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Der Schlangentöter im Glantal « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

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Der Schlangentöter im Glantal Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen



Das Land um die Glan, war dereinst ein wüstes, Ödland ohne Menschen. Es heißt, in dieser sumpfigen Wildnis züngelte allerlei Gezücht umher.
Es gab nur ganz wenige Menschen, die sich ansiedelten. Allerding nur auf den kargen Anhöhen, wo sie den mageren Böden unter größten Anstrengungen ihr tägliches Brot abzuringen versuchten. Doch bald waren die armen siedler auch auf den Höhen vor dem Giftgewürm nicht mehr sicher. Diese Schlangen vermehrten sich unheimlich schnell. Sie krochen in die Häuser und machten sich überall breit. Selbst in Betten, Kästen, usw. Sie machten sich über alles Eßbare her. Unerschrocken fraßen sie sogar aus dem Tellern der Bewohner. Was immer die armen Menschen auch anstellten - Bittprozessionen, Feuer oder Gift - Nichts half gegen das giftige Getier.

Die armen Bauern beschlossen schon alles liegen und stehen zu lassen und diese unwirtliche Gegend zu verlassen. Für den Abzug war bereits alles fertig. Da, eines Abends, kam ein Bursch auf der Störe zu den Menschen. Er wurde zum kargen Mahl eingeladen. Dabei erfuhr er von der Plage mit dem großen und kleinen, giftigen Gewürm. Still lauschte er den Erzählungen.
Dann fragte er: "Sagt mir, ist unter allen vielleicht auch eine weiße Schlange?"
Die Menschen verneinten dies, denn bisher hatte keiner eine solche gesehen.
Da bat der Handwerksbursche die Menschen noch nicht zu gehen. Er aber begann mit seinen Vorbereitungen. Die Leute mußten da, wo heute Friedlach ist, um eine Eiche mit breiten Ästen einen weiten Kreis aus harzigen Tannenzweigen und dürren Reisig von Laubbäumen anhäufen. Währenddessen er selbst übte einen eisernen Reifen zu werfen.
Als alles geschafft war, verabschiedete er sich. Denn wenn es doch eine weiße Schlange gäbe, dann wäre sein Leben verloren. Die Schlangenkönigin würde ihn töten. Wenn dies geschehe, so mögen die Menschen hier ein immerwährendes Opfer zur Sühne seiner armen Seele stiften.

Gern gaben die Bauern ihm dieses Versprechen. Nun überkletterte der Bursche den hoch aufgeschichteten Kreis. Auf der hohen Eiche setzte er sich auf einen Ast und begann auf einer kleinen Flöte, die er in seiner Tasche hatte, zu spielen. Auf sein Zeichen zündeten die Menschen nun den Kreis an. Hell loderte alsbald das Feuer auf. Er spielte lustige Weisen. Nicht lange, da raschelte es und aus allen Ecken und Löchern, unter Laub und Geäst wurde es lebendig. Wohin man sah, überall krochen in rauhen Mengen Schlangen daher. Aus allen Häusern und Ställen, aus allen Schluchten und Gräben schlängelte sich das grausliche Getier dem Klang der Flöte entgegen. Sie versuchten sich irgendwie über diesen glühenden Kreis zu schwingen. Jedoch keiner Schlange gelang dies. So fanden alle in den Flammen den Tod.

Schon vermeinten die Menschen, die dieses Schauspiel staunend verfolgten, der Zustrom würde langsam zu Ende gehen, Der Bursch glaubte bereits, er hätte die Schlangenbrut besiegt zu haben. Er schaute über den Rauch hinweg zu den Menschen, die in Freudenschreie ausbrachen.
Da geschah es!
Ein vielstimmiger Entsetzensschrei gellte ohrenbetäubend. Als der Bursche dies vernahm, erbleichte er, denn er wußte, was dies zu bedeuten hatte. Es kündigte die Schlangenkönigin an.
Dies war eine weiße Natter mit einem kleinen Krönchen auf ihrem Haupte. Mit unheimlicher Geschwindigkeit näherte sie sich mit gewaltigen Sprüngen und raschen Windungen vom Berg vis-à-vis herunter und dem Feuer zu. Der Bursch versuchte immer mehr schmeichelnden Töne seiner Flöte zu entlocken. Kurz hielt die weiße Schlange inne, hob ihren Kopf und lauschte der lieblichen Weise. Dann kroch sie unentwegt dem feurigen Ring entgegen.
Nun beschlich bange Ahnung die Menschen ringsum. Der Bursche aber spielte und lockte weiter. Bald erreichte die Schlangenkönigin das Feuer. Mit einem mächtigen Satz gelang es ihr nicht nur den glühenden Kreis zu überspringen, sondern auch des Burschen Hals zu erreichen. Fester und fester umklammerte sie diesen. Nicht lange, da stürzten beide in die Flammen und fanden darin den Tod.

Nun war die Gegend von der gräßlichen Plage befreit. Das giftige Gewürm war ausgerottet.
Die Leute aber vergaßen ihr Versprechen nicht, daß der Handwerksbursch sein Leben für die geopfert hatte. Sie errichteten genau an dieser Stelle zum Gedenken ein kleines Kirchlein.

Heute dehnen sich auf diesem Land sehr fruchtbare Felder und Äcker aus. Aus dem wüsten Ödland ist ein liebliches Tal mit lachenden Fluren geworden. Aus großer Dankbarkeit wird seither alle Jahre, zum Jahrestag dieses Ereignisses, für das Seelenheil des Buschen die sogenannte "Schlangenmesse" gelesen.




4.1.2017
Eure Katze_ Edith
04.01.2017 21:54 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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