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katze_edith katze_edith ist weiblich
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Das Königreich der Faulen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen


Das Königreich der Faulen








Einst regierte ein sehr, sehr reicher König ein riesiger Reich. Seine Schatzkammer, von denen er viele besaß, waren übervoll mit Gold und Silber, mit prächtigsten Edelsteinen und Juwelen. Auch sonst war viel Zierrat von unschätzbarem Wert in allen Gemächern. Der Palast war aus edelsten Hölzer erbaut. Goldene Ziegel deckten Dächer und Kuppeln. Die Wände der vielen Räume waren aus Onyx, Karneol, Jade, Perlmutt, Opalen, Chrysopras, Peridot, Türkisen und Lapislazuli. Kostbarste Teppiche mit allerlei Vögeln, Blumen und anderen Ranken in allen Farben und von Hand geknüpft bedeckten die Marmorböden.
So prachtvoll wie der Palast, so prunkvoll waren auch die Gewänder des Königs. Aus mit kostbaren Edelsteinen bestickte Seide und gold- und silberdurchwirkter Brokat bestand seine Kleidung. Aber auch seinen Höflingen ging es gut. Sie waren ebenfalls wohlhaben und gewandeten sich in kostbare Kleider. Eigentlich, wenn man sich so im ganzen Königreich umsah, es gab kaum jemanden, der sich arm nennen durfte. Von Bettlern, wie anderswo, war erst recht nichts zu sehen!

Alle Vormittage verbrachte der König in seinem Thronsaal und hielt Audienz. Er hörte sich dabei die Bitten seiner Untertanen an und gewährte ihnen beinahe alle. Das konnte er sich leisten, weil er mit vielen fremden Ländern und den Naschbarländern regen Handel trieb, der stets äußerst fruchtbar war. Da es seiner Bevölkerung so gut ging, hatte er wenig zu tun. Deshalb langweilte es ihn, Tag für Tag auf dem Thron zu sitzen und nur selten was zu tun zu haben.

Und wie es nun mal so ist, wenn man kaum - oder fast nix - zu tun hat, kommt man auf blöde Ideen.
So auch der König.

Eines Vormittags, als er wieder einmal des Wartens auf Bittsteller müde war, ließ er alle seine Minister, Beamten und Höflinge zu sich rufen und verkündete:
"Ich habe für meine Untertanen alles getan. Kaum jemandem geht es schlecht. Man könnte fast sagen, alle wäre wunschlos glücklich. In meinem ganzen Königreiche gibt es blühende, gutgehende Geschäft und die meisten haben einen eigenen, gutgehenden Hof. Im ganzen Reich gibt es weder Diebstähle noch sonst ein Verbrechen. Eigentlich sind alle mit ihrem Leben zufrieden. Einzig ich allein bin wirklich unzufrieden. Es langweilt mich, alle Tage stundenlang auf dem Thron zu sitzen und zu warten, ob eventuell einer - wenn 's hoch kommt vielleicht 2 - vorbeikommen und ich ihnen helfen darf. Ihr merkt also, mein Leben ist unausgefüllt. Nun meine Überlegung. Ich werde allen Faulenzern im Reich ein Haus bauen lassen. Dafür brauchen sie nichts zu bezahlen und wenn sie essen wollen oder anderes brauchen, dann bekommen sie es von mir."

Stell Dir jetzt die erstaunten Gesichter der Minister, Beamten und Höflinge vor, als sie diesen seltsamen Plan erfuhren. Kaum hatten sie sich vom Staunen erholt und begriffen, was ihr König eben kund tat, fragten sie sich, was nur mit ihm los sein. Aber wer traut sich schon einen König zu fragen, geschweige denn zu kritisieren ... Also stimmten sie den Plänen wohl oder übel zu. Er entließ seinen Hofstaat und schickte gleich nach Baumeistern und Architekten. Für die geplanten Häuser wußte er auch schon den geeigneten großen Platz.
Herolde wurden durchs Reich geschickt um die Neuigkeit folgend ausrufen zu lassen: "Seine Majestät, unser geliebter König, lädt alle Faulenzer seines Reiches ein, auf seine Kosten zu leben. Es werden bereits Häuser für alle gebaut, die dem Müßiggang frönen wollen. Im Palast liegen Listen auf, wo sich jeder, der da mitmachen möchte, eintragen kann."
In Windeseile sprach es sich diese törichte Freigiebigkeit herum. Klar, als die Leute dies vernahmen, gaben sich auch all jene als Faulenzer aus, die es bisher eigentlich nicht waren. Von allen Ecken und Enden des Reiches strömten die Leute herbei um sich in die Liste einzutragen. Bald waren alle Häuser übervoll. Die Baumeister und Architekten kamen kaum nach die nötigen Handwerker zu finden und neue Häuser zu bauen. Schließlich wollten alle nur noch faulenzen.

Es dauerte nicht lange, da verarmte das Königreich total. Eh normal, werdet ihr sagen, wenn keiner was arbeitet. Niemand handelte in seinen Geschäften, keiner bestellte die Felder und Äcker oder tat die Stallarbeit ... In der Hauptstadt war kein freies Plätzchen frei - überall standen die Häuser der Faulenzer.

Jetzt sah der König ein, daß seine Entscheidung, mag sie anfangs noch so gut gemeinte gewesen sein, zum Schaden für sein Königreich war. Tage und Nächte sann er nach, was zu tun wäre. Letztendlich rief er seine Minister, Beamten und Höflinge zu sich und sagte: "Die Zustände in unserem Königreich werden immer schlimmer. Tag für Tag kommen immer mehr Menschen in die Stadt und lassen sich als Faulenzer registrieren. Ich versprach wohl, daß alle auf meine Kosten leben könnten, doch ist es jetzt an der Zeit, den ehemaligen Wohlstand wieder herzustellen. Gebt mir einen Rat, wie ich die falschen Faulenzer wieder loswerden kann, nachdem ich allen ein unabhängiges Leben versprach. Es muß doch möglich sein, daß nur die echten Faulenzer nix tun und die andern wieder ihre Arbeit verrichten."

Alle Minister, Höflinge und Beamten setzten sich nun zusammen und berieten was sie dem König vorschlagen könnten. Ach, was waren sie froh, daß ihr geliebter König endlich von die Sinnlosigkeit und Unüberlegtheit von damals einsah. Sie dachten hin, sie dachten her ... Sie flüsterten miteinander, verwarfen dann wieder ihre Ideen ... Ganz gründlich und angestrengt suchten sie einen Ausweg. Schließlich gingen sie zu ihrem König und gaben bekannt, was sie sich ausgedacht hatten. "Ihre Majestät! Wir sind zu dem Schluß gekommen, die Häuser der Faulenzer in Brand zu setzen. Ihr werdet sehen, Eure Majestät, alle werden rennen und in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren."

Der König fand dies großartig: "Ich wußte, daß ich fähige Berater habe. Danke für diese Idee." Gleich befahl er Bogenschützen mit brennenden Pfeilen die Häuser in Brand zu setzen.
Gegen Abend schlichen sich diese Schützen zu den Häusern, legten die brennenden Pfeile in die Armbrüste und schossen sie ab. Augenblicklich fingen die Behausungen Feuer. Binnen weniger Minuten eilten alle ins Freie und flohen, so schnell ihre Füße sie trugen, in ihre ehemaligen Häuser und Wohnungen.

Lediglich vier Männer kümmerten sich um nichts, was da draußen vorging, Einer blieb im Bett liegen, der war viel zu faul zum Aufstehen. Er machte grad nur ein Auge halb auf und wunderte sich über die Helligkeit: "wie viel Sonnen sind denn heut aufg'gangen? Aber so hell!"
Der zweite meinte: "Sei friedlich. Ich hab's grad so bequem und keine Lust meine Augen aufzumachen."
Dem dritten brannte die Hitze bereits im Rücken, doch mehr als ein:"Aaau", sagte er auch nicht. Dazu war er einfach zu faul!
Der vierte Faulenzer, der allerfaulste von allen, maulte nur: "Ruhe! Dreht Euch um und schlaft weiter."

Zum Glück für diese vier Faulenzer stand ihr Haus ganz in der Nähe zum Fenster des Königs. Dieser hörte das und ließ sie sofort aus dem brennenden Haus holen. Jetzt war es völlig klar, wer echt faul war. Diese vier rührten sich nicht einmal , wenn es über ihrem Kopf brannte.
Das Feuer wurde alsbald gelöscht. Vier zerstörte Häuser ließ der König reparieren und ein jeder der Faulenzer bekam sein eigenes Haus. Ja, sie erhielten sogar eine Dienerschaft, brauchten sie nur noch essen und schlafen.

Da nun alle wieder ihrer Arbeit und ihren Geschäften nachgingen, zog bald wieder der Wohlstand ins Königreich zurück und alle lebten glücklich und zufrieden für den Rest ihrer Tage.







9/2016
@eea
08.09.2016 13:54 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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