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Wenn da Gamsbock es Plearrn anfangt ... = KL « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Wenn da Gamsbock es Plearrn anfangt ... = KL Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen



Ihr kennt sicherlich auch solche Leute, die mit den Viecherln reden.
Ein solcher, ein Jäger, lebte dereinst einmal in Windisch-Bleiberg. Man sagt, er war mit den Gamsen sehr vertraut. Wenn sie flüchten wollten, dann redete er mit ihnen.
Vielen Menschen war dies nicht ganz geheuer. So tuschelten sie, er könne noch mehr, was ein normaler Menschenverstand nicht begreifen könne.
Über diesen Jäger nun will ich eine der Geschichten, welche sich um ihn ranken, widergeben.

Einmal also stieg der Jägersmann über ein sehr steiles Geröllkar hinauf. Weil die Steine unter seinen Tritten immer wieder nachgaben und abwärts kullerten, war das ein sehr ermüdendes Unterfangen.
Deshalb beschloß er, auf der Halbscheid eine Rast einzulegen. Er hockte sich dazu unter eine Staude ... und bald schlief er ein. Ihm träumte, er sei mitten in ein Gamsrudel geraten. Die traten ihn mit ihren Klauen tot, weil sie in ihm einen Jäger sahen. Boah - das war ein grauslicher Traum! Vor Schreck erwachte er.
Er gelobte: ^^Ab heute will ich keiner Geiß, keinem Kitz was tun. Einzig einen überständigen* Bock werde ich noch schießen!^^
Da wechselte ein Gamsrudel durchs Kar und trat Geröll los. das rieselte. kollerte und polterte von Höhe herunter. Kurz drauf fand er ein kleines Kitz, das abgerollt war. Der Jäger hob es auf seine Schultern, trug es in sein Haus und pflegte es gesund. Das Kitz war ein kleines Geißlein. Er sprach gütlich auf es ein und so faßte es Vertrauen zu dem Mann, der gut zu ihm war. In einigen Augenblicken konnte man beinahe meinen, es verstünde jedes menschliche Wort ... Dann kam der Tag - das Geißlein war wieder gesund und durfte zurück ins Revier.

Eine Zeit danach, saß er einmal mit dem Herrn Grafen im Wirtshaus. Wie es halt so ist, wenn die Leute zuviel Alkohol intus haben, so erging es auch dem Jäger.
In seinem Suff prahlte er: "Auf mich horchen alle Gams. Wenn ich will, kommt ihnen kein Tier vor die Büchse. Genauso kann ich wollen, daß ein Bock plearrat zu mir ins Jägerhaus kommt ..."
Logisch, daß solches ang'soffene Reden den Grafen sehr verärgerte. "Du meinst also, du wärst ein besserer Jäger als ich? Das darf nicht sein!"
"Dann machen wir halt die Probe, Herr Graf!" konterte der Jäger.
"Paßt! Aber wehe, du hast gelogen!" Der Graf nahm die Herausforderung seines Jägers an.
Grad, daß es noch hell war, als sie beim Jagdhaus anlangten. Eigentlich hätten sie ja noch auf die Pirsch gehen können, doch der Graf ließ sein Gewehr in der Stube.
Vom Jäger aber verlangte er dafür streng und doch ziemlich spöttisch: "So, jetzt schick mir deinen weinenden Gamsbock vorbei!" Leicht verwirrt gewahrte der Jagdherr, wie dieser ohne Gewehr seinem Befehl nachkam.
Kaum war der aus dem Haus raus, stieg er auch schon wenige Schritte hinunter und versteckte sich hinter Erlengebüsch. Da hockte er nun und stieß drei gellende, scharfe Pfiffe aus und ahmte eine hohe Kitzstimme nach. Wie erwartet erschienen alsbald in den Felswänden die Gemsen. Der Jäger rief zu ihnen hinauf und redete zu den Geißen. Irgendwie wurde es ihm dabei selbst etwas unheimlich ...
Plötzlich bemerkte er hinter sich Gamssprünge. Er drehte sich um und ... da trat ein uralter Bock auf ihn zu. Der trug auf seinem gebeugten Kopf ein wunderschönes, uraltes Gehörn. So wie er seinen Kopf hielt, schien es, als wollte er den Grafen niederstoßen, der in der Hüttentür stand und alles beobachtete. Jedoch, als er seinen Kopf hob, da liefen Tränen aus seinen alten Gamsaugen.
Da hob der Jäger auch schon seine Hand. Sofort sprang der Gamsbock auf und war im Dickicht junger Erlen verschwunden.
Boah! War da der Graf fuchsteufelswild! Der schrie, schimpfte und tobte: "Du kannst mehr als ich! Das mag ich gar nicht! Ich hab noch nie vertragen, wenn einer mehr zustande bringt als ich! Du kannst nur mit dem Bösen im Bunde sein! Solche, wie dich, dulde ich nicht! Schau, daß du aus meinen Augen und für immer fortkommst! La0 dich hier nie wieder blicken!""
Ungläubig ob des Vernommenen und noch lachend entgegnete ihm der Jäger: "Aber, Herr Graf! Bedenkt doch, ohne mich bekommt ihr nie wieder auch nur ein Stück Wild vor die Flinte!"
Als er merkte, daß es seinem Jagdherrn Ernst war, wandte er sich um und ging zu seiner Jagdhütte zurück.

Bald danach wurde bekannt, daß im Steirischen drüben ein Wildschütz gar arg wilderte. Diesem war aber nicht beizukommen. Er übernachtete auf verlassenen Almen, in ebensolchen Hütten oder in teilweise zerfallenen Knappenhütten, ... Trotz sehr hohem Kopfpreis konnte dieser Wilderer nicht gefunden und erst recht nicht gefangen genommen werden! Dieser Wilddieb war ...(ihr habt es wohl schon geahnt) ... unser Jäger.

So saß er einmal auf der Gleinalm. Er wollte da in Ruhe in einer halbverfallenen Hütte übernachten und hatte deshalb einen unsichtbaren Zauberring darum gezogen. Dies deshalb, damit ihm sofort mit einem Bild an der Wand gemeldet würde, falls wer in diesen Zauberring trete. Damit war er stets sehr früh vor seinen Verfolgern gewarnt. Am Abend machte es sich der Mann kommod*. Seiner Büchse entnahm er die Patronen und hängte die dann an einen Nagel, denn er hatte vor, den Lauf zu putzen. Er fachte im Herd ein Feuerchen an, nahm den Hasen aus und paffte dabei ein Pfeifchen.

Mit einem Mal aber flog die Tür auf ...
Wie kann das sein? Die Klinke hatte sich nicht bewegt ... Der Riegel war noch immer vorgeschoben ...
Ein fremder Jägersmann trat grußlos ein und hängte seine Büchse zu der des Jägers an den Nagel. Dann nahm er an der anderen Herdseite Platz und entzündete sein Pfeiferl mit einem glühenden Kohlenstück aus der Glut. Es war unserm Jäger ziemlich unheimlich. Und sein Gruseln mehrte sich immer mehr ... Denn egal was er tat, der Fremde tat es ihm gleich! Drehte er den Hasenbraten, der Fremde tat es auch, weil urplötzlich eine zweite Bratpfanne mit einem Hasen darin auf dem Herd stand. Heizte er nach, der andere tat es auch. Klopfte er seinen Pfeife aus und stopfte sie neu, der unheimliche Gast tat es ihm gleich.
Nach einer Weile wurde es dem Jäger zu blöd. Er hielt dieses Spielchen des Fremden nicht länger aus. Erzürnt sprang er auf und griff so ungestüm nach seinem Gewehr an der Wand, wobei das des Fremden in eine Ecke der Hütte flog. Gleich steckte er auch schon eine Patrone in den Lauf, hob sie an und drückte gegen den "Gast" ab.
Aber - was war das? Kein Schuß entfuhr der Büchse!
Jetzt endlich begann der unheimliche Gast zu sprechen an: "Spar dir das Schießen! Der Schuß tät ja eh nur durch mich hindurch gehen. Hättest du meine Flinte angerührt, hättest du dir deine Hände arg verbrannt!"
Bei diesen Worte erblaßte der Jäger. Fast tonlos hauchte er: "Dann bist du der Glühende?! Ich weiß, meine Zeit ist um."
Nun stieg der langgesuchte Wilderer, der ehemalige Jäger, ins Tal hinunter. Keiner konnte ihm je habhaft werden und jetzt meldete er sich von selber bei dem Dorfvorsteher und ließ sich in den Kotter sperren ...




* überständiger Bock = ein Bock, der schon alt geworden ist
* kommod = bequem
22.11.2016 13:49 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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