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Die Kaufmannstochter und der Ölzweig « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Die Kaufmannstochter und der Ölzweig Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen


TITEL






Es begab sich einmal vor sehr langer Zeit, da gab es noch kaum wo eine Eisenbahn.
In einem kleinen Dorf lebte ein reicher Kaufmann mit seinen geliebten drei Mädchen. Weil sie ohne ihre Mama aufwachsen mußten, so verwöhnte er sie mehr als es sonst zu der Zeit üblich war. Immer, wenn er in die weitentlegene Stadt fuhr, brachte er seinen Töchtern Geschenke mit.
Einmal war es wiederum so weit. Der Kaufmann mußte in die Stadt fahren um neue Waren zu kaufen.
Wie üblich, so fragte er auch dieses Mal: "Na, meine Mädels, ich muß in die Stadt. Was soll ich Euch denn Schönes mitbringen?"
"Bitte für mich einen goldenen #Ring mit drei herrlich roten Edelsteinen!" rief voll Vorfreude die Älteste.
"Und mir bitte ein silbernes Halsketterl" bettelte die mittlere Tochter und hüpfte dabai ein wenig.
"Was wünscht du dir?" fragte er nun die Jüngste.
"Mir bring bitte einen Ölzweig mit, den wünsch ich mir schon soooo lange."
"Was willst du? Bist du denn narrisch? Was willst du denn mit einem Ölzweig?" fragten die älteren Schwestern und die mittlere meinte zusätzlich: "Fällt dir nichts Gescheiteres ein?"
"Ich will aber halt nix anderes als eben nur einen grünen Ölzweig" bestand die Jüngste "Bitte, Vater, bringt mir einen!"

So kam nach langer Fahrt der Kaufmann in die Stadt. Dort kaufte er alle Waren für seinen Laden im Dorf ein. Dann machte er sich auf um zu einem Goldschmied zu kommen und dort den Goldring und die Silberkette zu kaufen.
"So, jetzt fehlt mir nur noch der Ölzweig." war seine Überlegung und er grübelte "Wo bekomm ich den bloß her?"
Da stellte er sich auch den Marktplatz, wo viele Leute vorüberkamen und fragte einen jeden, ob er denn wisse, wo er einen Ölzweig bekommen könnte. Zunächst wußte ihm niemand Rat.
So setzte er sich an den Rand des Brunnens und sprach leise vor sich: "Was soll ich nur meiner Jüngsten sagen, wenn ich ohne Ölzweig nach Hause kommen? Sie ist mir die liebste von den dreien und grade sie wird sehr traurig sein, wenn ich ohne ihr Geschenk zurückkomme. Gewiß wird sie meinen, ich hätte sie vergessen ..."
"Ich kann dir schon sagen, wo du einen Ölzweig herbekommst." hörte er da jemanden sagen "Doch das ist sehr schwer. Dafür mußt du außerhalb der Stadt einen bestimmten, großen Garten suchen. Darin wachsen die herrlichsten Bäume und mitten unter ihnen steht auch ein Ölbaum. Allerdings, so mußt du wissen, wird der von einem großen Löwen bewacht, sodaß sich keiner auch nur in die Nähe wagt. Bisher hat keiner überlebt, der sich dem Ölbaum näherte. Eventuell, wenn du dich hinschleichst während er schläft, kannst du dir einen Ölzweig pflücken ... Doch ich rate dir ... vergiß den Ölzweig, wenn dir dein Leben lieb ist."
Unglücklich hörte der Kaufmann diese Worte. Was nur sollte er tun?
"Ach, was soll ich nur anfangen? Ich hab sie doch so lieb und dann ... grade ihr soll ich nicht das Gewünschte bringen?"
Der Vater blieb ratlos eine geraume Zeit sitzen und dabei sah er seine geliebte Tochter in seiner Fantasie vor Freude tanzen und lachen.

"Was soll '! Vielleicht habe ich ja Glück und der Löwe wird nicht wach" entschied sich der Mann, "ich will es einfach versuchen!"

Endlich kam er aus der Stadt und sah schon von weitem einen wunderschönen Garten. Beim Näherkommen erkannte er einen prächtigen Ölbaum mit saftig grünen Zweigen und Ästen.
"Welch herrlicher Baum" dachte der Kaufmann bei sich, "und so viel höher als alle anderen Bäume hier im Garten."
Er ließ sein Fuhrwerk vor dem Gartentor stehen und versuchte schnurstracks auf den Ölbaum zuzugehen. Alles war mucksmäuschenstill. Nichts und niemand verwehrte ihm seinen Weg. Der Garten lag in tiefstem Frieden da.
"Na, das war aber doch ganz leicht." dachte sich der Kaufmann. Er reckte sich und brach einen schönen Zweig vom Ölbaum.
Grade wollte er sich zum Gehen umdrehen, als ein riesengroßer Löwe hervorsprang und ohrenbetäubend brüllte: "Was machst du da in meinem Garten? Wer hat dir erlaubt in meinen Garten einzudringen?"
"Ach, lieber Löwe, verzeih. Meine jüngste Tochter wünscht sich doch so sehr einen Ölzweig." gab der Mann etwas eingeschüchtert zur Antwort.
"Eigentlich müßte ich dich auf der Stelle töten und auffressen, weil du es gewagt hast in den Garten zu kommen und dir einen Zweig zu nehmen. Doch ich will Mitleid mit der haben. Wenn du mir versprichst, das erste, das dir bei deiner Heimkehr begegnet, zu geben, dann schenke ich dir den Ölzweig. Jedoch wenn du es mir nicht versprichst, zerreiße ich dich in kleine Stücke!"

Nun hatte der Kaufmann daheim einen kleinen, süßen Hund. Der hatte die Angewohnheit, ihn bis vor das Dorf zu begleiten und dann dort auf ihn zu warten. Daran dachte der Kaufmann und somit gab er dem Löwen das Versprechen.
"ja, ja, " versprach der Kaufmann, "So viel ist mir der Zweig schon wert. Du sollst das erste, das mir begegnet, bekommen. Danke, lieber Löwe, danke!"
Freilich tat es ihm leid, daß er sich von seinem Hundchen würde trennen müssen, doch die Freude seiner Tochter wog mehr. Ach, wie sehr sollte er sein Versprechen doch bereuen ... Und so machte er sich, ohne etwas Böses zu ahnen, auf den Heimweg. Er freute sich, daß er für alle seine Mädels die gewünschten Geschenke hatte.

Der Kaufmann mußte auf dem Weg ins Dorf eine kleine Anhöhe überqueren. Wie erschrak er, als er schon von ferne seine jüngste Tochter ihm entgegenlaufen sah!
"Vater, Vater!" rief sie ungeduldig, "habt ihr mir einen Ölzweig mitgebracht?
Des Vaters Knie zitterten, als er sein geliebtes Kind sah. Voll Entsetzen darüber und an sein gegebenes Wort denkend, rief er: O Kindchen! Was fällt dir nur ein, mir so weit entgegenzulaufen?! Sonst ist es doch immer Fido und heute kommst du gelaufen!"
Das Mädchen wußte nicht, was dem Vater ist. Der aber sprach weiter: "Wenn du nur wüßtest, wie teuer mir jetzt der Ölzweig kommt ... Ach, hätte ich es nur nicht versprochen ... Wäre ich lieber gestorben ..."
Doch sein Mädchen hörte gar nicht zu. Sie sprang nur auf den Wagen und sah voll Freude ihren Ölzweig. Gleich nahm sie ihn in die Hand und ließ ihn nimmer los.
"Welch wunderschöner Ölzweig, Vater! Danke!" rief sie und dabei klatschte sie in die Hände.
"Mir wäre es viel lieber, hätte ich diesen Zweig nur nie gesehen!" klagte der Mann, "Jetzt aber muß ich dir was sagen. Dort, wo ich diesen Zweig herhabe, war ein riesiger Löwe. Der wollte mich eigentlich in Stücke reißen. Ich mußte ihm das erste, das mir entgegenkommt, versprechen. Und nun bist du das!"
"Ach, Vater! Schaut, der Löwe ist gar nicht da." versuchte sie den Mann zu beruhigen, "Wenn ich nur meinen Ölzweig habe!" Dann schmeichelte sie ihrem Vater so lange, bis er fürs erste die Sorgen vergaß.

Das ging eine Weile gut. Niemand dachte mehr an das Versprechen - nicht der Vater und schon gar nicht die Mädchen. Seine Jüngste spielte und bewunderte nur immerzu ihren Ölzweig.
Doch eines Tages trottete ein riesengroßer Löwe beim Tor herein, trat in die Stube und rief mit lauter Stimme: "Wo ist meine Braut?"
Stellt euch vor, wie alle erschraken, als sie ihn sahen! Voll Schrecken schrien sie ganz laut auf.
Doch der Löwe befahl: "Ich will meine Braut mitnehmen. Also richtet mir augenblicklich alles zusammen. Sie muß noch heute mit mir kommen."
Weil alle im Haus ganz desparat waren und nichts so recht weiterging, trieb er sie zur Eile an: "Jetzt beeilt euch endlich! Ich warte nicht mehr lange." drohte er, "Ihr wollt nicht erleben, was geschieht, wenn ich meinen Willen nicht bekomme!"

Verzweifelt und aufgeregt suchten sie alle nach einem Ausweg. Da fiel ihnen ihre junge Gänsemagd ein. Rasch liefen sie das Mädchen zu holen. Schnell mußte sie sich waschen und in die Kleider der Kaufmannstochter schlüpfen. Schon knurrte der Löwe gelangweilt, als das Dienstmädchen eintrat. Während der Löwe voraustrabte, ging das Mädchen traurig hinterher. Auf dem Weg durchs Dorf standen reihum viele Leute neugierig herum. Das arme Ding tat ihnen so leid.

Löwe und Mädchen waren schon ziemlich weit gegangen als der Löwe brummte: "Laß uns ein wenig Pause machen. Setz dich hier auf diesen Stein."
Zaghaft tat das Mädchen wie ihm gesagt. Das Herz klopfte ihr wie wild bis zum Hals als der Löwe seinen zottigen Kopf in ihren Schoß legte: "Komm, tu mir ein bißl die Läuse suchen."
Am ganzen Körper zitternd versuchte sie mit bebenden Händen seinen Kopf zu kraulen.
"Laß nur." sagte der Löwe nach einer kleinen Weile, "Wir gehen wieder zurück. Du bist nicht die richtige Braut!"
Das letzte Stück des Weges bis zum Hause des Kaufmanns, trieb er das verängstigte Mädchen böse vor sich her. Im Hof angekommen brüllte er: "Gebt mir sofort die richtige Braut, sonst fresse ich euch alle auf! Noch einmal laß ich mich nicht betrügen!"

Tatsächlich wagten sie sich nun nimmer den Löwen noch einmal hinters Licht zu führen. Schweren Herzens ging die jüngste Kaufmannstochter mit. Sogar die Leute auf der Gasse weinten, als das brave Mädchen hinter dem Löwen das Dorf verließ; war sie es doch, die so fleißig im Geschäft mithalf. Die Eltern grämten sich fast zu Tode und rauften sich in ihrem Leid beinahe die Haare aus.

Wieder nach langem Marsch sagte der Löwe: "Setz dich hier nieder. Wir wollen Rast halten."
Die Kaufmannstochter setzte sich und als der Löwe seinen Kopf in ihren Schoß legte und verlangte: "Such mir ein bißl meine Läuse!" tat sie es. Freilich fürchtete sie sich, doch sie biß die Zähne zusammen und tat, was er verlangte. Sie wollte sich nichts anmerken lassen und so lauste sie widerwillig und ohne Zittern seine Zotteln.
Behaglich brummelte der Löwe: "Mmmmm! Laß uns weitergehen. Du bist die rechte Braut!"
Er führte sie immer weiter durch den Wald, bis sie an eine Felsenhöhle gelangten. Unheimlich gähnte vor ihnen ein tiefes, schwarzes Loch.
"Kriech hinunter!" befahl der Löwe dem Mädchen. Gehorsam schlüpfte sie in die Höhle und er kroch hinter ihr her. Boah! War das gruselig! Stockfinster war es in diesem Felsenloch! Weil sie schon so müde war, setzte sie sich nieder und versuchte ein wenig zu schlafen. Aber das gelang ihr nicht und so saß sie ganz still im Winkerl und weinte ganz leise vor sich hin. Und was tat der Löwe? Der legte sich neben sie und ward alsbald tief und fest eingeschlafen. Es dauerte nicht lange, da schnarchte er so furchtbar laut, daß die Felsen nur so dröhnten.

Als es nach dieser traurigen Nacht endlich tagte, erhob sich der Löwe, schüttelte seine zottige, verfilzte Mähne und sagte: "Komm, Mädchen, wir wollen weitergehen."
So gingen sie weiter und immer tiefer in den Wald und das arme Mädchen folgte ihm bis sie zu einem prächtigen Haus kamen.
Vor dem Haustor sprach der Löwe eindringlich zu dem Mädchen: "Hör mir jetzt bitte ganz gut zu! Du hast jetzt eine sehr schwere Aufgabe zu bestehen. Im Haus sind 12 Zimmer, durch die du durch mußt, egal was immer auch geschieht. Ich gahe voran und bahne dir den Weg. Du kommst einfach hinter mir nach - ABER laß dich von nichts beirren! In jedem der 12 Zimmer werden die unterschiedlichsten Wesen sein, die dich am Gewandzupfen werden. Sie werden alles versuchen, damit du nicht weitergehst und sie werden schreien:*Kehr um, Mädel!* Geh du nur unbeirrt weiter hinter mir nach, dann können sie dir nichts tun. Doch wehe du hörst auf sie und kehrst um, dann bist du verloren!"

"Ich will alles versuchen und tun, was du mir sagst" versprach die Kaufmannstochter. Nunja, was blieb ihr denn sonst auch übrig? Also nahm sie all ihren Mut zusammen und schritt tapfer und mit klopfendem Herzen hinter dem Tier ins erste Zimmer. Iiiiih - von allen Seiten krochen garstige Kröten und Schlangen entgegen. Von allen Seiten krabbelten und züngelten sie über die Füße, umschlangen sogar ihre Hände und riefen immer wieder: "Kehr um, Mädchen. Du bist verloren. Kehr um, sonst bist du verloren." Freilich ekelte und grauste es dem Mädchen vor dem widerlichen Ungeziefer, doch sie gehorchte dem Löwen und ließ sich von nichts zurückhalten.
Im zweiten Zimmerschnappten laut kläffende Hunde und Wölfe nach ihr, zerrissen mit weit aufgerissenen Mäulern ihr Kleid und wollten sie beißen.
Auch sie bellten und jaulten laut: "Mädel, schau dich um, weil das letzte Stündle hat dir geschlagen ..."
Sie aber folgte unbeirrt dem Löwen nach, schaute weder nach links, noch nach rechts. Und so ging es durch die anderen acht Zimmer hindurch. In jedem lauerten grausliche Untiere auf sie - einmal Tiger, dann gierige Geier, usw. Lauter gewaltige Untiere, so grauslich, wie sie noch nie welche gesehen hatte.
Die bedrohten und warnten immer wieder das Mädchen: "Du gehst in dein Verderben! Kehr um, Mädchen, ehe es zu spät ist!"
Im 11. Zimmer waren Menschenhände und -füße an die Wände genagelt und aus allen Ecken tönte aus blutigen Totenköpfen: "Noch ist es nicht zu spät! Kehr um, Mädchen, sonst wird es dir gleich ergehen und auch du wirst hier so enden!"

Vor Angst und Schrecken klopfte dem Mädchen das Herz wie zum Zerspringen. Wie gerne hätte sie sich Augen und Ohren zugehalten! Mit letzter Kraft ging sie hinter dem Löwen einher und dachte immer nur das eine: "Nicht zurückbleiben. Nur nicht zurückbleiben!"
Endlich kamen sie in das 12. Zimmer. Dort waren allerlei Waffen - Dolche, Schwerter, Messer, Gewehre, Säbel, ... - die alle zielten nach ihr. Noch einmal hörte das Mädchen von allen Seiten: "Kehr um, Mädchen, sonst bist du des Todes!"
Mühsam schleppte sie sich weiter und dachte sie: "Jetzt kann ich nimmer weit sein und ich bin durch!" Noch wenige Meter und endlich erreichten sie die Türe, die sie ins Freie führte.

Draußen vor der Tür verlangte der Löwe von ihr: "Geh noch einmal zurück in das 12. Zimmer! Hinter der Tür hängen verrostete Säbel. Du nimmst dir den größten und schmutzigsten von der Wand und bringst ihn mir heraus!"
Jetzt, da sie glücklich war, alles Grausliche hinter sich gelassen zu haben sollte sie noch einmal zurück? Die Vorstellung erneut in diese Kammer zu gehen schreckte sie stark und dann ging sie doch um den Säbel herauszuholen.
Da sprach der Löwe: "Und nun hacke mir mit diesem Säbel den Kopf ab. Aber bitte, nimm all deine Kraft zusammen, denn es muß dir mit drei Hieben gelingen. Andernfalls bist du verloren."
Jetzt war der Säbel ja so riesig und schwer, daß sie ihn mit beiden Händen aufheben mußte. Dazudie Aufgabe, es mit drei Hieben schaffen zu müssen - das trieb ihr den Schweiß auf die Stirn ...
Beim ersten Hieb vermochte sie grade einmal seine Haut leicht zu ritzen und es quollen nur wenige Blutstropfen durchs Fell.
"Schlag einfach viel, viel fester zu! Nimm Dich zusammen! Du kannst es!" rief der Löwe.
Da atmete sie einmal kräftig durch - dieses Mal gelang ihr schon ein tiefer Schnitt.
"Komm, Mädchen, schlag noch einfall ganz fest zu!" verlangte der Löwe.
Aus Leibeskräften schlug sie ein drittes Mal zu - und nun hatte sie Glück! Der Löwenkopf fiel getrennt vom Leib zu Boden.
Doch war das?!
Aus dem riesengroßen Löwen ward ein wunderschöner Prinz, der sie freundlich anschaute und lachend zu ihr sagte: "Der Herrgott möge dir vergelten, was du für mich getan hast."

Langsam begriff sie. Ohne Zweifel und doch überaus erstaunt fragte sie: Bi-bist du der Löwe?"
"Ja, ist war ein verwunschener Prinz und du hast nicht nur mich, sondern auch alle Menschen und Tiere erlöst."
Da gingen auch schon alle Türen auf und aus allen Zimmern kamen die ebenfalls verwunschenen Lebewesen und dankten ihr glücklich von ganzem Herzen für ihre Erlösung.
Bei aller Freude und allem Glück, so gedachte sie doch ihrer armen Eltern, die sicherlich verzweifelt daheim sitzen und traurig über ihren Weggang sind.
"Ach, ich möchte so gerne zu meinen Eltern, zu meinen Leuten. Die sind vor Gram fast gestorben."
Der Prinz war einverstanden und so begleitete er sie in ihr Heimatdorf, wo keiner mehr zu hoffen wagte, daß sie noch am Leben sei. Wie groß war dann die Freude über ihre gesunde Heimkehr! Einer nach dem anderen fiel ihr um den Hals. Ein jeder wollte wissen: "Sag, wie bist du denn dem Löwen entwischt? Wie gelang es dir ihm wegzulaufen?"
"Ich bin der Löwe" stellte sich da der Prinz vor, "schaut mich nur gut an und glaubt es, daß ich der Löwe war."
Nun gab es erst recht einen Riesenjubel. Dieser stattliche Mann war also ein Königssohn, der den Kaufmann um die Hand seiner Jüngsten bat: "Einst wählte ich sie mir als Löwe aus. Nun bitte ich euch als Mensch und Prinz mir eure Tochter zur Frau zu geben!"
Die Elter stimmten dem Wunsch der jungen Leute zu und dann nahmen sie die Einladung an, zu ihm zu kommen. Sie fuhren eine ganze Weile. Und da, wo früher der wunderschöne Garten war, aus dem der Vater den Ölzweig geholt hatte, war nun ein Berg mit einem hohen Turm. Von dem aus konnte man weitum ins ganze Land sehen.
Stolz sagte der Prinz: "Schaut euch nur um. Was immer ihr nach allen Seiten seht, alle Dörfer und Städte, alle Felder, Äcker und Wälder, alles ist mein Eigentum."
Nun war der Kaufmann erst so recht von Herzen froh und er freute sich mit seiner Jüngsten über deren großes Glück.
Der Prinz jedoch nahm seine jungen Braut an der Hand und ging mit ihr zum Ölbaum: "Dies ist der Ölbaum unter dem dich dein Vater mir versprochen hat. Damals wolltest du nur einen einzigen Zweig, jetzt kannst du dich am ganzen Ölbaum erfreuen."

Nach einigen Tage machten sich die Brauteltern auf die Heimfahrt um eine prächtige Hochzeit vorzubereiten. Die beiden Schwestern durften die "Kranzljungfern" sein. Alles war für den schönsten Tag bereit. Und die Braut?
Sie war die allerschönste Braut, die man je gesehen hatte!
Nach der festlichen Trauung in der Kirche wurde zum Festmahl geladen, wo alle ihre Glücks-Trink-Sprüche auf das holde Paar aussprachen. Da war von viel Glück, Gesundheit, viel Freude, ... usw. die Rede.
Klar, daß es auch den Brauttanz gab! Und beinahe alle Gäste, deren Beine es erlaubten, tanzten eifrig mit. Bis in die frühen Morgenstunden wurde getanzt, getrunken und von den köstlichsten Bäckereien genascht. Immer wieder riefen die Leute den Musikanten zu:
"Auf! Spielt 's noch ein Stückl! Daß wir aufs Jahr ein Kindl in der Windl in der Wiege haben ...!"

Bei dem Fest wäre ich gerne dabei gewesen - Ihr auch?





7.10/2016
© eea
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