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Der Prinz und der weiße Wolf « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

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Der Prinz und der weiße Wolf Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen

Diese Geschichte entstand,
weil sich meine beiden Nachbarinnen
ELISABETH & MAGDALENA
eine Gruselgeschichte wünschten.

Viel Spaß beim Lesen!



Der Prinz und der weiße Wolf






In alter Zeit, als es noch manch zauberhafte Dinge und wundervolle Dinge gab, lebte einst ein König mit seinen drei Söhnen.
Ihr Zuhause war ein prunkvoller Palast inmitten eines prächtigen Gartens. Darin wuchs ein gar wundersamer Apfelbaum. Einmal im Jahr blühten am Abend rosige Knospen aus denen bis zum Morgen saftige Äpfel geworden waren, die ganz vorzüglich schmeckten. Einziger Nachteil - es wuchsen immer nur drei Äpfel.

Voller Ungeduld konnte der König es kaum erwarten, bis es wieder so weit war und der Apfelbaum zarte Blüten trug. Erwartungsvoll trat er in den frühen Morgenstunden zum Apfelbaum ... Doch ach! Seine Lieblingsäpfel waren verschwunden!
Wen er auch fragte, keiner wußte wer die Äpfel gestohlen hatte.
Als im Jahr darauf der Baum erneut 3 Knospen trug, erbot sich der älteste Prinz des Nächtens unter dem Baum Wache zu halten.
"Den Apfeldieb werde ich schon fangen. Ich werde die ganze Nacht unter dem Apfelbaum Wache halten. Der Dieb hat mit mir sicherlich kein leichtes Spiel." verkündete er voller Stolz. Doch als es gegen Mitternacht ging, da fielen dem Prinzen die Augen zu. Er verschlief den Diebstahl völlig. Am andern Morgen erkannte er das Malheur. Was blieb dem armen König anderes übrig, als sich in Geduld zu üben und auf das nächste Jahr zu hoffen.

Die Zeit verging. Nach einem Jahr trug der Apfelbaum wiederum drei Blütenknospen.
Nun sagte der zweitälteste Prinz zu König: "Dieses Mal werde ich Wache halten, lieber Vater, Ihr werdet sehen, ich bringe Euch den Dieb."
Sprach's und platzierte sich unter dem Baum. Es wurde spät und dunkel. Die Nacht war still. Der Prinz konnte trotz all seiner Vorsätze diee Augen kaum offen halten. Zur mitternächtlichen Stunde schlief er völlig ermattet ein. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwachte er. Voll Entsetzen mußte auch er erkennen, daß alle drei Äpfel verschwunden waren..
Der König war darüber nicht sehr erfreut, als er davon erfuhr. "Muß ich denn noch ein weiteres Jahr darauf warten, einen meiner köstlichen Äpfel essen zu können?!" polterte er wenig königlich und sehr enttäuscht, "Das kann ja nicht angehen, daß keiner den Dieb erwischt!"

So schwer wie in den nächsten zwöklf Monaten fiel es dem König noch nie auf seine Äpfel zu warten. Doch eines Tages war es so weit. Der Baum trug seine Blüten und der König sah schon im Geiste vor sich die köstlichen, rotbackigen Früchte.
"Morgen will ich sie mir pflücken." freute sich der König.
"Liebster Vater," sprach der jüngste Königssohn, "deswegen will ich heute Nacht Eure Äpfel vor dem Dieb schützen. Vielleicht habe ja ich etwas mehr Glück als meine Brüder."
Seine beiden älteren Brüder spotteten ihn: "Ja, ja! Ausgerechnet du willst den Apfeldieb fangen. Wo es uns nicht gelungen ist, da meinst du nicht im Ernst, daß du es kannst ..."
Dem jüngsten Prinzen taten diese Worte weh, doch er nahm sich fest vor es besser zu machen. Die Nacht nahte. Auch ihn überwältigte die Müdigkeit, obgleich er doch eh versuchte etwas am Nachmittag zu schlafen. Knapp nach Mitternacht gewahrte er einen Vogel der auf dem Zweig mit dem dritten Apfel saß. Rasch griff er nach dem Vogel. Doch es war zu spät. Er hatte alle drei herrlichen Äpfel gestohlen. Es gelang ihm nur, eine Schwanzfeder auszureißen.
Was lachten seine Brüder, daß auf er am Morgen keinen Apfel vorweisen konnte. Allerdings wußte der Jüngste seinem Vater kund zu tun, daß ein Vogel der Dieb sei. Als Beweis hielt er die ausgerissene Feder in die Höhe.
Wow!
Diese Feder war ja aus purem Gold!

Nun wußten der König und seine Söhne also, daß ein goldener Vogel die köstlichen Äpfel "mobste". Bald kamen die Prinzen überein, diesen Vogel ihrem Vater zum Geschenk zu machen und somit außerdem zu erreichen, daß der wieder seine geliebten Äpfel genießen konnte. Sie bereiteten sich auf die Suche danach vor. Jeder der Prinzen sattelte sein Lieblingspferd. Dann nahmen sie von ihrem Vater Abschied. Gemeinsam ritten sie so dahin - durch den Wald, über Felder - bis sie an eine Weggabelung kamen. Ein Weg führte nach Osten, einer gen Süden und der dritte wies nach Westen.
Nach kurzer Rast entschied der älteste Prinz: "Ich will den Weg nach Osten nehmen."
"Gut," sagte der mittlere, "dann reite ich nach Süden."
"So bleibt für mich nur noch der Weg nach Westen." nahm der Jüngste die Entscheidung der beiden anderen an.
Alle drei gaben ihren Pferden die Sporen und trabten jeder in seine gewählte Richtung davon.

Unser jüngster Königssohn überließ es seinem Roß, wie schnell es dahinging. Bald jedoch gelangte der Prinz wiederum an eine Gabelung. Da las er auf einem Wegweiser:
"Wählst du den Weg nach links <--, so verlierst du dein Leben. Wählst du jedoch den Weg nach rechts --> so verlierst du dein Pferd!"
Der Jüngling überlegte lange - links oder rechts? Ich will nicht sterben - aber ich liebe auch mein Pferd über alles ... Was soll ich tun? Traurig entschied er sich sein treues Pferd zu opfern - er ritt nach rechts.

Nach nur wenigen Metern sprang ein schneeweißer Wolf aus dem Gebüsch, sprang dem Pferd an die Gurgel und biß es tot. Pferd und Reiter fielen zu Boden. Untröstlich über den Tod seines Rosses schrie er den Wolf an, um dann gleich drauf sich wieder seinem Lieblingspferd zuzuwenden. Der Wolf sah sich eine Zeit lang an, wie sehr der Prinz trauerte. Langsam nur gelang es dem Jüngling seine Fassung zurück zu bekommen; während der Wolf es nicht fassen konnte, daß ein Mensch so sehr an einem Tier hing.
"Sag, tut es dir denn um dein Pferd tatsächlich so leid?"
"Wie soll ich denn nicht über alle Maßen traulig sein, wenn du mir mein liebstes Pferd tot beißt?!" Da erzählte der Prinz von den Äpfeln und dem goldenen Vogel, welcher ihnen in den letzten Jahren stets diese gestohlen habe.
Da erbarmte sich der Wolf: "Weil du mit solch ehrlichem Herzen nach deinem Pferd trauerst, so will ich dir helfen und dich zum goldenen Vogel bringen. Ich weiß, wo du den finden kannst. Komm, steig auf meinen Rücken."
Zweifelnd besah sich der Königssohn und den Wolf. Doch dann faßte er sein Herz, stieg auf und während er sich mit einer Hand an einem Ohr des Wolfes festhielt, versuchte er mit der zweiten seine Knie oben zu halten. Schließlich wollte er nicht, daß der Wolf über seine langen Beine stolpert.
Kaum war er aufgesessen, als es auch schon losging. Huiiiiiiiiiii - wie der Wind sauste der Wolf dahin. Dem Prinzen verging bei dem Tempo Hören und Sagen!
Bei der Geschwindigkeit langten sie bald vor den Toren des Königreichs an, wo der goldene Vogel zu Hause war. Der Wolf hieß seinen Reiter abzusteigen und wies ihn an: "Der König dieses Reiches besitzt eine riesengroße Voliere mit ganz vielen Vögeln. Unter ihnen wirst du den goldenen Vogel finden. Öffne den Käfig und nimm rasch den Vogel heraus. Dann geh gleich wieder. Aber hüte dich davor dir auch den goldenen Käfig mitzunehmen! Laß den nur ja stehen! Dann wird dich keiner sehen."
Da machte sich der Prinz auf die Suche nach dieser Voliere. Er trat ein und nach kurzer Zeit fand er, was er suchte. Leise öffnete er den goldenen Käfig. Schon hatte er den goldenen Vogel in Händen, als er sich überlegte: "Ach was! Es sieht mich ja niemand. Ich will den Käfig mit dem Vogel mitzunehmen." Kaum setzte er den Vogel wieder zurück und griff nach dem Käfig, als alle anderen Vögel raut zu pfeifen, schreien und Flügelschlagen anfingen. Sie machten einen solchen Radau, daß gleich Diener und Knechte erschienen. Der Prinz wurde gefangen genommen und vor den König gebracht.
"Du Dieb! Du wolltest also meinen goldenen Vogel stehlen! Dafür erwartet dich eine schlimme Strafe ..." polterte der König wütend.
"Ihre Majestät, ich selbst bin Prinz und kein gemeiner Dieb. In meines Vaters Palastgarten steht ein Apfelbaum, der stets nur drei Äpfel trägt und eben diese wurden in den vergangenen Jahren von ihrem goldenen Vogel entwendet."
Der König ließ in den Almanachen nachlesen und dort fand sich tatsächlich der Name des Prinzen.
"Gut, weil auch du königlichen Blutes bist, so will ich dir die Strafe erlassen. Allerdings, wenn du mir von meinem Nachbarsfürsten den Goldfuchs mit goldener Mähne und goldenem Schweif bringst, dann sollst du nicht nur den goldenen Vogel, sondern auch den dazu passenden goldenen Käfig geschenkt bekommen."
Der Prinz verbeugte sich, danke und verließ den König mit dem Versprechen sein Möglichstes zu versuchen. Damit verließ er das Schloß und traf mit leeren Händen auf den weißen Wolf. Der wollte gleich wissen, warum es so lange gedauert hat und wo der goldene Vogel denn nun sei. Der Königssohn berichtete, daß er dem goldenen Käfig nicht widerstehen konnte, daß die anderen Vögel einen Riesenkrawall gemacht hätten, wie er gefangengenommen worden war und was der König von ihm verlangte.
Unmutig wiegte der weiße Wolf seinen Kopf: "Hab ich dir nicht gesagt, du sollst den Käfig nicht anrühren!? Ist ja echt schlimm mit dir! Aber du mußtest unbedingt den Käfig auch anrühren. Du könntest dich jetzt längst auf den Heimweg machen ..."
Niedergeschlagen stand nun der Jüngling mit gesenktem Haupt vor dem Wolf. Er wußte ja eh, daß er eine Dummheit gemacht hatte.
Der Anblick versöhnte den Wolf und so sprach er: "Gut, ich werde dir noch einmal helfen. Steig auf und halt dich fest."
Kaum spürte er den Prinzen auf seinem Rücken, als er auch schon geschwind wie der Wind dahin sauste. Die Landschaft flog nur so an ihnen vorüber.

Es dauerte gar nicht so lange, da kamen sie an die Schloßtore des Fürsten an, wo sich der Goldfuchs mit der goldenen Mähne und dem goldenen Schweif befand.
"Da wären wir. Hinter diesen Toren findest du am Ende des Parks die Stallungen des Fürsten. Ganz hinten steht der Goldfuchs. Geh schnurstracks auf ihn zu, streichle seinen Hals und er wird dir folgen. Aber bitte, laß nur ja das goldene Zaumzeug mit der silbernen Verzierung an der Wand hängen! Mach es so wie ich dir 's sage und du kommst unbehelligt heraus."
Der Prinz nahm sich ganz fest vor, diesmal nur den Goldfuchs mitzunehmen. Er fand alsbald die Stallungen und ganz zu hinterst stand der Goldfuchs in all seiner Pracht. Wei strahlten seine Mähne und sein Schweif!
Doch Ihr könnt Euch wohl denken, der Prinz horchte nicht auf die Warnung des weißen Wolfs.
"Mit dem Halfter kann ich das Roß viel besser führen" dachte er bei sich.
So nahm er das goldene Zaumzeug von der Wand um es dem Goldfuchs anlegen ... Doch im selben Augenblick wieherten und stampften alle anderen Rösser so hart mit ihren Hufen, daß sogleich die Knechte und Wächter im Stall erschienen um Nachschau zu halten.
Es kam, wie es kommen mußte. Der Königssohn wurde gefesselt vor den Fürsten geführt, wo man diesem von dem Versuch Pferd und Zaumzeug zu stehlen berichtete. Wutentbrannt sann der Fürst über eine gerechte Bestrafung nach. Da stellte sich der Prinz als Königssohn vor und er erzählte seine Geschichte. "Euer Nachbar, der König, will mir seinen goldenen Vogel für meinen Vater geben, wenn ich ihm dafür euren Goldfuchs bringe
"Hm ... So, so ... ein Prinz wollte sich meines Pferdes bemächtigen ... hm ..." überlegte der Fürst, "Gut, ich werde dich nicht bestrafen, weil du ein Prinz bist. Allerdings, ich würde dir meinen Goldfuchs mitsamt seinem Zaumzeug schenken, brächtest du mir die wunderschöne Prinzessin vom Nachbarkönigreich im Süden. Sie ist die allerschönste und ich will sie heiraten."
"Hoheit, Fürst, ich will es versuchen, weil auch ihr zu mir gnädig ward. Ob es mir gelingt, das kann ich nicht versprechen." Damit verabschiedete sich der Prinz vom Fürsten. Vor den Toren traf er den weißen Wolf.
Ein Blick genügte; und der Wolf wußte, daß der Königssohn schon wieder seine Warnung in den Wind geschlagen hatte.
"Na, was ist?" fragte er mißmutig den Burschen, "du hast schon wieder nicht auf meinen Rat gehorcht. Du lernst wohl nie aus deinen Fehlern? Ich hab dich doch so sehr gewarnt!"
"Du hast ja Recht, lieber Wolf. aber ich dachte, mit dem Zaumzeug könnte ich das Pferd leichter führen." entgegnete der Prinz.
"Super! Du hast gedacht!° knurrte der Wolf. "Und was ist jetzt? Ohne den Goldfuchs kommst du nicht an den goldenen Vogel. Und ohne den kannst du nicht nach Hause ..."
"Der Fürst versprach mir den Fuchs samt Zaumzeug, wenn ich ihm die wunderschöne Prinzessin aus dem Königreich im Süden bringe. Sag, hast du von dieser Schönheit schon einmal was gehört?"
"Ja. Zwar hast du mich bereits zweimal sehr enttäuscht, doch ich mag dich und werde dir noch ein letztes Mal helfen. Steig auf, damit wir keine Zeit verlieren." grummelte der Wolf.
Erleichtert atmete der Prinz auf. Rasch stieg er auf den Wolfsrücken und schon rannte dieser wie ein Fitschipfeil nach dem Süden.

Es dauerte nicht lange und sie langten vor den Tor3en des Königsschlosses an. Rund um einen prächtigen Garten war ein hohes, kunstvoll geschmiedetes Eisengitter.
"Auf dich ist kein Verlaß." sagte der Wolf, "Du bleibst hier und versteckst dich hinter dem Baum hier."
Der Prinz tat, wie ihn der Wolf geheißen. Der aber legte sich dicht an den Zaun. Er wartete, bis die wunderschöne Prinzessin mit ihren Hofdamen im Park spazieren ging.
Es dauerte nicht lange und da rief eine der Damen laut vor Schreck: "Schaut alle her! Da - da liegt ein Wolf!"
Eine zweite kreischte: "Ja, ich seh ihn auch, der ist schneeweiß!"
Neugierig trat die Prinzessin näher, denn sie wollte sich den weißen Wolf ansehen. Da sprang der Wolf auf und über das Gitter, schnappte sich die Prinzessin und - schwupps - war er samt dem Mädchen wieder zurück, wo der Prinz wartete.
Die Prinzessin war noch so überrascht, daß sie keinen Ton von sich gab. Hurtig setzte sich auch der Prinz auf den Wolf und - Heiiiiiii - in Windeseile waren die drei auf dem Weg zum Fürsten.
Als sich die Fräuleins vom ersten Schrecken erholt hatten, begannen sie um Hilfe zu schreien. Doch bis der König seine Garden zusammen gerufen hatte, wußte niemand in welche Richtung sie sie verfolgen sollten.

Wie sie so auf dem Rücken des Wolfes dahinritten, hatte der Prinz Zeit genug sich die Prinzessin anzusehen. Sie war nicht nur wunderschön, sondern auch überaus lieblich und herzlich. Des Prinzen Herz schlug voller Liebe und zugleich war er traurig bei dem Gedanken, sie gegen den Goldfuchs an den Fürsten zu verlieren. Doch - er hatte dem Fürsten sein Wort gegeben. ... und sein Wort muß man auch halten!
"Lieber Wolf, sag, was soll ich tun? ich habe dem Fürsten versprochen ihm die Prinzessin zu bringen. Doch ich habe sie sehr lieb gewonnen und will sie am liebsten selber heiraten ..." Der Jüngling war schier verzweifelt.
"Gut! Wenn du sie so sehr liebst, dann will ich dir helfen - doch höre auf meinen Rat." sagte der Wolf. "Schau her!" da warf er sich auch schon zu Boden und wälzte sich ein paar Mal hin und her. ...und flugs - aus dem Wolf ward eine wunderschöne Jungfrau geworden, die wie die geraubte Prinzessin aussah. Der Prinz konnte kaum seinen Augen trauen.
"Nimm mich an der Hand und führe mich zum Fürsten." sprach der Wolf mit einer so feinen und Zarten Stimme, wie es nun mal Prinzessinnen so eigen ist. "Verlange dann gleich, daß er ebenfalls sein Wort Hält und dir den Goldfuchs mit dem Zaumzeug gibt."
Etwas verwirrt fragte der Bursch: "Wie kommen die Prinzessin und ich nach Hause? zu Fuß?"
"Ma, aber echt!" grummelte der Wolf."Du hast dann doch den Goldfuchs. Da setzt euch drauf und reitet eiligst fort.
Noch bevor der Prinz mit dem verwandelten Wolf zum Fürsten ging, nahm er dem Mädchen das Versprechen ab, auf ihn zu warten.
Im Schloß war der Fürst höchst erfreut als er am Arm des Prinzen die "falsche" Prinzessin sah. Sogleich ließ der Fürst nach dem Goldfuchs samt Zäumung schicken.
Rasch verabschiedete sich der Prinz und verließ sofort das Fürstentum. An der Grenze hieß er die echte Prinzessin aufsitzen und sie ritten eilends fort.

Der Fürst war von der wunderschönen Prinzessin hellauf entzückt. Er schritt mit ihr durchs Schloß. Dann rief er nach seiner Dienerschaft und den Hofdamen um ihnen die neue Herrin und Fürstin vorzustellen. Schließlich wollte der Fürst seiner Angebeteten seinen prächtigen Garten zeigen. Wie sie so prominierten, dachte der Wolf: "Jetzt sind der Königssohn und seine Liebste gewiß schon weit weg und kaum mehr einzuholen." In der Nähe der Parkmauer warf sich der Wolf blitzschnell zu Boden, wälzte sich im Gras und sprang nun wieder als weißer Wolf über das Gemäuer hinweg. Schreien stoben die Fräuleins auseinander und auch der Fürst wußte nicht, wie ihm geschah.
Nicht lange, da hatte der Wolf den Prinzen mit seiner Prinzessin eingeholt. Es brauchte kein Wort um zu erkennen, daß es dem Jüngling schwer fiel den Goldfuchs gegen den Goldvogel einzutauschen. Je näher sie dem Königsschloß kamen, desto langsamer wurde er.
"Ach, könnt ich doch den Fuchs behalten. Doch ich habe mein Wort gegeben ..." klagte der Bursch.
"Schon gut. Ich will dir helfen, wie du den Goldfuchs behalten kannst und doch den goldenen Vogel bekommst." versprach das Tier.
Wieder ließ sich der Wolf zu Boden fallen und nach einigem Wälzen stand an Stelle des Wolfs ein wunderschöner Goldfuchs mit Goldener Mähne und goldenem Schweif.
"So jetzt führ mich zum König. Sobald du den Vogel hast, reite so schnell du kannst in Richtung deiner Heimat.
Also führte der Prinz den falschen Goldfuchs zum König. Dieser war hocherfreut endlich den berühmten Goldfuchs sein Eigen nennen zu können. Sogleich erschienen die Diener mit dem goldenen Vogel. "Nimm zum goldenen Vogel auch gleich den Käfig mit, denn so läßt sich der Vogel leichter tragen."
"Habt Dank, edler König" damit ging der Prinz mit dem Vogel vor die Tore des Königsschlosses, wo die Prinzessin auf dem Pferd auf ihn wartete. Frohen Mutes ritt er die Straße, die in das Reich seines Vater führte.

Doch wie erging es dem König mit seinem vermeintlichen Goldfuchs? Nun, er ließ ihn satteln, bestieg ihn udn wollte einen kleinen Ausritt machen. Anfangs ging alles, wie sich 's der König vorgestellt hatte. Kaum jedoch waren sie ein Stückchen in den Wald geritten, als das falsche Pferd scheute, den König zu Boden warf und sich gleichzeitig im Gras wälzte. Noch ehe der König kneiste, was geschehen war, war der weiße Wolf auch schon verschwunden.

Fröhlich gewahrte der Prinz, daß er nun nicht nur den Goldvogel und den Goldfuchs hatte, sondern vor allem freute er sich über seine Prinzessin. Bald hatte der Wolf sie eingeholt und er begleitete sie bis zu der Stelle, wo er einst auf den Prinzen getroffen war. "Jetzt müssen wir uns trennen." sagte der Wolf. "Reite du ruhig weiter und vor allem, gib Acht, daß dir kein Unglück geschieht."
Traurig, daß sie sich trennen mußten, verabschiedeten sich Wolf, Prinz und Prinzessin.
Nicht lange hatte er mehr zu reiten, bis er an die Wegkreuzung gelangte, wo er sich von seinen Brüdern getrennt hatte. Müde wie er war, überredete er seine schöne Maid mit ihm unter dem Baum Rast zu halten. Sie genossen den Schatten und merkten erst jetzt, wie müde sie von den ganzen Abenteuern und dem langen Ritt waren. Alsbald war der Prinz eingeschlafen.
Unterdessen trafen auch die beiden Brüder bei der Weggabelung ein. Ach, wie waren sie grantig, verärgert und mißgelaunt. Keiner der beiden hatte auch nur eine Spur von dem seltsamen goldenen Vogel gefunden. Ja, nicht einmal einen einzigen Menschen hatten sie getroffen der jemals etwas von dem Vieh gesehen oder gehört hätte.
Wie sie sich nun trafen, grantelten sie einander vor, daß sie ohne Erfolg geblieben waren. Je näher sie aber kamen, bemerkten sie, was da unter dem Baum stand: ihr schlummernder Bruder samt einer wunderschönen Mädchen, dazu ein Fuchs mit Goldmähne, güldenem Schweif und goldenem Zaumzeug ... und ... und in einem goldenen Käfig saß der Goldvogel!
Jetzt erfaßte die beiden Prinzen Wut und Zorn, daß ausgerechnet der jüngste von ihnen das alles hatte.
Eine Weile überlegten sie und weil sie so böse im Herzen waren, so beschlossen sie: "Am besten ist, wir töten den kleinen und teilen uns seine Dinge."
"Hm, und wie hast du dir das gedacht?" fragte der andere.
"Also ich nehme das schöne Mädchen und du nimmst dir das Pferd und den Vogel." entschied der ältere.
"Einverstanden," sagte der zweite, "nur, was machen wir mit ihm?" Er zeigte auf den jüngsten Prinzen.
"Ach, dem schlagen wir den Kopf ab. So kann er niemandem etwas erzählen oder uns gar verraten." und zur Prinzessin hin drohte er: "Komme ja nicht auf die Idee etwas von dem, was hier geschieht zu berichten. Denn wenn du das tust, so wirst du das Gleiche erleben, wie unser kleiner Bruder hier!"
Wie geplant, so taten sie. Sie hackten dem Jüngsten den Kopf ab und auf dem Ritt zurück in ihres Vaters Schloß prägte der älteste Prinz noch einmal dem Mädchen ein: "Wehe, du machst den Mund auf! Wenn du nicht sagst, daß ich dich mitgebracht habe, dann ..." Dabei zeigte er mit einer Handbewegung 'Kopf ab'. Schweren Herzens folgte sie den beiden Bösewichten.

Mittlerweile erfaßte den weißen Wolf ein ungutes Gefühl. Wenn der Prinz nun wieder nicht geradewegs heimgeritten sei ...
Er lief und lief und fand im Wald an der Weggabelung den toten Burschen. Wie war da der weiße Wolf betrübt! Wer hatte das nur seinem Freund angetan?

Alles Überlegen, wie er wohl seinen Freund gesund machen könnte, es half nichts. Da flog eine Tannenmeise geflogen. Sie hatte etwas in ihrem Schnabel.
"Na, Du. Was hast du denn da?" wollte der Wolf wissen.
"Ich habe da einige Tropfen vom Wasser des Lebens. Weißt D', eines meiner Jungen ist aus dem Nest gefallen und tot. Damit will ich es wieder zum Leben bringen." tschiepte der Vogel.
"So etwas gibt es doch gar nicht." knurrte der Wolf. "Wo ist denn dein Nest?"
"Gleich hier, " sagte die Tannenmeise.
Da reckte und streckte sich der Wolf und ... schnapp ... biß er eines der anderen Vögelchen tot. "So, nun zeig mir, ob das Wasser hier tatsächlich heilen und Tote erwecken kann."
Da tropfte die Vogelmama nur einen einzigen Tropfen auf das eben totgebissene Junge und ... alsbald schlug es seine Äuglein auf und begann zu piepsen.
"Das ist wirklich gutes, heilendes Wasser. Du, Meise, " bat der Wolf, "Bitte gib mir etwas von deinem Wasser des Lebens damit ich meinem Freund helfen kann. Bitte!"
"Ich sehe deinen Kummer. Bis auf einen Tropfen, den ich für mein anderes Junge brauche, will ich dir vom Wasser geben." Das Vögelchen tropfte vom Lebenswasser auf den Hals des Prinzen und gemeinsam mit dem Wolf setzten sie den Kopf an. Es dauerte nicht lange, da erholte sich der Prinz und schlug die Augen auf.
"Schnell steig auf, ich werde dich bis an die Tore deiner Königsstadt bringen" Er trug den Prinzen bis vor die Tore der Stadt. "Jetzt geh aber schnurstracks heim! Dann wisse, ich kann dir ab hier nicht wieder zu Hilfe kommen. Wenn du nur früher auf mich gehört hättest, du wärst schon längst gesund zu Hause."

Ehe sich der Prinz von seinem treuen Freund, dem weißen Wolf bedanken konnte, das der spurlos verschwunden. Nun beeilte er sich so rasch als möglich heim zu kommen. Alle Häuser waren beflaggt und mit Blumen geschmückt. Die Leute waren fröhlich und in ihr schönstes Gewand gekleidet.
"Was ist denn los?" fragte der Prinz einen der Leute, "Was gibt es denn zu feiern?"
"Ja wißt ihr denn nicht? Unser ältester Prinz ist von einer langen Reise zurück und heute heiratet er." gaben sie verwundert zur Antwort. "Ihr seid wohl von ganz weit her, daß ihr das nicht wißt?"
"Da will ich dann auch gerne dabei sein." sagte der Prinz und besorgte sich einen weitkrempigen Hut und eine Geige. So angetan, den Hut tief ins Gesicht gezogen, setzte er sich als Bettelmusikant vor die Kirchentür.
Niemand erkannte ihn.

Als der Hochzeitszug des Weges kam, begann er zu fiedeln. Trotz seiner Verkleidung erkannte die Prinzessin ihren geliebten Prinzen. Vor Freude schrie sie auf und fiel dann ohnmächtig um. Alles sorgten sich um die Braut. Keiner nahm Notiz von dem Bettler.
Nach einer kurzen Zeit kam sie wieder zu sich. Alle wollten wissen: "Sagt an, was ist denn los? Was hat euch so sehr erschrecken lassen?"
"Endlich kann ich die Wahrheit sagen" rief sie. "Der Bettelmusikant dort ist mein richtiger Bräutigam." Und zum König, ihrem künftigen Schwiegervater, gerichtet: "Seht" Dies ist euer jüngster Sohn. Er und kein anderer hat mich, eine Prinzessin, den Goldfuchs und den goldenen Vogel geholt. Diese beiden jedoch haben ihn getötet und auch mich bedroht, sollte ich sie verraten!"

Ungläubig hörte der König was die Prinzessin eben verlauten ließ. Er ging zu dem Bettler hin und erkannte zu seiner großen Freude seinen jüngsten Sohn. Zornig ließ er seine älteren Söhne in Bann legen. Er verfügte, man möge die beiden außer Landes bringen und er verbot ihnen jemals wieder zurückzukehren.
Und weil schon alles fröhlich war und für das Fest gerichtet, so hielten er und die Prinzessin Hochzeit. Nach dem Tod seines Vater wurde der Prinz König in seinem großen Reich. Er war zeit seines Lebens ein guter Monarch.
Ob er und seine Gemahlin wohl noch immer regieren? Wer weiß ...





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