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Ottokar und Genoveva « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Ottokar und Genoveva Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen



Vor weit über wohl 1000 Jahren waren völlig andere Zeiten und Gebräuche Usus - total anders als es heute ist.

So lebte einst ein Kaiserpaar. Sie waren eigentlich sehr glücklich miteinander. Und als sich dann noch ein Kind ansagte, schien das Glück perfekt. Doch wenige Tage, nachdem der kleine Prinz geboren war, verstarb die Kaiserin. Lange Zeit konnte der Kaiser sich über diesen Verlust nicht hinwegtrösten. Der kleine Prinz jedoch brauchte eine Mutter, meinte sein Vater und so verheiratete er sich alsbald mit einer Königstochter. Übers Jahr lag ein zweiter Prinz in der kaiserlichen Wiege.
Die beiden Buben, Ottokar und Adelbert, wuchsen fröhlich auf und wurden in allen Disziplinen für ihr Amt ausgebildet.

Wie es zu damaligen Zeiten üblich, suchte der Kaiser seinem 14jährigen Erstgeborenen unter den Prinzessinnen der umgebenden Länder eine junge Braut mit knapp 11 Jahren aus. Ottokar und seine ihm angetraute Kunigunde mochten sich sehr und waren bald beste Freunde. Prinz Adelbert wandelte sich zu einem Neider. Egal was immer Ottokar begann, es nagte in seinem Innersten - wollte er doch auch alles das haben, was der andere bekam oder sich erarbeitete. Diese schlechte Eigenschaft wuchs mit zunehmendem Alter immer mehr.

Als der alte Kaiser verstarb, wurde Ottokar sein Nachfolger. Auf einer seiner Reisen durch das Reich kam er unter anderem in ein Fürstentum. Beim abendlichen Mahle erblickte er ein sehr junges Mädchen. Er verliebte sich in sie. Von seiner Reise zurück am Hof redete Kaiser Ottokar mit seiner Frau. Sprach über alle Begebenheiten und zum Schluß kam auch die Rede auf die Begegnung mit diesem schönen jungen Mädchen, namens Genoveva. Kunigunde und Ottokar unterhielten sich die halbe Nacht. Beide entschieden, so die Gefühle des Kaisers zur 13jährigen nach einer Weile noch immer so wären, würden sie getrennte Wege gehen.
Kunigunde kannte ihren Ottokar und war sich sicher, daß er Genoveva nicht vergessen werde. So kehrt sie ins Königreich ihres alten, kranken Vaters zurück und übernahm alsbald dessen Regierungsgeschäfte.

Ottokar verehelichte sich mit seiner großen Liebe Genoveva. Von nun an waren die beiden unzertrennlich. Sie unternahmen alles gemeinsam. Bis ... ja bis Kaiser Ottokar mit seinen Rittern in einen Krieg ziehen mußte. Da Kaiserin Genoveva zum alleinigen Führen der Regierungsgeschäft zu jung war, sollte Adelbert mit ihr gemeinsam interimsmäßig die Belange des Reiches verwalten.
Tränenreich erfolgte der Abschied von Ottokar und Genoveva.
Adelbert jedoch meinte, in Abwesenheit seines Halbbruders schalten und walten zu können wie er wollte. So jung Genoveva sein mochte, sie ließ ihn nicht willkürlich gewähren. Immer wieder widersprach sie ihm, wenn Unrechtes ihr zu Ohren kamen. Das Schlimmste in Adelberts Augen war, daß er seit langem seine Schwägerin liebte. Er versuchte die Abwesenheit seines kaiserlichen Bruders auszunutzen und bedrängte sie immer und immer wieder. Allein, sie wollte nichts von ihm wissen und beteuerte immer wieder, wie sehr sie ihren Mann liebe. Als sich Genoveva in ihrer Not nicht anders zu wehren wußte, drohte sie eines Abends Adelbert, sie werde ihrem Mann, dem Kaiser, schreiben und ihm über alles, was hier geschehe, berichten.

Weil er nicht haben konnte oder durfte, was Ottokar besaß, sollte es keiner haben ... Noch in der Stunde faßte er einen Plan. Wütend darüber, daß er seinen Willen nicht bekam; wütend und zugleich angstvoll, daß seine Anmaßungen bekannt würden und auch aus Furcht vor der Reaktion seines Bruders, kam er Genoveva zuvor. Rasch verfaßte er seinerseits eine Depesche an den Kaiser. Darin verleumdete er Genoveva. Was sie nicht alles Schändliche begehen würde! Und vor allem - sie würde ständig hinter ihm her sein und ihn des Nächtens aufsuchen.
Genauso, wie Adelbert es erwartete, genauso war die Reaktion seines Bruders. Zutiefst enttäuscht las Kaiser Ottokar diese Zeilen. In seinem ersten Zorn und ohne nachzudenken gab er dem Kurier folgende schriftliche Anweisung an Adelbert mit: "Für ihre Untreue muß Genoveva mit dem Leben bezahlen."
Ja, der untreue Bruder wußte genau: Ottokar kann vieles verzeihen - nicht aber Untreue und Verrat.

Kaum hatte Adelbert die Anweisung gelesen, als er Genoveva auch schon im Schandturm festsetzen ließ. Noch in derselben Nacht wurde die junge Kaiserin geholt und über Klippen in den reißenden Fluß geworfen. Der mißgünstige Stiefbruder des Kaisers vermeinte nun Ruhe vor seinen Neidgefühlen zu haben. Er ließ den Tod der Kaiserin im ganzen Lande verkünden. Bald rankten sich allerlei Gerüchte und Geschichten darum, wie sie wohl zu Tode gekommen sei.
Kaiser Ottokar jedoch reute sein übervoreilige Befehl. Wie gerne wollte er diesen zurück nehmen. Trauer um sein Glück, seine Gemahlin, war fortan sein Begleiter.

Genoveva jedoch konnte zu ihrem Glück recht gut schwimmen. So gelang es ihr ans rettende Ufer zu kommen und sich in Sicherheit vor dem Ertrinken zu bringen. Als der Morgen graute und sie sich etwas erholt hatte, suchte sie in der Umgebung nach Menschen. Endlich traf sie auf eine alte Nonne.
Diese Nonne, eine sehr kräuterbeflissene Frau, war unterwegs um benötigte Kräuter zu finden und zu ernten. Sie nahm die junge Frau mit ins Kloster. Genoveva war dem Herrgott so dankbar für ihre Errettung, daß sie bald ins Kloster eintrat und den Namen Maria annahm. Niemand im Kloster ahnte wer sie in Wahrheit war.
Schwester Maria interessierte sich sehr für die Kräuter und vor allem für die Heilkunst. Als die alte Nonne zu ihrem Himmelsbräutigam ging, übernahm Maria deren Aufgaben. Es dauerte nicht lange, da waren ihre Heilkünste weit über die klösterliche Umgebung hin bekannt. Viele Menschen kamen von fern und nah und suchten bei ihr Hilfe. Bald war die Nonne mit ihren Heilkräften und ihrem Wissen im ganzen Kaiserreich bekannt.

Adelbert jedoch konnte sich seines Lebens nicht mehr freuen - überallhin verfolgten ihn die Augen seiner vermeintlich toten Schwägerin, an der er so frevelhaft gehandelt hatte. Viele Krankheiten plagten seinen Körper. Er wurde schwächer und schwächer und als er auch noch voller Aussatz war, da ließ er sich auf einer Bahre zum Kloster der "wundertätigen" Nonne bringen.
Er selbst erkannte in Schwester Maria seine Schwägerin nicht. Ihr jedoch reichte ein Blick um zu erkennen, wer vor ihr war. So verlangte sie von ihm: "Erst wenn du alle deine Sünden und Missetaten dem ehrwürdigen Pfarrer beichtest und ehrlichen Herzens bereust, will ich sehen, wie ich dir helfen kann."
Es dauerte lange bis sich schrittweise kleine Erfolge einstellten. Nach Monaten war Adelbert soweit gesundet, daß er ins kaiserliche Schloß zurückkehren konnte. Daß er wieder gesundete, deuchte allen als ein Wunder - auch, wie verändert Adelbert heim gekommen war.

Weitere Jahre vergingen. Die Trauer um seine geliebte Kaiserin und der Zorn über sich und sein im Jähzorn geäußertes Urteil ohne Überprüfung und Nachfragen, ließen Kaiser Ottokar immer melancholischer werden. Er besuchte Kunigunde und klagte ihr sein Leid. Sie konnte ihmnauch nicht trösten. Freilich gab sie zu bedenken, daß sie sich nicht vorstellen konnte Genoveva wäre auch nur in einem einzigen Gedanken untreu gewesen. Diese traurige Stimmung nahm immer mehr Besitz von Ottokar. Einige seiner Berater meinten schließlich: "Ihre Majestät, wenn Ihnen in Ihrem Kummer wer helfen kann, dann diese Schwester Maria. Begebt Euch in das Kloster und laßt Euch von Ihr heilen!"

So traf er eines Tages im Kloster ein und fragte nach Schwester Maria. Da sah er im Kräutergarten, eine Nonne werken. Als sie sich umwandte, erkannte er in ihr seine Gemahlin, Kaiserin Genoveva. Ungläubig rief er ihren Namen: "Genoveva! Liebste Genoveva!" Augenblicklich kam Leben in seinen Körper. Genovevas Herz schlug ihr bis zum Hals. Zu lange hatte sie diesen, ihren Namen, nicht mehr gehört. War dieser Mann dort wirklich ihr geliebter Ehemann? Ein Blick in seine Augen ließ alle Zweifel verfliegen.
Später, in einer stillen Ecke im Kreuzgang, setzten sie sich zusammen und nun erfuhr Kaiser Ottokar alles. Er hörte, daß nicht sie hinter Adelbert her gewesen war, sondern jener ihr ständig auflauerte und versuchte sie sich gefügig zu machen. Und noch mehr kam auf. Einiges hatte ihm schon Kunigunde offenbart. Er aber konnte sich damals nicht vorstellen von seinem Bruder hintergangen worden zu sein. Deshalb gelangt es dem Treulosen immer wieder den Kaiser zu beschwichtigen.

Aus Schwester Maria wurde erneut Kaiserin Genoveva und als solche verließ sie den Orden.
Zurück auf dem kaiserlichen Schloß jedoch unterrichtete Genoveva viele junge Mädchen über die Kraft der Kräuter, wie sie zu gebrauchen wären und wie sie zum Nutzen und zum Heil der Menschen anzuwenden seien. Vordringlich war sie darauf bedacht, daß das Kloster, in welchem sie lange Zeit als Nonne diente, sich im Besonderen um die Kräuterheilkunst verdient machte.

Ottokar und Genoveva lebten noch viele Jahre in Glück und Frieden - zum Wohle ihres gesamten Reiches - zusammen. Bald wurden sie glückliche Eltern eines Knaben, namens Ludovico, dem künftigen Thronfolger. Weitere sieben liebenswürdigen Kindern bereicherten das kaiserliche Leben und fröhliches Kinderlachen schallten durch das Anwesen. Als allerdings das neunte Kind das Licht der Welt erblickte, hauchte die Kaiserin ihr Leben aus. Wenige Tage danach folgte ihr ihr neugeborenes Mädchen. Freilich meinte Kaiser Ottokar den nun endgültigen Verlust seiner Genoveva kaum verkraften zu können. Doch die Erinnerung an ihre glücklichen Jahre und die geliebten Kinder versöhnten ihn mit dem Schicksal.
Noch lange über Genovevas Tod hinweg wurde sie beim Volk ob ihrer Mildtätigkeit und Herzensgüte hoch verehrt.

Was aber war aus Adelbert geworden?
Adelbart wurde gleich nach Ankunft des Kaiserpaares im Schloß, des Landes auf Lebzeiten verwiesen.
Wo immer er später hinkam, überall wußten die Menschen und vor allem die hochgestellten adeligen Herrschaften um seinen Betrug, um seine Untreue bescheid. Keiner wollte mit so einem Menschen etwas zu tun haben.
Man sagt, eines Tages sei er heimlich zurückgekehrt und habe sich in tiefster Verzweiflung an der Stelle, an welcher er seinerzeit Genoveva in den Fluß gestoßen habe, seinem Leben ein Ende gesetzt.





11.9/2016
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