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Ãœber den Kalberlkönig « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

katze_edith katze_edith ist weiblich
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Über den Kalberlkönig






Vor langer Zeit lebten einmal ein König mit seiner Königin. Beide waren sie sehr traurig, weil sie einfach kein Kind bekommen konnten.
Einmal, als die Königen besonders traurig war, sprach sie:
"Ach, wenn ich doch ein Kinderl hätte. Ich wär' es schon zufrieden, selbst wenn es nur ein Kalberl sein tät ..."
Ja, gar oft macht man eine Bemerkung ohne lange nachzudenken ...
Was aber ist, wenn diese unbedachten Worte Wahrheit werden?

Nach einigen Monaten nun erfüllten sich der Königin Worte.
Welch Schrecken war das!
Sie, die Könige eines großen Reiches, bekamen ein Kalberl zum Thronerben!
Schließlich aber trösteten sie sich damit, daß es immer noch besser sei ein Kalberl zum Kind zu haben als gar kein Kind.
So kam das Kalberl kam zu einer Kuh und genoß die beste Milch. Sein Ställchen war besonders schön und bequem. ja es erhielt sogar eigene Diener, die alles zu seinen Wünschen erledigten.

Dann, kaum daß das Kalberl 6 Jahre alt war, schickte es einen Diener zu seiner Mutter, der Königin, mit dem Auftrag:
"Bitte geh hin und frage sie, wann ich denn nun zur Schule gehen darf. Es wird langsam Zeit, daß ich was lerne!"
Wie erschrak die Königin über diesen Wunsch ihres Kindes. Auch der König wußte nicht, was zu tun sei. So schickte das Königspaar nach dem Schuldirektor. Dem klagten sie nun ihr Anliegen.
Der aber meinte nur: "Schickt mir nur Euer Kalberl, Ihre Majestäten. Damit die Kinder es nicht auslachen, dafür werde ich schon sorgen, denn es kann nix dafür, daß es ein Kalberl ist."

So kam das Kalberl in die Schule. Es lernte äußerst fleißig. Auf alle Fragen des Lehrers wußte es Antwort. Die Kinder waren auch lieb zum Königssohn. Der Unterricht bereitete so große Freude, nur, bald reichte die Volksschule nimmer aus.
Bald kam der Wunsch auf in eine höhere Schule gehen zu dürfen.
Wieder standen der König und seine Gemahlin vor einer großen Entscheidung. Sie wußten, sie würden es nicht schaffen dem Wunsch ihres Kindes nicht zu entsprechen.
Es dauerte nicht lange und aus dem Kalberl-Prinzen war einer der gelehrtesten, weisesten Professoren. geworden.

Doch noch immer war das Kalberl nicht zufrieden.
Nun wollte es gar Ritter werden!
Wie unangenehm das dem König war, kjönnt Ihr Euch wohl vorstellen! Sorgenvoll versuchte sich der König folgendes vorzustellen:
"Ein Kalberl auf einem Roß! ... nein, nein, nein! Das paßt doch nicht zusammen! Und wie das ausschaun würde. Wie peinlich!"
Doch wer das Kalberl kannte, wußte, es setzt seinen Willen durch. Also kaufte das Königspaar das allerfeinste Pferd aus edelster Zucht.
O Gott!
Was war das für ein Anblick, wenn das Kalberl hoch zu Roß daherkam!
Auch wenn die Leute gafften und über den Anblick lachten, so scherte sich der Kalberl-Prinz nicht darum. Immer schneller, immer toller ritt und focht er und am Ende war er der tüchtigste und tapferste Ritter des Reiches.

Mittlerweile war der Prinz erwachsen geworden.
Abermals trat er vor seine Eltern und sagte: "Liebe Eltern, ich möchte heiraten. Bitte helft mir eine Braut zu finden."
Der König wäre beinahe vor Schreck vom Thron gefallen ... Nun waren die Königin und der König so richtig traurig, denn wer wird schon ein Kalberl heiraten?
Egal wie klug, wie tüchtig es auch ist.
Doch wie alle Eltern liebten sie ihr Kind von ganzem Herzen. So begannen sie in den benachbarten Ländern geduldig sich umzuschauen und zu fragen, ob sich wohl eine Braut fände.
Nach endlos langer Zeit kam ein Gesandter zurück und berichtete:
"Weit weg, in einem fremden, fernen Land, da wohnt ein König mit 12 Töchtern. Wohl möglich, daß eine darunter ist, die Eure Schwiegertochter werden möchte."
Es dauerte nicht lange, da hatte das Kalberl sich reisefertig gemacht und brach mit dem König und dem Gesandten zum Ritt in das fremde Königreich auf.
In unmittelbarer Nähe zum Schloß stieg das Kalberl vom Pferd und sein Vater führte es am Strick hinter sich her.
Man konnte es ihm anmerken - irgendwie war es ihm peinlich. Deshalb ließ er es auch vor der Tür stehen. Grade so, als gehöre es nicht zu ihm.

Auf des Königs Klopfen wurde dem geöffnet. Mit großer Gastfreundlichkeit empfing man ihn. Sofort gewahrte er alle 12 Prinzessinnen. Die waren erstaunt über den fremden Gast und wollten wissen, was sein Begehren sei. Wie es halt so ist, sprachen bald alle über allerlei Belangloses.
Schließlich fand der Gastgeber, es wäre an der Zeit sich mit seinem Gast zu unterhalten. Also schickte er seine Töchter hinaus mit den Worten: "Laßt uns allein, wie ihr euch denken könnt, haben wir was zu besprechen."
Jetzt war der König an der Reihe. Etwas umständlich brachte er dem anderen König sein Anliegen vor:
"Mein Sohn wünscht zu heiraten. Jedoch wisset, er ist kein normaler Prinz, er ist ein Kalberl. Nun sind wir gekommen um Euch um die Hand einer Eurer Töchter zu fragen ..."
Da meinte der König: "Also ein Schwiegersohn wäre mir durchaus willkommen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, daß eine meiner Töchter sich ein Kalberl zum Mann nehmen möchte." Lange sann er nach, während unser König sich schon traurig und unverrichteter Dinge entfernen wollte. Da meinte der Vater der 12 Prinzessinnen:
"Wenn überhaupt eine meiner Töchter Ihr Kalberl heiraten würde, dann wäre es am ehesten meine jüngste Tochter. Ich will sie gleich rufen lassen, auf daß Ihr sie selber fragen könnt."

Bald waren die Mädchen wieder ihm Prunksaal. Da faßte der königliche Gast ein Herz und sagte, daß er auf Brautschau für seinen Sohn gekommen sei.
Ja heiraten wollte schon eine jeder der 12 Prinzessinnen.
Aber als der König gestand, daß sein Sohn ein Kalberl sei, da lachte eine nach der anderen ihn aus. Alle, bis auf die jüngste Prinzessin.
"Ja, ja. Ich nehm' ihn schon. Ich bin schon froh, wenn ich ein Kalberl zum Mann bekomme."
Ei, was war der König froh!
Gleich führte er die Prinzessin zum seinem Sohn.
Nun wurde sogleich alles zur Hochzeit hergerichtet. Bald nach der Eheschließung der Prinzessin mit dem Kalberl-Prinzen nahmen sie Abschied und machten sich auf den Weg zurück zum heimatlichen Königreich.
Freilich, der Prinzessin wurde es schon etwas bange und schwer ums Herz ihr Daheim zu verlassen. Doch andererseits war sie auch froh fortzukommen. Sie wollte sich nicht den Verhöhnungen und Vorwürfen aussetzen, daß sie keinen besseren Mann genommen hat.
Daheim, im Reich des Königs, bezogen der Prinz und seine Gemahlin ein schönes Haus.

Doch was war das?!
Als es Abend wurde, da zog der Prinz seine Tierhaut aus und ward zu einem wunderschönen jungen Mann. Nur, das wußte bisher niemand - nur eben jetzt seine Frau.
Sonst lief er tagsüber wie gewohnt in Kalbsgestalt umher.

Nach einiger Zeit, sie waren schon sehr lange verheiratet und glücklich, da überkam die junge Königin doch ein leises Heimweh. So bat sie ihren Mann:
"Bitte, laß mich nur für ein paar Tage meine Eltern besuchen. Ich möchte sieso gerne einmal sehen."
"Du sollst deine Eltern und Schwestern besuche, meine Liebste. Doch mußt du mir versprechen, daß du mich NIEMALS verrätst. Weil dann wäre es aus und vorbei mit unserem Glück. Ich müßte dann weit fort und wir würden uns niemals wieder sehen!"
"Ich will unser Geheimnis gut bewahren. Ich hab dich doch so lieb und will immer mit dir zusammen bleiben!"

So geschah es, daß die Pferde gesattelt wurden und sich die junge Königin auf die Reise zu ihren Eltern begab. Freilich, immer wieder nahm sie sich ganz fest vor, keinem was von ihrem Geheimnis und ihrem Glück zu erzählen.
Doch ihre Eltern und Schwestern empfingen sie anders, als sie es sich gewünscht und vorgestellt hatte. Es hagelte nichts als nur Vorwürfe und Spötteleien!
"Lieber bleib ich ledig als ein Kalb zu heiraten. Du bist sicher sehr, sehr unglücklich über deine Entscheidung ...!" spöttelte eine ihrer Schwestern.
"Nein, nein! wirklich nicht! Alles ist doch gut."
In ihrer Enttäuschung über diesen Empfang, den Zorn über diese bösen Worte, vergaß sie im Augenblick ihr Versprechen. Es sprudelte nur so aus ihr hervor:
"Ich hab den allerschönsten, allerbesten Mann der ganzen Welt. Es gibt keinen, der besser und lieber wäre .."
Und sie redete sich der Maßen in Fahrt, daß sie alles erzählte.
Da meinten die Eltern: "Du, dann nimm ihm doch einfach seine Kalberlhaut weg. Wenn er tief und fest schläft, dann wirf sie ins Feuer!"
Auch die Schwestern ereiferten sich: "Ja, genau! Mach das und dann bleibt er für immer in seiner wahren Gestalt."

Diese Reden gingen der jungen Frau nimmer aus dem Kopf.
Schon auf der Reise zurück grübelte sie, wem sie wohl mehr trauen sollte - den Eltern und Schwestern oder doch vielleicht ihrem Mann?!
Diese Gedanken verfolgten sie wieder und immer wieder. Irgendwann aber gewann der Wunsch in ihr, vor aller Welt auf ihren wundervollen Mann stolz sein zu dürfen.
Eines Abends, ihr Mann hatte sich bereits hingelegt, packte sie die Kalberl-Haut und warf sie ins Feuer des Kamins. Hell loderten die Flammen und schließlich blieb nur ein kleines Häufchen Asche übrig.

Da erwachte der Königssohn.
Traurig fragte er: "O weh! Was hast du nur getan?"
"Ich ha-habe nichts getan", stammelte die junge Frau . Wie sehr bereute sie nun ihre Tat, als sie seine Augen sah!
Doch nun es war zu spät. Sie konnte ihre Tat nicht mehr ungeschehen machen.
Traurig nahm ihr Mann von ihr Abschied:
"Ich muß nun fort und ich darf nie wieder zu dir zurückkommen."
Sogleich verließ er sie. Sie konnte sich nicht einmal verabschieden.
Sie war traurig und böse zugleich auf sich und ihr Tun. So sehr sie sich auch nach ihrem Liebsten sehnte, er war und blieb verschwunden. Was nützte alle Reue und alles Vornehmen - niemals wieder etwas dergleichen zu tun - nichts brachte ihn ihr zurück.
Noch mehr schmerzte sie der Anblick ihrer Schwiegereltern. Diese vergingen schier vor Gram , Kummer und Sorge um ihren Sohn. Schlimm für die beiden war, weil sie so gar nichts über den Grund des Verschwinden ihres Kindes wußten.

So entschied sich die junge Frau alles zu tun um ihren Mann ausfindig zu machen. Sie nahm Abschied vom alten Königspaar und machte sich auf den Weg. Ruhelos wanderte sie von Ort zu Ort. Doch wen immer sie auch fragte, keiner wußte etwas über den Kalberl-Prinz. Keiner wußte Rat in ihrer Not.
So wanderte und wanderte sie und alle Suche blieb vergebens. Ihre Füße schmerzten sie schrecklich, doch ans Aufgeben dachte sie nicht.

Nach geraumer Zeit, sie war mal wieder sehr traurig, gelangte sie an ein kleines Haus. Es war das Haus der kleinen Sonne.
"Ach, liebe , kleine Sonne, hast du vielleicht meinen Mann gesehen? Weißt du wo er ist?"
"Nein, tut mir leid. Ich kann dir nicht helfen. Aber geh doch zu meiner Schwester, der großen Sonne."
Und so wanderte die junge Königin weiter. Endlich erreichte sie die große Sonne:
"Sag, liebe, große Sonne, hast du vielleicht meinen Mann gesehen? Weißt du wo er ist?!"
"Nein, so leid es mir tut, ich habe keine Ahnung wo dein Mann ist. Aber vielleicht weiß es mein Bruder, der kleine Wind, etwas. Der bläßt in alle Ecken und Winkel." Schon wollte sich die junge Frau traurig verabschieden, als die große Sonne sie anrief: "Warte einen Augenbklick. Ich will dir eine goldene Glucke geben. Aber hebe sie gut auf. Leicht möglich, daß sie dir einmal sehr nützlich werden kann"
Schon etwas leichter im Gemüt verstaute sie die goldene Glucke in ihr Bündel, bedankte und verabschiedete sich von der großen Sonne und machte sich auf den Weg zum kleinen Wind.
Es war ein weiter Weg bis sie beim Haus des kleinen Windes anlangte.
"Ach, du lieber, kleiner Wind, sag, hast du meinen Mann gesehen?"
"Nein, ich habe deinen Mann nicht gesehen. Aber geh doch zu meinem Bruder, dem Sturmwind. Der kommt gar weit in der Welt herum. Mag sein, daß er weiß, wo dein Mann ist." sagte der kleine Wind.
Zum Abschied gab er der jungen Frau einen goldenen Gockel und bemerkte dazu:
"Achte gut auf ihn, vielleicht brauchst du ihn einmal.". Der goldene Gockel wurde zur goldenen Gluck ins Bündel gesteckt und weiter ging es ... immer weiter ... Die arme Königin gönnte sich keine Ruhe. Ihre Sehnsucht nach ihrem Mann wurde immer größer.

Nach einer Weile gelangte sie zum Sturmwind. Auch den fragte sie nach dem Verbleib ihres Mannes. Und ...
"Ja freilich weiß ich wo dein Mann ist." sagte der Sturmwind. Dann gb er ihr ein goldenes Spinnrad mit den Worten: "Paß nur ja gut darauf auf. Und jetzt geh dorthin, wohin ich dich treibe. Verlasse dich nur auf mich. Ich bringe dich zu ihm."
Wie froh war da die junge Königin. Endlich, nach so ewig langer Zeit, war sie auf der richtigen Spur. Der Sturmwind trieb sie über hohe Berge, durch viele Täler bis in eine Stadt und dort auf den Marktplatz.

Kaum kamen sie an einem großen Haus vorbei, als der Sturmwind aufhörte zu blasen.
Jetzt wußte sie, sie war am Ziel.
"Danke, lieber, guter Sturmwind für deine Hilfe."
"Freu dich nicht zu früh," warnte der Sturmwind, " hier wohnt zwar dein Mann, aber du mußt ihn erst zurückgewinnen. Denn du mußt wissen. Hier in diesem Haus wohnt einen alte, böse Hexe. Sie hat deinen Mann mittlerweile so sehr verzaubert, daß er ihre Tochter geheiratet und dich völlig vergessen hat."
Traurig und mit Tränen in den Augen fragte sie:
"Erinnert er sich so gar nimmer an mich? Bin ich denn den mühevollen Weg umsonst hierher gewandert?"
Dem Sturmwind dauerte dieses Herzeleid:
"Verzweifle nicht. Ich will dir sagen, wie du ihn zurückgewinnen kannst. Aber höre gut zu! Du darfst nichts vergessen! Stell dich hierhin vor das Haustor auf dem Marktplatz und biete die goldenen Glucke feil. Sobald die Hexentochter sie sieht, wird sie sie haben wollen und fragen, was sie kostet. Du aber sagst, daß sie für Geld nicht zu haben ist. Egal, was immer sie dir auch bieten mag. Aber wenn sie dich im Haus in einer eigenen Schlafkammer übernachten läßt, könne sie sie geschenkt haben. Genau so machst du es am nächsten Tag mit dem goldenen Gockel. Und danach auch ebenso mit dem goldenen Spinnrad. Aber immer verlangst du nur, dich in ihrem Hausübernachten zu lassen.

So tat es denn auch die junge Königin.
Geduldig wartete sie auf dem Marktplatz und bot die goldene Glucke an. Kaum daß die Hexentochter die goldene Glucke in der Sonne funkeln sah, als sie auch schon bei der jungen Frau war und sie kaufen wollte.
"Ich verkaufe sie nicht" sagte die junge Königin immer wieder.
"Was immer sie kostet, ich WILL sie haben!"
"Aber ich verkaufe sie nicht. Um Geld ist sie nicht feil, aber verschenken würde ich sie schon. Wenn ich z. B. dafür in deinem Haus in einer Kammer übernachten dürfte."
Alles Feilschen half der Hexentochter nicht, die sie anfänglich nicht bei sich schlafen lassen wollte. Aber die Gier nach der goldenen Glucke war dermaßen groß, daß sie schließlich einwilligte, als sie bemerkte, daß die junge Frau schon gehen wollte. Nach langem Hin und Her willigte sie ein.
Gleichzeitig sann sie, wie sie es vermeiden konnte, daß ihr Mann mit der schönen Fremden zusammentrifft.

So bekam die Tochter der Hexe die goldene Glucke .
Kaum konnte die junge Königin den Abend erwarten. Sie hoffte so sehr, ihren Mann zu sehen und darauf, daß er sich dann an sie erinnern würde. Vielleicht konnte sie mit ihm reden ...
Aber o weh!
Die Hexe und ihre Tochter gaben dem Mann einen Schlaftrunk. Als die junge Frau in seine Kammer trat, da schlief er tief und fest und war durch nichts wachzubekommen. Schadenfroh bemerkte dies die Hexentochter.
So verging die Nacht und am Morgen mußte die Königin fort, noch ehe sie mit ihm ein Sterbenswörterl hat reden können.

Dem Mann war aber gar seltsam zu Mute als er erwachte. Auch hatte er einen schweren Traum, ohne sich daran erinnern zu können, was er geträumt hat.
Anderntags also saß die Frau erneut auf dem Marktplatz. Dieses Mal hielt sie einen goldenen Gockel feil. Die Sonne ließ ihre Strahlen so auf diesen Gockel fallen, daß es nur so ins Zimmer der Hexe blinkte. Kaum erblickte sie den Goldgockel, wollte sie den auch haben - zumal dieser ganz wunderbar zu der goldenen Glucke passen würde ...
Drunten, auf dem Marktplatz, entspann sich wie am Vortag ein Handeln und Feilschen! Jedoch ohne jeden Erfolg. Was immer für den Gockel geboten wurde, er war nicht zu kaufen. Weil die Hexentochter aber unbedingt den Gockel zur Glucke haben wollte, so gewährte sie auch dieses Mal, daß die vermeintliche Marktfrau bei ihr übernachten dürfe.
Vorsorglich brauten sie und ihre Mutter neuerlich einen Schlaftrunk und gaben dem Mann diesen beim Abendessen zu trinken. Sogleich verfiel er in einen tiefen Schlaf. Und wieder merkte er nicht, wie die junge Königin in seine Kammer kam und mit ihm redete.

Nun war es schon zum zweiten Mal, daß er mit einem schweren Kopf und seltsamem Gefühl erwachte. Langsam ahnte er, daß etwas nicht mit rechten Dingen zuging. So nahm er sich vor am Abend wachsamer zu sein. Er sinnierte, ob es vielleicht gar am abendlichen Wein liegt?

Jetzt war es der dritte Tag, da die junge Königin auf dem Marktplatz saß.
Nun bot sie ein goldenes Spinnrad feil. Der Hexentochter ließ es einfach keine Ruhe. Sie wollte und mußte dieses Spinnrad um jeden Preis haben!
Wie schon an den beiden vorhergehenden Tage war, so war auch dieses Spinnrad um kein Geld zu erkaufen. Egal was immer die Hexe auch anbot - für dieses goldene Spinnrad mußte sie sie noch einmal diese Frau in ihrem Haus übernachten lassen.
Und genau wie an den vorherigen Tagen wollten die Hexen den Mann mit ihrem Wein betäuben. Doch in einem unbemerkten Augenblick verschüttete dieser den Wein. Dann tat er, als würde er in tiefen Schlaf gefallen sein. Er machte keinen Mucks, dafür hörte er umso aufmerksamer zu, was die beiden Hexen sprachen. Endlich gingen auch sie zur Ruhe.

Als die junge Königin leise in sein Zimmer kam und ihn flüsternd ansprach, fragte er leise zurück:
"Wer bist du?Wie kommst du hierher?"
"Erkennst du mich denn nicht?" fragte sie, "ich bin doch deine Frau. Deine erste Frau. Die, die deine Kalberlhaut verbrannt hat."
O, wie war sie glücklich, endlich mit ihm reden zu können!
Und so erzählte sie ihm alles - auch von den beiden Sonnen, dem Wind und vom Sturmwind. Wie sie ihr geholfen haben in ihrer Verzweiflung. Sie sprach auch davon, daß sie nun schon das dritte Mal hier bei ihm sein und wie Überglücklich sie sei, endlich mit ihm reden zu können.
Während sie redete und redete, fiel es ihm immer mehr wie Schuppen von den Augen. Schließlich konnte er sich wieder an alles, was geschehen war, erinnern. Ganz klar sah er seine Vergangenheit. Je klarer ihm alles ins Gedächtnis kam, umso mehr verlor sich der böse Zauber der Hexen.

Am Morgen, als die Hexe samt ihrer Tochter erwachten und merkten, daß diesmal ihre List nicht gewirkt hatte, wurden sie sehr böse. Doch es half ihnen nichts. Sie hatten all ihre Gewalt über ihn verloren.

Der erlöste Königssohn aber wanderte mit seiner Gemahlin in die alte Heimat zurück.
War das eine Freude!
Der alte König und seine Königin dankten ab und übergaben das Reich in die Hände ihres Sohnes. Drei ganze Tage wurde gefeiert, gesungen, gelacht, getanzt usw.

Aus dem "Kalberlkönig" wurde ein sehr weiser und gerechter Herrscher, seine Königin war ebenso mildtätig, wie großherzig und beide wurden von ihrem Volk hoch verehrt und geliebt.
Sie lebten und regierten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.






9/2016
@EEA
06.09.2016 11:41 katze_edith ist offline E-Mail an katze_edith senden Beiträge von katze_edith suchen Nehmen Sie katze_edith in Ihre Freundesliste auf

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