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Der Heuschreck Hüpfer und die Ameise Emse « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

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Der Heuschreck Hüpfer und die Ameise Emse Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen

Heut will ich Euch eine Geschichte von zwei Viecherln erzählen, die Ihr wohl alle kennt, über die Ihr Euch wohl kaum Gedanken gemacht habt.
Beide gibt es in vielen, oft sehr unterschiedlichen Größen und Abarten.

Ich erzähl Euch heute die Fabel von einem Heuschreck und einer Ameise.




Herr Heuschreck war ein glückliches, lebensfrohes Tierchen. Er sorgte sich um nichts. Viel lieber lag er in der Sonne, hopste und tanzte ausgelassen durchs Gras. Gerne übte er hohe und möglichst weite Sprünge, wofür er von vielen anderen Insekten bewundert wurde. Doch am allerliebsten wollte er sich vergnügen und spielen.

Eines schönen Sonnentags war ihm wieder einmal soooooo laaaaaaangweilig. Da traf er eine Biene.
"Ach, liebe Biene, komm spiel' mit mir." bettelte Hüpfer, denn so hieß er, die Biene an.
"Tut mir leid," erwiderte die Biene, "ich habe dafür gar keine Zeit!"
"Warum denn nicht?" motzte Hüpfer.
"Aber das weißt Du ja. Ich sammle Pollen und Nektar. Daraus machen wir Bienen Honig." erklärte Summsumm, die Biene.
"Ist ja langweilig." Hüpfer scharrte etwas mit seinen Beinchen.
"Das IST aber wichtig, denn ohne Honig überleben wir den Winter nicht. Servus, Hüpfer!" Summsumm winkte zum Abschied und flog zur nächsten Blüte.
Hüpfer war etwas sauer und dachte trotzig bei sich: "Dann flieg halt weiter. Ich spiele viel lieber."

Er machte einige großen Sprünge und schon war er wieder vergnügt. Da begegnete er dem Marienkäferchen Pünktchen, das eilig auf einem Blatt umherkrabbelte.
"He, du! Willst du mit mir spielen?" fragte hoffnungsfroh unser Heuschreck.
"Nichts für ungut," entgegnete der Marienkäfer, "ich hab keine Zeit. Wie du siehst, muß ich mich um die Rosen kümmern. Die haben so viele Blattläuse und da brauchen sie uns ganz dringend!"
"Ma, seid ihr alle dumm!" maulte Hüpfer, "heute ist so ein wundervoller Tag, die Sonne lacht und ihr denkt nur an Arbeit!"
Grantig, daß auch der Marienkäfer keine Zeit hatte um mit ihm zu spielen, sprang er weiter.

Es dauerte nicht lange, da war er wieder guter Dinge, denn er sah eine Ameise. Eine Zeitlang beobachtete er sie, wie sich sich mit einem großen Gerstenkorn abplagte.
Er legte sich auf ein Blatt und sprach die Emse an:
"Hi, Emse! Kannst du mir erklären, warum du dich gar so plagst? So ein schöner, sonniger Tag ist wie geschaffen um ihn zu genießen oder um zu spielen." versuchte der Heuschreck die Ameise für seine Idee zu gewinnen.
"Du bist mir ja einer!" lachte die Ameise, "dazu hab' ich wirklich keine Zeit. Jetzt ist die beste Zeit um sich einen Wintervorrat anzulegen und dieses Gerstenkorn ist sicher im Winter ein Genuß."
"Ein Gerstenkorn ... für den Winter ..." äffte der Heuschreck ihre Worte nach, "wer denkt bei diesem herrlichen Sonnenschein an den Winter!"
"Hmmm ...! Sag bloß, du hast noch kein Nest, noch keinen Vorrat ...?" Ungläubig schaute die Ameise mit großen Augen ihr Gegenüber an.
Da lachte Hüpfer laut auf: "Nest? Vorrat? Also sag mir einmal, wozu soll ich das denn haben? Es ist doch so wunderschön warm! Schau dich doch um," dabei zeigte er mit seinen Armen reihum, "wo du hinschaust gibt es genug zu essen! Was ihr euch alle immer so Sorgen macht ..."
Damit machte er sich auf und davon. Schaukelte auf dem Grashalm, wiegte sich auf einem Spitzwegerichblatt ...

So verging der Tag und es wurde Abend. Noch immer sprang, hüpfte und tanzte Hüpfer im Takt zu seinem Gesang. Plötzlich gewahrte er eine Spinne im Mondlicht.
"Nanu, da ist ja doch noch wer wach?" staunte unser Heuschreck. Sofort hoffte er, doch wen gefunden zu haben, der mit ihm gemeinsam spielte: "Es ist ja jetzt schon Abend, liebe Clarabella. Willst du mit mir ein wenig spielen?"
"Wie? Was? Spielen? Jetzt?" verwunderte sich die Spinne.
"Ja, jetzt mit mir spielen." Hüpfer war ganz aufgeregt vor Vorfreude.
"Dir geht's wohl nicht gut, wie?" fauchte die Spinne, "ich muß zusehen, daß mein Netz fertig wird. Also zum Spielen hab ICH da aber echt keine Sekunde übrig!"
"Dann halt nicht!" Beleidigt über die neuerliche Abfuhr hüpfte er weiter.

Auch in den nächsten Tagen und Nächten erging es ihm nicht anders. Alle Tierchen und Insekten arbeiteten emsig, während er hüpfte, tanzte oder sie manchmal neckte. Und Nachts, wenn die anderen müde von der vielen Arbeit, schlafen wollten, da sang er auch noch und trommelte mit seinen Hinterbeinen den Takt dazu.

Eines Nachts war es der Biene Summsumm zu viel. Zornig schimpfte sie "Bist du nicht bald still?! Schrecklich dieser Krach! Nicht einmal in der Nacht kann man sich etwas ausrasten!"
"Ja, bitte, bitte, lieber Hüpfer, sei einmal ruhig und vergönne uns den Schlaf." schaltete sich auch der Marienkäfer ein.

So vergingen die Tage und Wochen. Langsam merkte man schon, daß der Sommer sich dem Ende zuneigte. Die Tage wurden kürzer. Anfangs kaum merkbar, dann aber immer deutlicher. Auch wurde es kühler und kühler. Manchmal lag schon leichter Nebel über der Wiese. Doch davon wollte Hüpfer sich nicht beeindrucken lassen. ER wollte sich einfach nur vergnügen und seinen Spaß haben. Ja, OK, auch er sah, wie nun auch die Kinderchen ihren Eltern bei der Arbeit eifrig halfen.
Besonders bei den Ameisen war das so.
"Du meine Güte! Emse, sind das alles deine Kinder, die dir so fleißig helfen?" fragte er. Irgendwie hoffte er, ob vielleicht eines der Kinderchen vielleicht Lust zum Spielen hätte ...
"Ja und sie müssen mir brav helfen, sonst schaffen wir es nicht über den Winter." die Ameise hielt einen Augenblick Rast zum Verschnaufen, "Und du? Hast du dir schon endlich ein Nest gemacht und dir einige Vorräte angelegt?"
"Pfff!" gab er ihr schnippisch zur Antwort, "du immer mit deinen Vorräten! Schau dich um. Essen, wohin man hinschaut! "
"Wie du meinst," sagte die Ameise und arbeitete weiter.

Unbemerkt für Hüpfer war der Herbst ins Land gezogen. Nachts war es jetzt schon so kühl, daß sogar unser Hüpfer keine Lust zum Tanzen, Singen und Springen verspürte. Morgens waren seine Glieder steif von der Nachtkälte und es dauerte immer länger, bis diese wieder gelenkig waren.

"Möchtest du dich nicht doch langsam um Vorräte kümmern?" fragte die Spinne Clarabella.
Doch trotz all der guten Ratschläge und Ermahnungen - Hüpfer wollte einfach nicht dran denken.
"Noch ist bis zum Winter ganz lang" trällerte er der Spinne zur Antwort. Die schüttelte den Kopf und war über so viel Unvernunft ganz desparat.

Jeden Tag verloren mehr und mehr Bäume ihre Blätter und unser Heuschreck brauchte immer länger Futter zu finden. Längst war er nicht mehr so heikel. Mittlerweile war ihm alles recht, Hauptsache, sein Bäuchlein grummelte nicht mehr. Sogar das Tanzen und Singen machten keinen Spaß mehr!

Da kreuzte sich sein Weg mit dem der Ameise und ihren Kinderchen. Die schleppten schwer an Samen. Boah! Waren die dick und fett!
Gierig fragte er: "Hallo, Ameise! Sag, wo du diese Körner gefunden hast ... äh ... hm ... sag, gibt es da noch mehr davon?"
Kurz stellte die Emse das Korn ab und wies mit ihren Ärmchen in die Richtung, aus der sie eben kamen: "Dort drüben findest du noch genug davon. Aber sag, hast du jetzt endlich ein Nest und Vorrat?"
"Ach du immer mit Nest und Vorrat!" sagte er.
"Ich meine ja nur, weil der Winter ist zügig im Anmarsch und von einem Tag auf den anderen ist alles weiß und mit Schnee bedeckt. Wenn du dann kein Nest und keinen Vorrat hast ..." gab die Ameise zu bedenken.
Hüpfer fiel ihr ins Wort: "Erst muß ich was futtern. Du mußt schon einsehen, daß ich mich erst danach vielleicht um all deine Vorschläge kümmern kann."
Sprach 's und ... flugs ... war er in die Richtung verschwunden, wo er die Samen vermutete.

Die Ameise behielt recht. Schon wenige Tage später war in dicken Flocken der Schnee gefallen und bedeckte jetzt alles wie mit einer weichen Decke. Der Marienkäfer Pünktchen mit seiner Frau war in seinem Nest und schlief und träumte. Im Bienenstock hielten sich die Bienen mit allen Freunden und Verwandten warm und tranken gelegentlich etwas vom Honig.
Nur unser Heuschreck war mutterseelenallein noch auf der Wiese. Saukalt war es und alles, was er hörte, war das grimmige Knurren seines leeren Bäuchleins. Weit und breit war kein Futter zu finden!
In seiner Verzweiflung kam ihm die Ameise in den Sinn.
Die liebe gute Ameise, hat ja so eifrig gesammelt, da findet sich gewiß auch ein wenig für mich. So machte er sich auf den Weg zu ihr. Vor Kälte schlotternd und halb verhungert suchte er nach dem Ameisennest. Endlich, hinter einem Felsen fand er es.

Er klopfte an ihre Tür. Drinnen war es warm und geschützt.
"Was willst du denn hier?!" fragte die Ameise.
"Liebe, gute Ameise, hättest du vielleicht etwas Futter für mich?" stotterte der vor Kälte scheppernde Hüpfer.
"Jaja, den ganzen lieben Sommer lang hast du uns verspottet, wenn wir arbeiteten und sammelten, wir schufteten und uns plagten. Wir alle haben für ein warmes Nest gesorgt und tüchtig unseren Vorrat angelegt. Und was tatest du? Du hast nichts von dem gemacht! Kein Nest! Keinen Vorrat!" und dabei sah sie ihm tief in seine Augen.
Entschuldigend meinte er: "Ich hab gespielt, getanzt, auch für euch gesungen. Dafür ist ein Sommer doch da ..." Nun war der Grashüpfer nimmer so selbstsicher und schaut verlegen zu seinen Fußspitzen.
"Tja, da hast du wohl einen Fehler gemacht." sagte die Emse zu ihm, "Wer im Sommer nur spielt, tanzt und singt, der muß im Winter eben hungern und frieren!"
Jetzt kullerten dicke Tränen über die Wangen unseres Hüpfers. Traurig fragte er zurück: "Meinst du denn, liebe Ameise, daß es jetzt zu spät ist?. Ehrlich," dabei legte er seine Hand auf sein Herz, "ich hab die Lektion ja gelernt. Du und die andern, ihr hattet ja so recht mit euren Ermahnungen ..." Die Stimme versagte dem armen Hüpfer jetzt gänzlich vor Reue, Scham und Verzweiflung.
Dieser herzzerreißende Anblick rührte die Ameise zu tiefst. Ihr weiches Herz ließ sich nimmer verleugnen.
"Ja, OK! Komm herein und wärme dich auf. Dann werde ich sehen, ob ich auch etwas zu essen für dich finde."
Dankbar wie noch nie kroch er ins Nest der Ameise. Die Ameise und ihre Familie rückte zusammen. Ach, wie kuschelig warm es hier doch war! Bald schlotterten seine Beinchen nicht mehr und auch sein Bäuchlein beendete das Knurren. Wie gut das Futter schmeckte. Vornehm hielt er sich zurück, denn er wollte seinen Gastgebern nicht alles wegfuttern ...

Endlich! Langsam, nach langen Wochen, wich der Winter und machte dem Frühling Platz. Kaum, daß die Sonne alle Tierlein und Insekten auf die Wiese lockte, sah man auch Hüpfer.
Und was tat der?
Freilich tanzte und sprang er, wie es seiner Art entspricht, durchs saftige Grün. Allerdings - er fraß sich nicht nur ein kleines, dickes, fettes Bäuchlein an, nein ... er hatte tatsächlich etwas gelernt.
Schon bald suchte er einen geeigneten Platz für sein Nest mit einer Vorratskammer. Eifrig sammelte auch er Körner und Samen für den langen Winter. Denn niemals wieder wollte er vor Kälte schlottern und sich fürchten Hungers sterben zu müssen ...

Ja, es ist stets gut aus seinen Fehlern zu lernen.
Wohl dem, der gute Freunde hat, die einem in der Not beistehen und helfen!





2.1./2017
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02.01.2017 21:59 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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