruf zu spät. Von allen Seiten sprengten bereits die Türken Säbel schwingend und brüllend auf ihren schnaubenden Rössern daher.

Oberhalb von Gurk war ein altes Weilble beim Schwammerln sammeln. Deshalb war sie außerhalb der Mauern und konnte später von den Begebenheiten in dieser furchtbaren Zeit erzählen.

Folgendes begab sich:

Die Gurker Menschen liefen in ihrer Not wie aufgeschreckte Hühner planlos durcheinander.
Schließlich rief einer: "Rasch! Alle in den Dom!"
So füllte sich dieser bis zum letzten Platz. Die verängstigten Menschen beteten und weinten. Und als endlich als Letztes ein Kindlein hereingetragen wurde, zogen starke Männer mit aller Kraft die schweren Kirchentüren zu und verrammelten sie von innen.
So war aus der prächtigen Domkirche eine Festung geworden.
Langsam wurde es immer leiser. Nur ein leises Raunen der Betenden war zu vernehmen.
Über dem Schweigen und den Gebeten lagen die bangen Fragen:
Waren die Türken schon in Gurk? Brannten schon ihre Häuser? Was wird noch stehen, wenn den Zuflucht bietenden Dom verließen? Wann würden sie wieder nach draußen dürfen?
Keiner konnte die Fragen beantworten. So beteten und flehten sie zum Herrgott ihnen beizustehen ...

Währenddessen ritten türkischen Horden von allen Seiten auf Gurk zu. Jeder von ihnen wollte der erste im Ort sein um sich seine Satteltaschen voll packen. Also trieben sie ihre Pferde zur Eile an, wie sie nur konnten.

Da geschah plötzlich etwas total Unglaubliches!
War eben noch der Ort deutlich zu sehen, so entschwand dieser von einem Moment auf den anderen. Echt wahr! Gurk war den Augen der Türken gänzlich entschwunden! Einfach unfaßbar! Grade sahen sie noch den Dom und die Häuser - und jetzt war nur noch ein großes leeres Feld ...
Die Reiter rissen ihre Pferde zurück. Sie rieben sich die Augen und starrten auf das Wunder. Hatte sich vielleicht ein Nebel zwischen sie und dem Ort gelegt? Hm. Das konnte nicht sein, denn Berge und Wälder hoben sich deutlich gen Himmel ab.
Den Oberst der Janitscharen erfaßte ein unheimliches Grausen. War es etwa ein Strafgericht und sie würden erblinden?
Er schwang seinen gekrümmten Türkensäbel und rief seinen Mannen zu: "Zurück! Alles zurück!"
Auf diesen Befehl hin kehrten die Heerscharen niedergeschlagen zurück. Sie ritten in einen Seitengraben und schlugen dort, geschützt durch einen kleinen Wald, ein Zeltlager auf. Ihre Hoffnung war, am nächsten Morgen würde dieser Spuk vorüber sein und Gurk fiele ihnen dann in ihre Hände.

Von all dem hatten die Menschen im Gurker Dom keine Ahnung. Sie wußten nichts von dem Wunder, welches draußen passierte. Sie harrten wartend und betend auf die ersten Schläge gegen die Domtore. Doch nichts dergleichen geschah. Sie beteten zum einen um Hilfe vor dem Unheil, zum andern zum Dank, daß ihnen bislang kein Böses geschehen war.

Und geschah außerhalb?
Kaum war die Nacht zu Ende, stellte sich der türkische Obrist die Frage ob Gurk mit seinen Häusern und dem Dom noch immer unsichtbar war. Er schickte seine Späher aus. Die letzten Bäumen hinter sich lassend schreckten diese vor dem, was sie erblickten, zurück. Da stand doch tatsächlich wieder Gurk samt seinen Mauern, Häusern und Dom in der Morgensonne!
Aufgeregt kehrten die Späher zu ihrer Truppe retour und riefen: "Das gestern Abend war nur eine Täuschung! Wir haben den Ort deutlich gesehen!"
Somit erging folgender Befehl des Anführers: "Vorwärts! Laßt euch von nichts aufhalten! Auf jeden, der mutig sein Schwert schwingt, wartet heute reiche Beute!" Unter lautem Gebrüll stürmten die Türken aus dem Graben gen Gurk. Im Morgenlicht blinkten ihnen die die Domtürme entgegen und sie Kreuze leuchteten im hellen Sonnenschein.
Doch seltsam - kein Mensch war weit und breit zu sehen und der Ort selbst lag wie tot da.
In den Augen der Janitscharen funkelte die Gier auf die erwartete Beute, als sie wild und voll Vorfreude heran ritten.
Doch was war das? Kaum erreichten sie die Stelle, wo sie schon am Vortag waren, verschwand Gurk. Wo vor wenigen Augenblicken noch die Türme des Doms im Licht gestrahlt hatten, sie die Dächer der Häuser gesehen hatten, war nun nur noch ein leeres, weites Feld. Wie zu Stein erstarrt hielt die türkische Horde abrupt an. Jäh verstummte ihr Siegesgeschrei. Ihr Anführer, auf seinen Schimmel einschlagend, befahl nach dem ersten Schreck: "Reitet! Reitet! Das ist nur Blendwerk!"
Gehorsam folgten seine Reiter nach. Auch sie schwangen ihre Säbel - doch da war nichts, was zu schlagen wäre.
Blaß geworden gewahrte der türkische Oberst sein erfolgloses Unterfangen. Abermals mußte er zum Rückzug rufen: "Kehrt um! Zurück! Nicht daß wir selber Opfer werden oder gar in einen unsichtbaren Abgrund fallen!" Erleichterung machte sich unter seinem Gefolge breit als sie zu ihrem Lager zurückkehrten. Freilich, nicht nur die Mannen, sondern auch der Obrist hätten niemals zugegeben, daß ihnen die Angst durch die Glieder kroch.

Klar - anderntags berichteten die ausgeschickten Späher ihrem Heerführer erneut, sie hätten den Ort samt Häuser und Kirche beinahe greifbar gesehen. Tatsächlich! Als sie den schützenden Wald verließen, gewahrten auch die restlichen Janitscharen Gurk. Doch als sie zum dritten Mal an die besagte Stelle mit lautem Kriegsgeschrei angerückt waren - zack - war augenblicklich ganz Gurk verschwunden ...
Das war dem türkischen Anfürhrer denn doch zu viel! Was immer hier vor sich ging - es war unheimlich. Das bisher ungeschlagene Heer der Janitscharen zog endlich ohne Beute ab eiligst ab.

Das alte Weible im Wald, hinter Büschen und Bäumen sicher versteckt, hatte das Wunder mitangesehen.
Als sie sicher war, daß die brandschatzenden Horden nicht mehr zurückkommen würden, ging sie nach Gurk und klopfte an die Tür des Doms. Kaum erkannten die Menschen die Stimme des alten Weibleins, wagten sie sich aus dem Gotteshaus heraus.
Hätte sie von all dem später nicht den Gurkern erzählt, keiner wüßte etwas von dem Wunder wie Gurk samt seinem Dom gerettete worden und von allem Bösem bewahrt worden war.


14.11.2016 13:49 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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