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Michl und die Füchsin « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Michl und die Füchsin Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen


TITEL







In ganz, ganz alten Zeiten lebten einmal ein Ehepaar mit ihrem Sohn, den Michl. Sie waren schrecklich arm, denn sie lebten nur davon, was sie im Wald an Hold hacken durften. Meistens nahmen sie ja ihren Buben mit zur Arbeit, doch hin und wieder, da war es für den Kleinen zu gefährlich. Dann mußten sie ihn allein zu Hause lassen.
Wieder einmal war es so weit. Die Eltern nahmen ihren Michl in die Arme: "Lieber Michl, wir müssen dich heute allein lassen. Brot und etwas Speck sind in der Tischlade. Wenn du Hunger bekommst, dann weißt du, wo was ist. Und bitte, vergiß nicht, was wir dir immer sagen - laß ja keinen ins Haus!"
"Aber Mama," sagte der Michl, "das weiß ich doch. Das sagst du mir ja immer und ich habe noch keinen hereingelassen."
"Ja, ich weiß, mein lieber Michl, aber bisher war ja auch noch niemand wirklich da. Aber wer weiß, vielleicht kommt doch einmal wer vorbei. Man kann nie wissen." warnte die Mutter liebevoll. Dann gingen die Eltern in den Wald zur Arbeit.

Nicht lange, da klopfte es an der Tür.
"Hallo, ist da wer?" Es war der Fuchs, der bemerkt hatte, daß der Bub allein daheim geblieben war.
"Bei uns ist keiner daheim" antwortete der Michl.
"Ach komm, dir ist sicher ganz langweilig so allein. Mach auf, dann will ich dich gerne auf meinem schönen Schweif spazieren tragen." lockte der Fuchs den Buben.
"Nein, ich mach nicht auf! Du willst nur hereinkommen und dann frißt du mir alles weg und ich hab dann Hunger." war Michls Antwort.
"Tz, ich will ja gar nichts von dir. Und wegessen schon gleich gar nicht! Ich wollte eigentlich nur einmal mit einem Menschenkind spielen. Wenn du nicht willst, dann eben nicht. Mir war halt auch ein bißl langweilig. So wie dir!" tat der Fuchs beleidigt. Eine Weile war es still ... Aber der Fuchs ließ mit seinen verlockenden Versprechungen nach Spiel und Spaß nicht locker. Irgendwann gab der Bub nach und er ließ den Reinecke in die Stube. Zuerst war er wirklich ganz nett und spielte mit dem Kind. Er trug den Michl auf seinem Schweif durch die Stube. Welch Spaß das machte! Der Kleine klatschte vor Vergnügen in seine Händchen und jubelte fröhlich. Endlich hatte der Bub einen Spielkamerad. Doch diese Gaude sollte nicht allzu lange dauern. Plötzlich änderte der Fuchs sein Verhalten. Er fraß alles Brot, Speck und was sonst in der Tischlade war, auf. Zuletzt schnappte er sich den Michl, schleppte ihn hinaus, durch den Wald und steckte ihn in seinen Fuchsbau.

Wie schrecklich war es für die Eltern, als sie am Abend nach Hause kamen und keine Spur von ihrem geliebten Michl vorfanden. Im Haus sah es fürchterlich aus! Alles lag kreuz und quer herum und nichts Eßbare mehr vorhanden. Sie riefen und suchten nach ihrem Kind - nichts. Nicht unterm Tisch, nicht im Bett oder Kasten, nicht hinter der Holzkiste. Ja sie suchten sogar im Ofen nach ihm,
Es war nun stockfinster. Leise vernahmen die Eltern den Klang einer Fidel, der langsam näher kam. Dann pochte es an der Tür.
Die Mutter öffnete und sagte gleich: "Bitte hör auf zu spielen. Uns ist grade nicht nach fröhlicher Musik."
"Oh! Verzeiht, das wußte ich nicht. Sagt, was ist denn geschehen, daß ihr gar so traurig seid?"
"Ach, heute Morgen mußten wir wieder einmal in den Wald und da es eine gefährliche Arbeit war, mußten wir unseren lieben Michl daheim lassen. Bisher war er immer brav und hat auf uns gehört. Aber heute ..." die Mutter konnte nicht weiter sprechen. Die Tränen kullerten nur so über die Wangen.
"Etwas Schlimmes muß mit dem Buben passiert sein. Schaut nur, wie es hier ausschaut!" auch der Vater war ganz verzagt.
Da sagte der Fremde: "Dann kann ich mir schon denken, wo er sein kann. Gebt mir eine Mütze voll Geld, dann will ich ihn euch holen."
"Du bist gut." gab der Vater dem Fremden auf sein Angebot zur Antwort, "Du siehst ja, daß wir selber nichts haben. Ja nicht einmal etwas zu Essen. Wie sollen wir ein Geld haben? Geh, lieber Fidelmann, hilf uns. Wir möchten unsern Michl sooo gerne wieder bei uns haben!"

Eine kurze Zeit lang überlegte der Fremde. Dann nahm er seine Fidel und trat hinaus in die Finsternis. Nur der Mond leuchtete ihm schwach. Schließlich kam er bei dem Fuchsbau an und stellte sich grade davor auf.
Er begann auf seinem Instrument zu spielen an und sag dazu: "Unsre liebe Füchsin hat sieben kleine Füchslein und hat unsern lieben Michl auch dabei ..."
Das sang er einige Male - so lange, bis die jungen Fuchskinder neugierig aus dem Fuchsloch schauten. Der Spielmann fidelte und sang weiter - bis die Jungen allesamt heraus waren und sogar die Füchsin ihren Kopf aus dem Bau streckte. Da packte der Mann blitzschnell zu. Überrascht wehrte sie sich nicht. Mittlerweile hatte der Fremde sie fest am Hals gegriffen und schlug sie mit aller Kraft und viel Wucht einige Male so hart auf den Boden, daß sie schließlich tot war. Die Fuchskinder liefen vor lauter Schrecken davon.

Der Spielmann aber kroch tief in die Höhle hinein. Ganz zu hinterst hockte ängstlich der kleine Michl und weinte bitterlich.
"Komm hör auf zu weinen." versuchte der Mann das Kind zu beruhigen, "Ich trag dich zu deinen Eltern nach Hause."
Michl schniefte noch eine Weile, weil so schnell kann man nicht zu weinen aufhören. Als er merkte, der Mann meinte es gut mit ihm, gelang es ihm schon besser. Er ließ sich aus dem Fuchsloch ziehen und auf die Schulter setzen. Der Fremde spielte auf dem Weg zurück ein fröhliches Liedlein.

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie sehr sich Mama und Papa freuten als sie ihren geliebten Michl endlich wieder wohlbehalten in die Arme schließen konnten. Noch lange saßen sie mit dem Fremden fröhlich zusammen und erzählten sich allerlei.

Vorsichtshalber nahmen die Eltern von da an ihr Kind immer mit, denn noch einmal wollten sie nicht um den Buben zittern müssen.





9.10/2016
© eea
09.10.2016 18:17 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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