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Haras, Anirac und die Gemüsegeister oder der gekränkte Herr Karfiol « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Haras, Anirac und die Gemüsegeister oder der gekränkte Herr Karfiol Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen

Mit dieser Geschichte erfülle ich gerne den Wunsch meiner beiden, geliebten Nachbarinnen,
meinen entzückenden Karfiol-Mäusen!
Ratet doch, wie die beiden wohl heißen mögen großes Grinsen Zunge raus Augen rollen



Haras, Anirac und die Gemüsegeister
oder
Der gekränkte Herr Karfiol








Vor langer, langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, trafen die Menschen viel öfter als heute auf Naturgeister.
Von einem solchen und von zwei Mädels möchte ich Euch erzählen.

Die Mädchen waren zwei Schwestern. Wenn ich mich recht erinnere, hießen sie Haras und Anirac. Nun waren die beiden so, wie es Schwestern untereinander halt so sind. Ohne eine der beiden besonders in Schutz zu nehmen, konnten sie es oft nicht lassen, sich gegenseitig zu necken. Doch vom Necken zum Streiten ist es dann nimmer so weit. Eigentlich braucht es dazu nur ganz wenig. zum Beispiel, daß eine von beiden etwas grantig war - und schon kracht es, auch wenn man sich sonst noch so lieb hat.
Ihre Mama, eine ganz liebe, bereitete ihren Mädels gerne eine Freude. Eine war unter anderem, lustige Frisuren zu kreiieren. Solche Lieblingsfrisuren waren z. B.: Haras längere Haare zu zwei Dutts zu drehen, daß sie wie Hasenöhrchen aussahen. Anirac war begeistert, möglichst viele Haargummis mit lauter Marienkäferchen in ihre Haare zu bekommen.
Beides sah sehr witzig und wunderhübsch aus.

Nun aber zu unserer Geschichte.
Haras, die ältere und Anirac, die kleinere, liebten es im eigenen Garten frisches Gemüse zu zupfen und gleich so zu essen. Weil ganz oft Karotten oder Erbsen in den Bäuchlein der Kinder wanderten, waren andere Gemüse eifersüchtig - vornehmlich der Herr Karfiol.
So geschah es, wie schon ganz oft. Beide spielten auf der Wiese neben dem Garten mit ihrem Ball. Der flog - ssssssssssssst - durch die Luft und landete im Karottenbeet.
"Ma, fein" rief Haras, "ich hab eh grad Lust auf eine Karotte." Und schon zupfte sie eine aus der Erde, putzte sie kurz am Kleid ab und nagte wie ein kleiner Hase dran.
"Und ich hol mir einige Perlen. Ich bin ja auch eine Prinzessin" grinste Anirac. Mit "Perlen" bezeichnete sie die Erbsen.

Wutentbrannt ereiferte sich der Karfiol und redete sich so richtig in Wut, weil er schon wieder nicht vernascht wurde. Die Kohlrabi meinten, dies läge vielleicht daran, daß die beiden eventuell gar nicht wissen, daß Karfiol auch roh gegessen werden kann.
"Tz", maulte der Karfiol, "du immer mit deinen Ausreden! Dich holen sie sich auch nicht nur einfach so und beißen zu."
"Das ist nicht ganz richtig" sagte einer der Kohlrabi.
Ein anderer Kohlrabi mischte sich ebenfalls sofort in diese Streiterei ein: "Völlig richtig, Bruder. Sag ihm nur, daß die Kinder uns sogar sehr mögen. Aber wir sind ihnen halt oft zu groß. Deshalb, wenn sie uns Herausziehen, müssen sie erst ihre Mama bitten und uns zu schälen und in Scheiben zu schneiden. Aber dann ..."
"Ja, ja! Ach träumt weiter" schimpfte der Karfiol, "Wenn sie mich das nächste Mal wieder übersehen, dann werde ich meinen Schutzgeist anrufen und mich beschweren!"

Schon wenige Tage später war es so weit.
Dieses Mal schnappte sich jede der beiden Schwestern einen Kohlrabi - Haras liebte ihn in lilablau, Anirac mochte mehr die blaßgelbgrünlichen.
Jetzt reichte es dem eifersüchtigen Karfiol. Böse und beleidigt rief er seinem Schutzgeist zu Hilfe. Eigentlich war das ein weiblicher Geist. Sie war in grün gewandet und auf ihrem Kopf thronte ein Haarschmuck, der wie einzelne Karfiolröschen aussah.
"Verehrte Frau Karfiolgeisterin, kannst du mir nicht helfen? Ich möchte doch auch so gerne genascht werden. Aber kein Mensch kommt und nascht von mir." beschwerte sich Herr Karfiol und seine Kollegen gaben ihm recht.
"Das ist halt manchmal so. Sogar erwachsenen Menschen wissen oft nicht, was roh gegessen werden kann - und du gehörst leider dazu." versuchte Frau Karfiolgeist zu beruhigen.
"Ja, aber die essen auch Erbsen!" keifte wieder der Karfiol. Er fand, sie wolle ihn nicht verstehen, nicht zu ihm halten ...
"Mag schon so sein. Doch da wird wohl die Mama der Kinder gesagt haben, daß sie sie vorher aus den Schoten schälen müssen." Frau Karfiolgeist bewies wirklich viel Geduld mit ihrem Untertan.
"Ga-ganz richtig", mischte sich ein Kohlrabi aufgeregt ein, "ganz richtig!"
Und ein anderer Kohlrabis sagte zum Karfiol: " Erinnere dich doch, lieber Karfiol, daß die Mama den beiden extra verboten hat die Strankalan oder andere Bohnen roh zu futtern. Die sind roh nämlich sogar sehr ungesund, oft sogar leicht giftig."
"Na siehst du" versuchte Frau Karfiolgeist zu beschwichtigen, "genau daran wird es liegen."
Doch der Karfiol gab nicht eher Ruhe, und auch die anderen Karfiols pflichteten ihm bei, als bis er sich einen Wunsch ausbedingte.
"OK" gab Frau Karfiolgeist nach, "einen Wunsch sollt ihr frei haben. Aber dann ist Schluß mit dem Gemaule! ..."
Im Verschwinden hörte man nun Frau Karfiolgeist leicht verärgert schimpfen: "Das darf ja nicht wahr sein. So viel Theater wegen nix ... dabei weiß ich doch, daß die Menschen sich sogar sehr um den Karfiol kümmern. Der ist eh eine Primaballerina unter den Gemüsen ..."

Eines Nachmittags kamen unsere Schwestern, diesmal in Begleitung ihrer Freundinnen, in den Gemüsegarten. Die Kohlrabi versuchten die Mädels auf den eifersüchtigen Karfiol aufmerksam zu machen, doch ... leider ... Die Kinder verstanden die Sprache des Kohlrabis nicht.
Kaum griffen die Mädchen fröhlich nach den Karotten, als die Karfiolköpfe gemeinsam den Wunsch aussprachen:
"Die große soll zu einem Hasen werden, weil sie eh soooo gerne Karotten mag." dabei sahen sie strafend zu den Karotten hinüber. Sollen die nur sehen, wozu es führt, wenn sie immer bevorzugt gegessen werden.
Ein anderer Karfiol vollendete rasch die Verwünschung: "Und aus der kleineren soll sofort ein Marienkäferlein werden. Die hat sie eh so oft in den Haaren!"




Was soll ich Euch sagen ...
Augenblicklich hockten anstelle von Haras ein Häschen mitten im Karottengrün. Aus der kleinen Anirac ward ein entzückendes Marienkäferle geworden. Das mußte erst einmal über die Stengel nach oben krabbeln um gesehen zu werden.
Die anderen Kinder, Asil und Anel, stürmten erschrocken und laut schreiend aus dem Garten und nach Hause. Daheim erzählten sie gleich, was sie so sehr erschreckt hatte. Die Eltern schauten Ihre Kinder fassungslos an und konnten es kaum glauben.
Wer hat aber auch jemals etwas Ähnliches gehört oder gelesen?

Als Käferchen und Haserl vermochten Anirac und Haras auch die Sprache der Kohlrabi verstehen.
Diese berichteten, weshalb sie zu Tierlein geworden waren. Kummervoll horchten sie zu und wurden gleich noch viel trauriger, als ihre Mama sie suchte. Daß dabei auch noch Tränen über Mamas Wangen rannen, machte die kleinen Viecherln noch verzweifelter.
Da besann sich einer der Kohlrabi, daß nicht nur der Karfiol so einen Schutzgeist habe, sondern auch alle anderen Gemüsearten, also auch die Kohlrabi.
Alsbald rief er danach, Fee Kohlrabia hörte das und erschien sogleich im Gemüsebeet.
Mei, sah die lustig aus!
Der Unterteil ihres Gewandes hatte die Farbe eines "blauen" Kohlrabi, das Oberteil war dafür so blaßgelbgrünlich. Aus ihren Ohren wuchsen Gebilde, die an Kohlrabiblätter erinnerten und wie Antennen in die Höhe standen.
Die Kohlrabi erzählten was geschehen war, wie traurig und verzweifelt die Mama der verwunschenen Mädchen war.
"Wir Kohlrabi bitten Euch, Frau Fee Kohlrabia, den verwunschenen Kindern zu helfen. Bitte machen Sie die Verzauberung rückgängig." bettelten die Kohlrabi.
"Ihr seid aber gar nette Tierchen", sagte Frau Kohlrabia zu Käferchen und Hase, "seid ihr sicher, daß ihr wieder Kinder sein wollt?"
"Ja, ganz sicher." antwortete das Haserl und mümmelte nach Hasenart mit der Schnauze.
"Auch wenn ihr dann in die Schule und in den Kindergarten gehen müßt?" wurden sie gefragt.
"Ich mach ganz freiwillig meine Hausaufgaben", versprach das Haserl und das Marienkäferle meinte: "Und ich bleib gerne auch länger im Kindergarten, wenn es sein muß," und wackelte aufgeregt mit den Minifühlern.
"Wenn das euer größter Wunsch ist, dann sollt ihr wieder zu Kindern werden. Allerdings kann ich diese Verwünschung nur dann zurücknehmen, wenn ihr in Zukunft auch den Karfiol roh verkostet. Denn wisset, die Karfiols waren eifersüchtig, daß ihr sie nie beachtet oder von ihnen gekostet habt."
"Aber, Frau Fee, uns hat nie einer gesagt, daß wir den Karfiol roh naschen dürfen." entschuldigte sich das Häschen.
"Genau." pflichtete das Käferlein bei.
Damit war es beschlossene Sache. Die beiden wollten ganz gleich vom Karfiol probieren. Das Marienkäferchen breitete seinen winzigen Flügelchen aus und flog los. Das Häschen hoppelte einige Hüpfer weiter. Beide trafen sich im Karfiolbeet.
"Bitte, lieber Karfiol, sei uns nicht böse. Wir möchten zu gerne versuchen wie du roh schmeckst. Weißt du, wir kennen dich nur gekocht mit Butter-Semmelbrösel oder als Salat."
Bei diesen Worten wurde es dem Karfiol ganz warm ums Herz.
"Ja gerne" antwortete er leicht verlegen, "bedient euch. Und glaubt mir, ich bin gut verträglich und ihr bekommt gewiß kein Bauchweh von mir."
So kam, worauf, der Karfiol und seine Kollegen sooo lange voll Sehnsucht gewartet hatten ... sie wurden verkostet!
Kaum schoben die Verwunschenen ein kleines Stück Karfiolröschen in ihren Mund, als sie in Menschengestalt zurückverwandelt wurden.
Stellt Euch nur das seltsame Bild vor - lol- da saßen beide Kinder auf den Karfiolköpfen ... Das sah so was von witzig aus!


Im gleichen Augenblick hörten sie ihre Mama rufen "Carina! Sarah! Wo seid ihr denn?"
"Hier sind wir." gaben beide fröhlich zur Antwort.
"Kommt, wir wollen jausnen. Heute wartet etwas ganz Besonderes auf euch."
Jedes der Mädchen stibitzten noch rasch ein großes Stück vom Karfiol ab. Der jetzt ganz stolz seinen Kopf hoch trug.
Roher Karfiol schmeckt echt köstlich, waren sich die beiden einig. Boah - jetzt aber - richtig eingebildet machte sich der Karfiol wichtig.


Soll ich verraten, was es zu Schmausen gab?
Mama Mone hatte Karotten, Kohlrabi, Karfiolröschen, Gurken, Paradeiser, usw. in nette Staberln oder mundgerechte Stückchen geschnitten und hübsch auf einer Platte angerichtet. Dazu gab es Kräutertopfen, Schnittlauchjoghurt und Zwiebel-Sauerrahm.
Ei, schmeckte das fein!
Nur ... Mama Mone blickte leicht irritiert ihre Mädchen an und fragte sich verwundert: "Was, um Himmels Willen, ist am Karfiol so spaßig, daß meine Schätze gar so kicherten ..."

Tja, ein Beweis:
Selbst Mamas wissen immer nicht alles.
Speziell, wenn es um Erlebnisse ihrer Kinderchen geht ...






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