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Der undankbare Bauer Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springenZum Ende der Seite springen


Der undankbare Bauer






In einem fernen Land lebte einst ein sehr armer Bauer in einem kleinen Dörfchen.
Eines Morgens pflügte er mit seinen Ochsen einen Acker - eine Furche so schnurgerade, wie die andere. Als er mit dem Pflügen fertig war, band er seine Ochsen los und führte sie auf eine Wiese. Dort sollten sie sich tüchtig mit gutem Gras anfressen. Er selber nahm einen Spaten und begann Mist auszubringen. Langsam neigte sich der Tag seinem Ende zu. Der Bauer war mit seiner Arbeit für diesen Tag fertig und wollte seine Ochsen von der Wiese holen.
Aber ... Auf der Wiese, wo er sie hingeführt hatte, waren die Viecher nicht. Die hatten nach besserem Futter gesucht und sich auf der Suche danach weit entfernt.
Jetzt kann man sich vorstellen, welch großer Verlust das für einen armen Bauern bedeutet, wenn seine Ochsen weg sind. Aufgeregt und schier verzweifelt suchte er seine Tiere. Schon war es Nacht und er suchte noch immer - sogar in dem kleinen Wald, der an das Dörfchen grenzte. Er suchte und rief seine Ochsen - nichts ...
Im Finstern verirrte er sich. Auf den verschlungen Wegen im Wald irrte er an die 7 Tage umher. Er fand weder seine Ochsen, noch den Weg nach Hause. Schon meinte er, daß er verdursten oder hungers sterben werde. Da, knapp bevor er vor Müdigkeit zusammenbrach, sah er einen Mangobaum - über und über mit reifen Früchten. Der Mangobaum stand am Abhang zu einer sehr tiefen, steilen Schlucht.

Man kann es kaum glauben. Angesichts der reifen Früchte war des Bauern Müdigkeit wie weggeflogen. Flink kletterte er auf den Baum und verschlang so rasch so viele Mangos wie er nur konnte. Sein Hunger, oder war es mehr der Appetit auf das köstliche Obst, schien einfach nicht stillbar. Es verlangte ihn mehr und mehr nach diesen saftigen Mangos. Ohne es zu merken kletterte er immer höher. Schließlich erreichte er einen Ast, der weit über diese Schlucht hing. Und was soll ich Euch sagen? Plötzlich krachte und knackste es ... Der Ast war zu schwach um den Bauern und die vielen Früchte zu tragen. Er brach ab und der Bauer fiel den steilen, felsigen Abhang hinunter in die enge Schlucht. Dabei hatte er viel Glück, denn er fiel auf keinen Felsbrocken, sondern in einen Tümpel. Der Fall auf den Felsen, da war er sich sicher, hätte seinen Tod bedeutet. Doch geschwächt von seinem Umherirren und jetzt vom Sturz war er beinahe unfähig sich zu bewegen. Ganze 10 Tage lang blieb er mehr oder weniger unbeweglich liegen. Nun zum Trinken hatte er ja das Wasser des Tümpels und zum Essen dienten ihm die Blätter und kleinen Beeren der nahen Sträucher.

Dann, am 10. Tag, tauchte auf einmal ein Affe auf. Der lebte in einer Höhle in der Schlucht. Heute kam er um am Tümpel Wasser zu trinken. Wie staunte der Affe ausgerechnet hier, an diesem einsamen Ort, einen Menschen vorzufinden. Neugierig, wie Affen eben sind, fragte er: "Wer bist du denn? Warum liegst du hier herum?"
"Au weh, Au weh!" jammerte da der Bauer, "Wie du siehst, lieber Affe, bin ich von da oben hier herunter gefallen."
"Das sehe ich. Doch wo kommst du her?" fragte der Affe.
"Ich bin in einem kleinen Dorf zu Hause nahe der großen Stadt. Meine Ochsen sind mir fort gelaufen. Also habe ich sie gesucht und was soll ich sagen, ich habe mich total im Wald verirrt. Nach einer guten Woche fand ich endlich den Mangobaum da oben. Da stieg ich hinauf und ... du siehst ja, was passiert ist ... Der Ast brach ab und fiel mit mir in diese Schlucht. Sag, kannst du mir vielleicht helfen? Allein bin ich zu schwach und dann - ich finde auch nicht in den Wald und in mein Dorf zurück."

Dem Affen tat der arme Bauer leid. Er schaute den Mann an - hm - der ist schon ziemlich groß und sicher auch schwer, überlegte er. Wie konnte er dem Armen helfen? Da fiel sein Blick auf einen riesengroßen Stein. Der mochte in etwa das Gewischt des Bauern haben. Also nahm der Affe den Stein auf seine Schultern und versuchte damit den steilen Abhang hinaufzuklettern. Dabei prüfte er, welche Hindernisse und Schwierigkeiten es geben könne. Unterschiedliche Wege probierte der Affe mit dem Stein aus, bis er sich für einen entschied, den er für den besten hielt. Nun kam er zum Bauern zurück: "Komm, schling deine Arme um mich und halte dich fest. Ich will mit dir den Felsen hinaufsteigen."

Glücklich, endlich aus seiner mißlichen Lage befreit zu werden, tat der Bauer, was der Affe ihm sagte; kletterte auf dessen Rücken und schlang die Arme um den Hals. Ihr könnt Euch vorstellen, wie schwierig der Aufstieg war. Total erschöpft gelangte der Affe mit seiner Last oben beim Mangobaum an. Erschöpft bat er den Bauern: "Du, ich muß mich etwas erholen nach dieser Kletterei. Halte bitte etwas Wache, denn ich möchte etwas schlafen. Falls wilde Tiere oder sonst eine Gefahr auftaucht, dann bitte sei so gut und weck mich."
Dabei legte sich der Affe unter des Mangobaums Schatten und schlief alsbald ein. Eine Weile wachte der Bauer, doch bald vergaß er, daß ihn dieser Affe gerettet hatte. Als er sich sicher war, daß der Affe fest und tief schlief, faßte er einen scheußlichen Plan. "Ich bin so hungrig und ich weiß, Affenfleisch schmeckt gar köstlich und gibt viel Kraft. Wenn ich also den da schlachte und esse, komme ich rascher zu Kräften und finde gewiß schnell den Weg aus dem Wald nach Hause."

Er sah sich um und fand den großen Stein, mit dem der Affe trainiert hatte. Den hob er nun auf und warf ihn dem schlafenden Affen an den Kopf. Doch da er tagelang nicht genug gegessen hatte, hatte er nicht stark genug, den großen Stein mit voller Wucht auf den Affen zu werfen - deshalb verwundete der undankbare, treulose Bauer nur das Tier schwer.
Blutend sprang der Affe auf und ... hurtig war er auf dem Baum. Von dort rief er hinunter: "Du Gauner! Ich habe dich gerettet und vor dem Tod bewahrt und dafür willst du mich zum Dank töten? Für deine böse Tat sollst du büßen. Scher dich fort" Ich werde dir auch nicht den rechten Pfad weisen. Vielleicht hast du ja Glück und es fressen dich keine wilden Tiere."

Schlechtes Gewissen plagte nun den Bauern und so rannte er, was er konnte. Doch ein Entkommen im nicht möglich.
Denn die Götter hatten von der schändlichen Tat Kenntnis und sie beschlossen, ihn dafür zu bestrafen. Grindig und mit grauslichen Geschwüren bedeckt erreichte er irgendwann, nach Langem, sein Dorf. Die Bewohner ekelten sich aber so sehr vor ihm und jagten ihn davon.
Ganze sieben Jahre, so erzählt man sich, sei er ruhelos umher gewandert, von allen Menschen gemieden.
Eines Tages brach er an den Toren einer großen Stadt zusammen. Zwar gaben ihm einige mildtätigen Leute was zu essen und zu trinken, doch er war schon zu alt, zu schwach und zu krank ...
Als er starb, schickten ihn die Götter in die Unterwelt, wo er noch weiter für seine Missetat, seinen Undank und für seine Untreue, die er zu seinen Lebzeiten getan hatte, büßen muß.









9/2016
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07.09.2016 19:25 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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