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Thema: Lena, Lisa, Luna ... Lego
katze_edith

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Lena, Lisa, Luna ... Lego 18.04.2018 23:08 Forum: Eigene Geschichten



Lena, Lisa, Luna ... Lego




Wie Ihr Euch denken könnt, sind unsere beiden Hauptdarsteller Elisabeth und Magdalene. Sie sind Zwillingen und sie lieben es mit Lego zu spielen, zu bauen und damit in ihrer Fantasie-Welt viele Abenteuer zu erleben.

Wissen sollte man auch, daß Mama Tina schon als kleines Mädchen vom Legomania erfaßt wurde - folgerichtig - diese Vorliebe zu den Plastiksteinchen übertrug sich auf ihre Schätze!
Ich meine: Eh klar!

Heute wollte Lena einmal keinen Bauernhof mir Tiere drin bauen, heute gedachte sie einen Hubschrauber oder so was Ähnliches bauen. Zumindest sollte es fliegen können. Mama hatte da einen Bausatz besorgt, bei dem sogar ein kleiner Motor und Batterien dabei waren.
"Wow! Toll! Bis jetzt hab ich alles ganz allein geschafft! Juhuuuu!"
Lena war beinahe fertig und höchst aufgeregt - würde ihr Brummer wirklich fliegen?
Oh, da fehlt ja noch das Wichtigste - die Rotorflügel.
Sie schaut in die Schachtel - he, da waren noch Teile drin.
Flink das Sackerl ausleeren und dann zusammen bauen ...
Hei, wie sie sich freute! Mit jedem Steinchen mehrte sich die Freude!

Grade, als sie die letzten beiden Steinchen zum Rotor hinzufügen wollte, passierte es ...

Woher auch immer - plötzlich krachte ein Etwas auf das schöne Flugobjekt. Ein Etwas, das wie eine Puppe aussah.
Eine Puppe?
"Woher kommt die denn so gachs?"
Nach dem ersten Schrecken erfolgte sogleich der nächste ...
O weh! Alle Mühe war vergebens! Diese echt deppate Puppe war ausgerechnet auf ihren wunderschönen Hubschrauber gelandet. Der war schon deshalb etwas so Besonderes, weil Lena ihn ganz allein, ohne Mama (!!) zusammengebaut hat!
Und jetzt?!
Alles Einzelteile!
Lena war wütend! Sie schrie, tobte ... Sie ergriff die blöde Puppe und donnerte sie in hohem Bogen durchs Zimmer in eine Ecke.
"Aua, das tut ja weh!" hörte Lena ein feines Stimmchen sich beschweren.
"Jetzt reicht's mir aber, Elisabeth! Das sag ich der Mama" schimpfte sie. "Mamaaaa! Mamaaaa! Die blöde Elisabeth hat mir meinen Flieger hing'macht!"
Unten im Wohnzimmer saßen Mama und Lisa beisammen und wunderten sich gar sehr über Lenas Anschuldigung.
"Ich hab' ja gar nichts g'macht!" rief Lisa hinauf und wußte nicht, worüber Lena sich so aufregte.
"Lena, was ist denn passiert?" wollte Mama wissen.
HM! Irgendetwas scheint da nicht stimmen!
Wer, zum Kuckuck, hat eben in ihrem Zimmer sich beklagt, wenn Mama und Lisa unten im Wohnzimmer waren?

Leise schlich Lena auf Zehenspitzen zur Stiege und einige Stufen hinunter. Vorsichtig spähte sie ums Eck.
Äußerst seltsam!
Da saßen Mama und Lisa tatsächlich beim kleinen Couchtisch und bauten zusammen eine Burg für die Barbie-Puppen auf.

Lena setzte sich auf eine Stufe und grübelte ...
Nach einer Weile schlich sie wieder ebenso leise in ihr Zimmer zurück. Auf der Stiege war ihr nichts G'scheites eingefallen - aber vielleicht in ihrem Zimmer?
Da hörte sie ein leises Kichern.
Wie von einer Tarantel gestochen fuhr sie herum.
"Wer lacht denn da?" wollte sie wissen. So sehr sie ihre Augen auch bemühte, sie konnte keine Menschenseele entdecken. Nur diese deppate Puppe in der Ecke ... die so gar nicht in ihr Zimmer paßte.

Aber ... seltsam ... die Puppe lag gar nimmer so verrenkt im Eck. Sie war nicht wirklich kaputt, sondern saß da und schaute sie an. Es schien Lena beinahe, als würde sie sie anlächeln und ... ihr zuzwinkern!
"Ich glaub, ich spinne." Lena rieb sich die Augen.
Da, jetzt lacht die Puppe zu allem Übel auch noch!

Ihr hättet in diesem Augenblick das Gesicht unseres Mädels sehen müssen!
Ungläubig starrte sie diese Puppe an. In wenigen Schritte ging Lena hin. Am Ende ist das gar keine Puppe?
Aber was denn sonst?
"Hallo, ich bin Luna!"
Gut, daß Lena dieses geheimnisvolle Etwas noch nicht hochgehoben hatte.
"Hääää?! Sag das noch einmal!" Lena schüttelte den Kopf und zu sich selber sagte sie: "Jetzt gehe ich schon in die 3. Klasse und dann ... dann höre ich eine Puppe reden! ... Das darf ich keinem erzählen! Die halten mich sofort alle für total beknackt in meinem Oberstübchen!"
Fluchtartig verließ sie ihr Zimmer und radiert zu Mama hinunter. Ganz eng kuschelte sie sich an diese und hoffte, nach einer gewissen Zeit würde der Spuk vorüber sein.

Nach dem Abendessen hieß es: "Ab ins Badezimmer und dann macht euch bettfein!"
Lisa war verwundert ob Lenas seltsames Verhalten seit dem Nachmittag.
Beim Zähneputzen fragte sie: "Sag, Lena, was war denn los? Warum bist du so grantig?"
"Nix!" knurrte Lena wortkarg und streifte sich den Pyjama über.
Obgleich sie bettfertig war, verspürte sie nicht die geringste Lust in ihr Zimmer zu gehen. Irgendwann ließ es sich nicht mehr hinauszögern und flink wie der Wind verschwand unser Mädel unter der Bettdecke.
Mama gab ihren Schätzen noch ein Bussi, wünschte eine gute Nacht und löschte die Lichter.

Plötzlich - da zupfte was an der Decke. Sofort saß Lena senkrecht im Bett.
Da saß die Puppe doch auf ihr und ... sie redete.
"Laß mich in Ruhe! Es gibt keine Puppen, die wie wir Menschen sprechen können! Die gibt es NICHT! Hörst du?!"
"Ich bin doch keine Puppe." sagte das feine Stimmchen
"Was denn sonst?" Lena schlüpfte wieder unter ihre Decke, zog die ganz fest über den Kopf und dachte, wenn ich sie nicht sehe, dann gibt es sie vielleicht wirklich nicht ...
"Duuu," sagte das zarte Ding, das keine Puppe sein wollte und tippte zart auf die Decke, "ich bin echt keine Puppe. Ich bin die kleine Fee Luna. Eigentlich sollte ich ja erst abends mit dem Fiegen-Lernen anfangen. Doch ich bin sooooo schrecklich neugierig und konnte es nicht erwarten. Dann sah ich dich. Du hast mir gefallen ..." nun hatte das feine Stimmchen etwas Trauriges an sich.
Mit einem 'Ruck saß Lena wieder auf. "Ja und dann hast du meinen Hubschrauber kaputt gemacht!"
"Entschuldigung, das wollte ich nicht." flüsterte jetzt Luna, "Weißt du, ich bin doch sooo unendlich neugierig. Und dabei hab ich aufs Flattern vergessen ... Aber du hast mir auch weh getan und schau nur --- ein Flügel ist kaputt."
Nun kullerten ein paar Tränchen aus Lunas Äuglein.
Da waren in echt 2 zarte Flüglein zu erkennen. Eines hing geknickt herunter ... '
Ich seh schon Gespenster ...' und sie überlegte ob sie krank sei
"Komm unter meine Decke." Lena hob einen Zipfel hoch und Luna schlüpfte darunter. "Morgen wollen wir nachdenken - aber, bitte, kein Wort mehr." Lena nahm sich fest vor, morgen würde alle sein wie immer.

Dann schliefen beide ein.

Wie gut, daß Ferien waren.
Nach dem Frühstück brachte Lena der Fee ein bisserl von ihrem mit. Luna hatte noch nie so Menschenessen gekostet. Feen essen und trinken normalerweise nur Blütennektar und Tautropfen.
"Was machen wir jetzt?" Lena schaute Luna an.
"So kann ich nicht mehr fliegen." traurig besah Luna ihren verletzten Flügel.
"Hm," überlegte das Mädchen.

Lisa, sonst immer in Lenas Nähe, wunderte sich, daß sich ihre Schwester seit gestern Nachmittag recht sonderbar verhielt.
Auch Mama fand es eigenartig. Die beiden Mädels spielten für gewöhnlich fast immer miteinander. Gedankenvoll ging immer wieder ein nachdenklicher Blick nach oben.

Neugierig pirschte sich Lisa an Lenas Zimmertür und öffnete die lautlos.
Ö!
Seit wann spielt Lena mit Puppen?
Noch seltsamer - seit wann spricht sie mit einer solchen?
Und der Überhammer --- sie bekam von der sogar Antworten!

Lisas Augen wurden größer und größer. Unglaublich, was da vor sich ging!
Schon wollte Lieserl nach dem ersten Schrecken die Mama rufen, als Lena sie entdeckte.
"Schnell! Mach die Tür zu und sei um Himmels Willen ja leise!"
So wie Lena das sagte, wagte Lisa nicht den geringsten Ton von sich zu geben.

Einige Augenblicke gewährte Lena ihrer Schwester sich zu erholen und dann begann sie zu erzählen. Um ihre Geschichte zu unterstreichen zeigte sie auf die Einzelteile ihres Hubschraubers.
"... ja, und genau, als ich die letzten beiden Stein ansetzen wollte, plumpste Luna drauf und alles war kaputt, wie du siehst."
"Mich hat sie erwischt und durchs Zimmer gepfeffert. Da, schau nur," beklagte sich Luna und zeigte dabei ihren verletzten Flügel, "Mir hat sie sooo weh getan und nun kann ich nicht mehr fliegen!"



"Aaaajaaaaaa ..." sagte Lisa sehr gedehnt und meinte zu träumen.
"Kapierst du endlich, warum ich Mama und dir davon kein Sterbenswörterl sagen konnte? Ihr beiden hättet mich für völlig meschugge gehalten!" Lena war zufrieden endlich mit jemandem sprechen zu können. Das verringerte zwar nicht das Problem, doch ums Herz herum ward es nun ein bißl leichter. Außerdem, zu zweit läßt sich besser nachdenken!

"Du magst da Recht haben, Mama würde das nie und nimmer glauben!" pflichtete Lisa ihrer Schwester bei.
"Fein, daß ihr beide euch einig seid." meldete sich Luna aufmüfpig zu Wort. "Denkt ihr beiden Hübschen vielleicht auch einmal an mich? Zum Beispiel, daß ich Hunger und Durst haben könnte? Wie ich wieder nach Hause komme?"
"Ach du lieber Himmel!" durchfuhr es Lena, "das kommt noch dazu!"
"Genau!" fauchte Luna. Sie liebte es überhaupt nicht, unbemerkt zu sein.
"Nun sei nicht so bös mit uns. Schau, wir haben niemals ernsthaft gedacht, daß es Feen wahrhaftig gibt. Wir dachten, das seien Märchen oder Hirngespinste unserer Nachbarin, oder so ..." versuchte Lisa die kleine Fee zu beschwichtigen.
"Kann ja alles sein" ließ Luna ein wenig freundlicher gestimmt verlauten, "aber Hunger hab ich trotzdem."
"Und was eßt ihr Feen so?" fragte Lisa und Lena machte sich schon bereit um in der Küche das Gewünschte zu organisieren.
"Blütennektar und kühle Tautropfen liebe ich besonders." Für Luna war es eine Selbstverständlichkeit, daß Derartiges im Haus zu finden gäbe.
"Waaaaaaaaaaaas?" Die Mädchen waren entsetzt. "Kannst du uns bitte erklären, woher wir Nektar und Tau herbringen sollten?"
"Ach, das kennt ihr nicht? Das Beste kennt ihr nicht? ..." nun staunte Luna ihrerseits. "Nun gut, dann feinen Honig in einem Blütenkelch. Oder kennt ihr Menschen das etwa auch nicht?"
Doch, Honig kannten die Kinder selbstverständlich. Die Schwierigkeit war nur, wie konnten sie es anstellen mit dem Honigglas an Mama vorbei zurück ins Lenas Zimmer zu gelangen. Vom Blütenkelch keine Rede!

Die Zwillinge fanden den Ausweg aus dem Dilemma. Wozu waren sie auch zu zweit?
Lisa lenkte geschickt Mama ab, währenddessen Lena sich in die Speisekammer schlich, sich das Honigglas, ein Untertellerchen und einen kleinen Löffel schnappte und eiligst über die Stiege in den ersten Stock huschte.
Geschafft!

Kompliziert wurde es für die kleine Luna von diesem Honig zu naschen. Sie so zart und der klebrige Honig ...
Doch irgendwie gelang es ihren Hunger zu stillen. OK, statt der geforderten Tautropfen gab es nur gewöhnliche Wassertropfen aus dem Badezimmer.
"Eigentlich bin ich selber schuld an dem Malheur," gestand Luna. Mit vollem Bäuchlein wurde sie gutmütiger, einsichtiger. "Unsere Frau Lehrerin warnte davor allein Flugversuche zu starten. Also größere. Kurze Strecken, das lernen wir schon als Babyfeen. Allerdings ... meine Ungeduld ...! Auweh, das gibt ein Theater, wenn ich zurück bin!"

Die Mädels konnten sich das gut vorstellen, wußten sie aus eigener Erfahrung, welches Theater sie erwarten tät. Sie versuchten Luna zu trösten.
"Und wenn wir dir mit 'Tixo' und einem Zahnstocher den Flügel schienen, meinst du, dann könntest du fliegen?" Lena, die praktisch veranlagt war, meinte eine Lösung gefunden zu haben.
"Was ist 'Tixo'?" Luna konnte mit diesem Wort nichts anfangen.
"Na ja, 'Tixo', das ist ein durchsichtiger Streifen mit dem man was ankleben, festkleben, zusammenkleben ... kann." erklärte Lenchen.
Kurzes Schweigen.
"Ich glaube nicht, daß das klug wäre." gab Luna zu bedenken. "Wie ihr sehen könnt, sind meine Flügel sehr zart und dann ... da ist Feenstaub drauf. Wir Feen und auch die Elfen müssen stets bedacht darauf sein, nicht naß zu werden oder gar in die Nähe von pickigen Dingen zu kommen. Nicht nur, daß wir eventuell da nicht wegkämen, wir verlieren schon bei geringster Berührung unseren Hauch Feenstaub. Ohne den können wir nicht mehr fliegen! Oder noch Schlimmeres geschieht mit uns ..."
"Oje!" So vieles war den Zwillingen unbekannt.
Die drei beschlossen, bis Lunas Flügel geheilt sei, könnten sie es sich schön machen. Miteinander spielen oder so?Tröstlich war, daß es draußen regnete und an ein Hinausgehen ohnehin nicht zu denken war.
Mama fiel lediglich auf, daß ihre Schätze für ihren Geschmack viel zu friedlich waren, wie noch nie. Deshalb tat sie nichts, was diesen Frieden hätte stören können. Unheimlich war ihr lediglich, daß selbst die Lieblingssendungen im Fernsehen kein Interesse fanden.

Nach 2 Tagen ging es Lunas Flügel besser. Sachte gelang es ihr sogar schon ein wenig damit zu flattern.
Da plötzlich fiel es Lena wie Schuppen von den Augen.
"Mensch! Daß ich aber nicht daran gedacht habe!"
Luna und Lisa erschraken sichtlich als Lena ohne Vorwarnung aufsprang und ihren Gedanken freien Lauf ließ.
Rasch suchte sie alle Teile ihres verunglückten Hubschraubers zusammen.
"Lisa, du mußt mir helfen." Flugs machten sich die Kinder daran den Hubschrauber zusammenzubauen. Aber etwas schien der Lena nicht ganz zu passen.

Abends, als Papa von seiner Reise zurück kam, mußte der haarklein erklären, wie denn das so sei mit dem Motor, den Batterien und wie man den Hubschrauber steuern kann.
Papa war sehr stolz. Was hatte er doch für technisch begabte Mädchen!
Supergirls!
Stutzig machte ihn allerdings die "Nebenbei-Frage": Papaaaaaa, und wie ist es, wenn man so winzig wäre, daß man da hineinpassen tät ... könnte man dann den Hubi auch selber steuern?"
Armer Papa!
Eben noch war er von seinen technisch begabten Mädels fasziniert und dann ... diese verrückte Frage. Jedoch ... ganz soooo dumm schien ihm die Frage nach kurzer Zeit doch nicht.
Im Gegenteil, diese Sache erweckte sein Interesse total.
Wenn Papas nachdenken, noch dazu, wenn Lego im Spiel ist, dann ... Ja dann wollen sie auch tolles Lego für die Umsetzung benützen. Am nächsten Tag fuhr er also in die Stadt und besorgte sich ein ausgefinkelteres Flugobjekt.
"Also ..." überlegte er, "wenn man das so macht ... und das dann damit verbindet ... und das dahin ..." Papas Eifer kannte keine Grenzen.
Schließlich meinte er: "War eine sehr interessante Sache. Ich denke, ich habe das Problem gelöst. Wenngleich ich keinen kenne, der da wirklich selber drinsitzt und fliegt. Aber rein technisch, wäre das JETZT durchaus möglich!" Er lachte verschmitzt.



'Ach, Papa!' dachten die Mädels, 'wenn du wüßtest!' - und riefen freudestrahlend und erleichtert: "Danke, lieber Papapaaaaaaaa! Du bist der allerbeste!"
Papa war ziemlich geschmeichelt.
(Grins! Werden Eltern so überschwänglich gelobt, dann vergessen sie völlig, sich über sonderbares Kinderverhalten zu wundern oder nachzufragen.)
Aufmerksam lauschten Lena und Lisa Papas Erklärungen - um anschließend eilends hinauf zu verduften.

Am andern Morgen lachte die Sonne. Dies schein ein gutes Omen für ihr Vorhaben zu sein.
Luna ging es sichtlich besser, obgleich sie immer noch nicht hätte selber weit zu fliegen vermocht.
Doch nun gab es da ja den Hubschrauber oder wie immer dieses unheimliche Ding heißen mochte!
Die Gefühle von Lena und Lisa fuhren Achterbahn!

Einerseits - Hurra, sie konnten Luna helfen wieder nach Hause zu kommen ...
Auch - Hurra, weil die Schwindelei bald ein Ende fand. Echt anstrengend ...!
Andererseits - es war eine so unvergeßlich schöne Zeit mit Luna, der kleinen Fee!

Arg schlimm war beiden ums Herz, denn sie durften Luna nicht ein einziges Mal in ihre Arme nehmen, sie lieb haben oder ihr gar ein Bussi geben. Zu leicht hätten sie ungewollt etwas Feenstaub entfernen können!
Die Stunde des Abschieds nahte.
Allen dreien war es schwer ums Herz.
Luna bestieg den Lego-Technic-Hubi. Noch einmal alles genau erklärt und ... Fenster auf ...
Lena hob ihre kleine Freundin samt 'Hubi' aufs Fensterbrett und startete den Motor.
Ein letztes Winken und Bussi-Schicken.
Der Hubschrauber hob ab.
Alles funktionierte, wie Papa es gesagt hatte. Luna drückte den winzigen Hebel nach vorne -
Mit leisem Gebrumme schwebte Luna im 'Hubi' in Richtung Wald.

Mit hängenden Mundwinkeln und Tränen in den Augen fanden die Eltern die Zwillinge vor dem offenen Fenster.
"Was ist denn bloß los mit euch?" fragte Mama ganz besorgt und prüfte mit ihrer Hand die Temperatur der Kinderstirnen.
Da schien alles OK zu sein.
In den nächsten Tagen war es ebenso.
Tollstes Wetter, andere Kinder kamen zum Spielen, herrliche Ausflüge, ... und dann die verheulten G'sichtern!
Es dauerte ziemlich lange, bis die Mädels wieder strahlten und fröhlich waren.

Irgendwann erinnerte sich Papa an den Hubschrauber. Er wollte wissen, was damit sei.
Die Antwort war - man könnte sagen - so um den heißen Brei herum ...
"Für das, daß ihr so wichtig und dringend alles wissen wolltet, ist das jetzt äußerst merkwürdig. Außerdem, ich hab den Hubschrauber seither nicht wieder gesehen." bohrte Papa nach.
"Ach der ..." sagten Lena und Lisa und schauten, daß sie rasch nach draußen entfliehen konnten.
Die Wahrheit über den Verbleib konnten sie nicht sagen und lügen ist eine Sünde.


Und was war mit Luna?
Luna gelang es in der Tat mit dem Lego-Hubschrauber bis nach Hause zu kommen. War das eine Aufregung!
Zunächst waren alle glückselig, daß ihre Luna wohlbehalten daheim war.
Sie wurde geherzt und geküßt, denn Feen untereinander, die dürfen das. Weder die Feeneltern noch die gestrenge Frau Lehrerin schimpften mit ihr.
Hauptsache ihre Luna war zurück.

Danach wollten sie alles über dieses seltsame Ding da erfahren. Noch keine Fee hatte jemals Ähnliches zu Gesicht bekommen.
Da jedoch die Batterien aufgebraucht waren, ließ sich der 'Hubi' nicht mehr in Gang bringen. So verwahrten die Feen das Luna-Zurückbring-Ding, wie sie es nannten, an einem sicheren Ort.

Eines Tages war es soweit.



Mit Luna hatte gemeinsam mit anderen Feenkindern ihre Flugprüfungen für weite Strecken, Kunstfliegen, usw. bestanden. Eigentlich hätte Luna jetzt tollkühn durch Wald und Flur fliegen dürfen. Allein, sie fand keine Freude daran.

Seraphina und Oberon war nicht entgangen, Luna spürte eine tiefe Sehnsucht in sich. Beide meinten zu wissen, woran das lag.
Sie riefen Luna zu sich: "Wir spüren, daß dich die Erinnerung an die beiden Mädchen beschäftigt. Möchtest du sie vielleicht besuchen?"
"Ja!" jubelte Luna, "doch ob sie noch an Feen glauben? Sie mich erkennen?" Ihre Stimme wurde immer leiser.
"Versuche es, dann wirst du es ja sehen."

So machte sich Luna auf den Weg.



Im Garten der Zwillinge angekommen hockte sie sich in den Nußbaum und betrachtete aus sicherer Entfernung die Mädchen.
Ob sie sich noch an sie erinnern werden?

Als außer den Zwillingen keiner weit und breit zu sehen war, schwebte sie sacht herunter, setzte sich Lena auf die Schulter und hauchte ein Bussi auf deren Wange.
Zuerst wollte Lena das wegwischen, jedoch etwas ließ sie innehalten.
Im gleichen Moment blickte Lisa auf und rief erstaunt: "Ich glaub's ja nicht. Da sitzt etwas auf deiner Schulter. Erinnert mich beinahe an unsere Luna."
"Hurra!" jubelte Luna, "ihr habt mich nicht vergessen. Ich habe die Erlaubnis erhalten euch zu besuchen ... Wie geht es euch?"
Die Fragen sprudelten nur so aus ihr heraus.

Ja, es heißt nicht umsonst:
>>Wes Herz voll ist, des Mund geht über! <<

Die drei begaben sich hinter einen Strauch, wo sie ungestört und unbeobachtet miteinander plaudern konnten. Vorsichtshalber wechselte Luna ihre Gestalt. An die Umgebung angepaßt, ließ es sich unbeschwerter plauschen.
Welch glückliche Zeit!
Welch glückliche Herzen!

Irgendwann rief Mama zum Abendessen.
"Ich weiß nicht, ob ich euch wieder einmal als Fee besuchen werde dürfen, doch ich will mich euch in verschiedenen Kräutern, Blumen oder Blüten zu erkennen geben. Denkt an mich besonders bei Basilikum, Gartennelken, Gänseblümchen oder bei einem Apfelbaum. Alles Gute meine Lieben und vergeßt mich nicht."

Diesmal war der Abschied weniger schmerzhaft.
Die drei Freundinnen wußten mit Gewißheit, daß sie einander stets in ihren Herzen tragen werden.

"Bevor ich's vergesse," rief Luna den Mädels im Davonflug noch zu, "Euer beider Feen-Blumen sind die Rosen! Ihr könnt das nachlesen. Rote Rosen für Elisabeth - in Erinnerung an das Rosenwunder der Hl. Elisabeth von Thüringen. Die weiße Rose, liebste Lena, die steht für dich und die Hl. Magdalena. Aus Kummer um das Leid ihres Herrn Jesus Christ wuschen ihre Tränen alles Rot aus den Rosen. Seither werden weiße Rosen Magdalenenrosen genannt!"



Wann immer Lena und Lisa draußen sind - im Garten, auf einer Lichtung, im Wald ... schickten sie mit einem Luftkuß liebe Gedanken hinüber in die Feenwelt.
Werden sie einer sogenannten "Feenpflanze" ansichtig, schlagen ihr Herz rascher.
Und streift sie dann ein leichter Windhauch, sind beide felsenfest sicher: das ist ein Gruß ihrer Luna, die mit anderen Feen tanzt.








18. 4. 2018
@eea
Thema: ... vom Schweißtuch der heiligen Veronika
katze_edith

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... vom Schweißtuch der heiligen Veronika 18.04.2018 12:43 Forum: Eigene Geschichten




... vom Schweißtuch der heiligen Veronika


Sudarium Christi






Etwa vor 2000 Jahren, zur Zeit der letzten Regierungsjahre des Kaiser Tiberius (1) , siedelte sich hoch oben im Sabiner-Gebirge (2) in einer sehr alten Hütte ein armer Winzer mit seiner Frau an. Da sie fremd in der Gegend waren, lebten sie in größter Einsamkeit. Niemand, der sie besuchte.



Doch eines Morgens kauerte eine Frau auf seiner Schwelle. Sie war in einen einfachen, grauen Mantel gehüllt und vermittelte den Eindruck recht arm zu sein.
Und doch ...
Als sie aufstand und auf ihn zuging, hatte sie etwas ehrfurchtgebietendes an sich. Alles an ihr erinnerte ihn an Sagen und Geschichten, in denen Göttinnen in Gestalt alter Greisinnen zu den Menschen kamen.

"Lieber Freund, wundere dich nicht darüber, weil ich hier auf deiner Schwelle die Nacht verbrachte, sagte die Alte zum Winzer, "denn wisse, ich wurde hier vor etwa 90 Jahren geboren. Ich dachte, diese Hütte wäre nach wie vor verlassen. Niemand sagte je zu mir, daß hier nun Leute wohnen."
"Schon gut," gab der Mann zur Antwort, "kein Wunder, daß du meintest dies wäre unbewohnt. Meine Frau und ich kommen aus einem fernen Land und als Fremde fanden wir keine bessere Bleibe. Auch leben wir abgeschieden und treffen kaum einen anderen Menschen."
Die alte Frau dauerte ihm und so lud er sie mit folgenden Worte ein: "Du bist gewiß hungrig, durstig und müde. Komm tritt ein. Ich hoffe, es ist dir lieber diese Hütte von Menschen bewohnt zu wissen, denn von Wölfen. Meine Frau richtet dir gerne ein Lager zum Ausruhen und wenn du möchtest, wir haben auch Ziegenmilch und Brot."

Über das Antlitz der alten Frau huschte ein feines Lächeln, das jedoch deren großen Kummer nicht verschwinden lassen konnte. "Seit Kindertagen lebte ich in diesen Bergen und weiß, wie Wölfe verjagt werden können."
Der Winzer glaubte ihr, daß sie obwohl schon sehr alt, sie kräftig genug wäre sich der wilden Tiere und Wölfe zu erwehren.
"Das mag schon sein," stimmte ihr der Mann zu, "doch meine Einladung, dich bei uns auszuruhen und mit uns zu essen, ist noch immer aufrecht. Komm und tritt ein."

Es gab Milch mit Brotbrocken darin.
Irgendwie gewannen die Eheleute den Eindruck, als würde die Greisin besseres gewohnt gewesen sein, als ob sie feinste Fasanen auf silbernen Platten gespeist hätte ... Es mag sein, daß sie hier geboren wurde, doch hat sie sicherlich bessere Zeiten erlebt als hier in der Einsamkeit Ziegen zu melken und Butter und Käse zu machen ...

Während des Essens hob der Gast immer wieder seine Blicke und schaute sich um. Die nackten, gestampften Lehmwände wiesen nach wie vor Spuren von Kindern auf, die Hunde, Hirsche und Ähnliches darauf gezeichnet hatten. Ganz oben, auf einem Brett vermeinte sie sogar die Scherben eines Tonkrugs aus jenen fernen Tagen zu finden. Mit den Gedanken schien sie weit weg zu sein. Dann wieder, wenn sie erneut ins Jetzt kam, seufzte sie schwer und kummervoll. Kaum war sie mit den Essen fertig, da erhob sie sich und ging zur Tür.

Sie schien den Winzerleuten so bedauernswert und der Mann sprach: "Für dich war es eine arge Mühe des nachts heraufzukommen. Wir denken, du wolltest sicher hier den Rest deiner Tage verbringen. Aber nun, da wir in der Hütte wohnen, willst du von dannen gehen?"
"Die Hütte, die über so viele Jahre verlassen war, gehört genauso euch, wie mir." die Greisin leugnete nicht, daß die Vermutung recht war. " Doch jetzt steht mir kein Recht zu hier zu bleiben."
"Da dies die Hütte deiner Familie war, hast du wohl das gleiche Recht wie wir. Nebenbei, wir sind jung und du bereits alt. Also werden wir wohl gehen."

Der Ehefrau des Winzers gefiel dies nicht wirklich und so mischte sie sich in das Gespräch ein: "Lieber Mann, ich möchte dich bitten, die würdige Greisin zu fragen, ob sie uns an Kindes statt annehmen wolle." Zur alten Frau gewandt meinte sie: "Wer würde dich pflegen? Wer würde dir helfen, wenn wir weggingen? Wovon willst du hier in dieser Einöde leben? Wir können dich nicht verhungern lassen."

Während der gesamten Zeit hatte die alte Greisin die beiden Leute beobachtet: "Warum seid ihr so barmherzig zu mir? Ihr seid selbst Fremde in diesem Land."
Da antwortete die junge Frau: "Wir sind einst selber einer großen Barmherzigkeit teilhaftig geworden ..."



Und so geschah es.
Die drei Leute lebten fortan gemeinsam in der Hütte. Eine Freundschaft entwickelte sich zwischen den Eheleuten und der alten Frau. Ein jedes achtete den anderen. So fragten die Jungen auch nicht nach, woher sie gekommen war oder wer sie sei.
Instinktiv begriffen sie, diese Fragen wären nicht gut angekommen ...

Eines Abends, nach getaner Arbeit, saßen sie wie so oft friedlich auf der Schwelle der Hütte und aßen ihr Nachtmahl. Da gewahrten sie einen alten Mann, der mühsam den Berg heraufstieg. Als er näher kam, sahen sie, er war kräftig gebaut, doch sein Gesicht war finster und unfreundlich. Um seine Mundwinkel lagen Züge von Verachtung und Bitterkeit.
Nun straffte sich seine Haltung und er näherte sich schneller.
Ob seiner einfachen Kleidung vermutete der Winzer, es könne ein Legionär sein, der nach seinem Abschied in seinen Heimatort zurückkehrt.

Der Fremdling war nun bei den drei Essenden angelangt.
Da der Weg nur ein kleines Stück hinter der Hütte zu Ende war, fragte der Winzer: " Hast du dich verirrt? Niemand sonst tut sich die Mühe und klettert herauf. Oder hast du eventuell für einen von uns eine Botschaft?"

Der Fremde trat noch ein paar Schritte näher. "Es ist so, wie du sagst. Erst hab ich den Weg verfehlt und nun gehe ich, wohin mich meine Schritte lenken. Gewähre mir bitte etwas Ruhe und dann sag mir bitte, wie ich zum Gutshof komme."
Während er so sprach, setzte er sich auf einen der großen Steine.

Die junge Frau lud ihn ein mit ihnen zu essen, was er jedoch lächelnd ablehnte. Er ließ erkennen, daß er geneigt war sich mit ihnen zu unterhalten und stellte Fragen nach ihrem Leben und ihrer Arbeit.
Die jungen Leute gaben bereitwillig Auskunft.

Doch auch die Gastgeber hatten Fragen an den Fremden: "Wie du siehst, leben wir hier ziemlich abgeschieden. Es ist gewiß schon über ein Jahr her, seit wir außer mit Hirten, anderen Winzern oder Bauern gesprochen haben. Magst du uns etwas aus deiner Zeit im Feldlager des Kaiser oder über Rom erzählen?"

Der Mann hatte noch nicht seine Frage ganz ausgesprochen, als die Alte ihm einen warnenden Blick zuwarf und ihm mit der Hand ein Zeichen der Warnung gab.
Der fremde Gast allerdings entgegnete freundlich: "So, so, du hältst mich also für einen Legionär. Nun, so ganz unrecht liegst du da nicht mit deiner Meinung, wenngleich ich schon lange den Dienst verlassen habe. Obschon Tiberius in seinen Glückstagen ein großer Feldherr war, so gab es nicht viel Arbeit. Jetzt aber beginnt er allerorts Verschwörungen zu wittern. So ließ er unlängst rein auf Versdacht einen Senator ergreifen und töten."
"Ach der arme Kaiser! Er weiß nicht mehr was er tut?!" erschüttert darüber schüttelte sie voller Mitleid ihren Kopf.

Tiefe Schwermut lag über dem Gesicht des Fremdlings: "Da hast du recht. Kaiser Tiberius weiß vom Haß der Menschen und genau das wird ihn in den Wahnsinn treiben."
"Aber was redest du denn da? Weshalb sollen wir ihn den hassen?" gab die Frau zu bedenken, "Wir beklagen doch nur, daß er nimmer der große Herrscher ist wie zu Beginn."
"Nein, gute Frau, jetzt irrst du." widersprach der Gast. "Jetzt, da er nur noch ein grausamer, schrecklich herzloser Tyrann ist, wird er von den Menschen gehaßt und verachtet. Die Römer fürchten sogar, daß es noch schlimmer werden wird ..."
Nun wollte der Winzer erst recht Näheres wissen: "Irgendetwas muß geschehen sein, daß er nun so ein böser Unhold geworden ist."

Wiederum gab die Greisin versteckte Warnzeichen der jungen Frau, doch so, daß ihr Mann sie nicht bemerken konnte.

Um die Lippen des Fremden lag ein gar sonderbares Lächeln.
"Vielleicht hast du schon gehört, daß Tiberius einen einzigen Freund in seiner Umgebung hatte, der ihm stets, anders als alle Glücksjäger und Schmeichler, die Wahrheit sagte. Dies war seine Amme Faustina. Sie allein ließ ihn stets den Wert seiner Taten, Handlungen und Entscheidung - ob gut oder schlecht - erkennen ..."
"Freilich, jeder hier hörte wie sehr der Kaiser ihr in Freundschaft zugetan ist." warf der Winzer ein.

Der Fremde fuhr mit seiner Erzählung fort: "Tiberius schätzte sehr diese Treue und Hingabe. Einst kam sie aus einer elenden Hütte aus diesen Sabiner Bergen als arme Bäuerin. Sie behandelte er wie eine zweite Mutter. Während er in Rom weilte, lebte sie auf dem Palatin, damit sie immer in seiner Nähe war. Er ließ sie wie eine Kaiserin kleiden, mit Sänften durch die Straßen tragen und sie verfügte über kostbarsten Hausrat. Als er nach Capri zog, erhielt sie ein Landhaus ..."
"Dann ging es ihr wahrlich gut," sagte der Mann.

Seine Frau saß stumm neben ihm.
Beinahe erschrocken bemerkte sie die Veränderung, die mit der alten Frau geschehen war. Als der Fremde zu sprechen begonnen hatte, schob sie ihr Essen zur Seite. Der sonst freundliche, sanfte Ausdruck ihres Gesichts war verschwunden. Statt dessen lehnte sie nun steif und aufrecht an der Mauer und starrte mit versteinertem Gesicht vor sich hin.

"... und jetzt hat sie den Kaiser, trotz all seiner Absicht ihr ein Glückliches, schönes Leben zu bereiten, verlassen!" endete der Fremde.
Jetzt zuckte die alte Frau zusammen, während die junge ihr sanft die Hand auf den Arm legte und dann sagte sie mit milder Stimme: "Glaubst du wirklich, daß Faustina sooo glücklich bei Hofe war? Gewiß liebte sie Tiberius wie einen eigenen Sohn und sie war sicherlich sehr, sehr stolz auf alles in seiner Jugend. Umso größer muß nun der Kummer darüber sein, daß er mit dem Alter so grausam und mißtrauisch wurde. Ich kann mir vorstellen wie schrecklich es für sie sein mußte, stets und immer fort umsonst zu bitten, zu mahnen und zu warnen. Schließlich wird sie halt nicht länger habe ertragen können, zu sehen wie er immer schrecklicher wird ..."

Der fremde Mann war von diesen Worten, die leise und ehrerbietig gesprochen waren sichtlich überrascht: "Wie richtig du die Frau beurteilst. Tatsächlich war Faustina nie sehr glücklich am Hof. Dennoch ist er verwunderlich, daß sie jetzt, wo sie ihr ganzes Leben bei Tiberius ausgeharrt hat, ihn im Alter verließt."
Der Winzer sprach überrascht: "Was sagst du da? Sie hat den Kaiser verlassen? Für immer?"
"Ja. Heimlich ist sie fortgeschlichen - ohne alles. So arm, wie sie einst an den Hof kam, so arm ging sie."
Mit sanfter Stimme fragte die junge Frau: "Und der Kaiser hat keine Ahnung, wohin sie ist?"
"Leider nicht! Einige vermuten sie könnte in ihre Heimat gegangen sein."

Es entspann sich zwischen den beiden ein Zwiegespräch ...
"Weshalb sie ihn verlassen hat, weiß der Kaiser?"
"Nein, der Kaiser hat keine Ahnung. Er hat niemals an ihrer Treue gezweifelt. Sie war die einzige, die uneigennützig war. Ganz anders als alle anderen, die immer nur für alles Geld, Lohn und Geschenke erwarteten. Er hofft noch immer, sie kehrt eines Tages zurück, weil sie doch weiß, daß er nun keinen wahren Freund mehr hat."

"Zwar kenne ich diese Faustina nicht und dennoch meine ich zu erahnen, weshalb sie den Kaiser verließ. Inmitten der Berge in Einfachheit und Sitte erzogen, hat sie sich wohl nach ihrer Heimat gesehnt. Hätte der Kaiser sie nicht beleidigt, hätte sie ihn wohl niemals verlassen. Ich an ihrer Stelle würde dann auch, am Ende meiner Lebenszeit angelangt, denken, das Recht zu haben einmal an mich selber denken zu dürfen. Wenn ich ein ganzes Leben lang gedient habe und meine ich genug getan zu haben. Was sind alles Wohlleben und die Kaisergunst gegen die eigene Seele mit Gerechtigkeit und Lauterkeit zu erfüllen, ehe es ins Jenseits geht."

Ernst und ein wenig schwermütig blickte der Gast die junge Frau an: "Wahr ist, daß nun des Kaisers Taten und Handlungen noch furchtbarer als je zuvor werden. Es gibt keinen Menschen mehr, der auf ihn einspricht, ihn beruhigt, wenn wieder einmal Mißtrauen und Verachtung seiner Untertanen Platz greifen ..." jetzt blickte er finster die Junge an, " auf der ganzen Welt hat er keine Menschenseele mehr, die ihn nicht verachtet, die ihn nicht haßt, ihm nicht fort wünscht!"
Aus diesen Worten war bitterste Verzweiflung zu entnehmen.
Die Alte machte eine hastige Bewegung und wandte sich ihm schon zu, als die Junge, ihm fest in seine Augen blickend, antwortete: "Ich meine, Tiberius weiß, seine Faustina würde an den Hof zurückkehren, wenn ihre Augen nicht mehr Grausames, Schändliches und Lasterhaftes schauen müßten."

Nun stand alle.
Die Eheleute hatten sich vor die Greisin gestellt, grade so, als wollten sie sie beschützen.

Ohne ein Wort zu sagen sah der Fremde mit fragendem Blick die Alte an. Fast schien es, als wollte er sie fragen: 'Ist das auch DEIN Wort?'
Doch die alte Frau vermochte kein Wörtchen hervorzubringen obwohl ihre Lippen zitterten.
Dafür sagte die Winzerin: "Wenn der Kaiser seine alte Dienerin wirklich so sehr geliebt hat, warum mag er ihr nicht jetzt etwas Ruhe gönnen. Jetzt in den letzten Lebenstagen?"

Einen Augenblick noch zögerte der Fremde.
Plötzlich hellte sich seine Miene auf:" Meine Freunde, was immer man über Tiberius auch sagen mag, eines hat er gelernt - besser als andere - das ist zu verzichten. Ich habe euch nur eines zu sagen: >>Sollte die alte Frau, von der wir sprachen, diese Hütte aufsuchen, dann bitte nehmt sie wohlwollend und gut auf.<< Jedem, der ihr beisteht, ist des Kaisers Gunst gewiß!"

Mit diesen Worten verabschiedete er sich, hüllte sich in seinen Mantel und entfernte sich auf demselben Weg, auf dem er gekommen war.



Von Stund' an sprachen die drei nie wieder auch nur ein Wort über den Kaiser.
Freilich wunderten sich die Jungen über diese Kraft allen Reichtum und der Macht zu entsagen und sich so einen weiten Weg anzutun.
Insgeheim fragten sie sich wohl: 'Vielleicht möchte sie doch zu Tiberius zurück? Sie liebt ihn offensichtlich noch immer und sie verließ ihn in der Hoffnung ihn dadurch zur Besinnung zu bringen. Ihn von dem schrecklichen Treiben abzuhalten.'

Einmal sprachen die Eheleute untereinander: "Was meinst du Weib, Kann so ein alter Mann noch ein neues Leben beginnen? Wie könnte man ihn von der grauslichen Menschenverachtung heilen, ihn von all den Grausamkeiten abhalten? Wer hätte den Mut vor ihn hinzutreten und ihn Menschenliebe lehren?" er seufzte, "solange das nicht geschieht, kann nichts und niemand ihn von seinem Mißtrauen und dem Grauen, das er verbreitet befreien."
"Wir beide wissen, daß es diesen Menschen gibt, der dies vermöchte. Wie wohl eine Zusammentreffen dieser beiden Menschen wäre? Aber dies sind nicht unsere Wege, dies sind Gottes Wege ..." sagte seine Frau.

Indess' schien das vergangene Leben der Greisin nicht zu fehlen und als ein Kindlein das Licht der Welt erblickte, schien sie alle Sorgen vergessen zu haben, denn sie durfte das Kleine hüten und wiegen.

Nur eines tat sie fortan.
Alle sechs Monate einmal hüllte sie sich in ihren langen grauen Mantel und ging nach Rom. Dort angelangt schritt sie geradewegs auf einen kleinen Tempel am Randes des Forum zu. Dieser Tempel enthielt lediglich einen überdimensionalen Altar unter freiem Himmel, welcher auf einem gepflasterten Hof errichtet war. Oben thronte die Glücksgöttin Fortuna und zu deren Füßen Tiberius als Statue. Rundherum gab es Gebäude für Priester, Ställe für die Opfertiere und Schuppen für das Holz.

Faustina, denn das war die Greisin, ging niemals weiter als bis zu diesem Tempel.
Hierher pilgerten all jene, die für das Glück Tiberius' flehten.
Waren sowohl die Göttin, als auch der Kaiser mit Blumen geschmückt und bekränzt, brannten Opferfeuer, scharten sich Betende um den Altar und klangen leise der Priester Hymnen, dann kehrte sie in die Berge zurück. Durch diesen Blick in den Tempel wußte sie um das Wohlergehen ihres Tiberius. Er lebte.

Jedoch - als sie zum dritten Male diese Reise tat, erwartete sie eine schmerzliche Überraschung.
Sie fand den kleinen Tempel öd und verlassen vor. Kein Mensch betete darin. Keine Flamme loderte vor der Statue. Alles, was von der vergangenen Herrlichkeit zeugte, waren vertrocknete Kränze, die traurig herunterhingen. Ohne Priester stand des Kaisers Statue beschädigt und mit Schmutz beworfen da.



Entsetzt wandte sich die alte Frau an den erstbesten, der vorüberkam: "Sag, was hat das zu bedeuten? Was ist mit Tiberius? Ist er tot? Haben wir einen neuen Kaiser?"
"Nein, nein - Tiberius ist noch Kaiser." gab der Römer zur Antwort, "Doch wir haben aufgehört für ihn zu beten und um Glück zu flehen, denn das hat ja doch keinen Sinn. Damit können wir ihm nicht helfen."
"Mein Freund, ich komme weither aus den Bergen. Dort erfahren wir nichts, was so in der Welt geschieht. Sag mir an, welches Unglück den Kaiser getroffen hat?" flehte die Alte.
"Ein gar schreckliches Unglück! Eine grausame Krankheit, die bei uns bisher unbekannt war, hat ihn befallen. Im Orient mag diese jedoch häufig vorkommen. Zehen und Finger verfaulen, das Gesicht ist entstellt und will er sprechen, dann klingt dies wie grunzen eines Tieres. Weil es dagegen kein Mittel zu geben scheint, glauben die Leute, er werde wohl bald sterben. Falls nicht, werden sie ihn absetzen, denn ein elendskranker, alter Mann kann kein großes Reich regieren. Du siehst wohl ein, daß es nichts nützt weiter die Götter um Glück anzuflehen." und mit einem kleinen Lächeln fügte er leise dazu: "Da von dem keiner mehr was zu befürchten oder zu erhoffen hat, braucht sich seinetwegen auch keiner mehr die Mühe machen zu den Göttern zu beten."
Damit ging er.

Zurück blieb die Greisin.
Sie stand da wie betäubt. Erstmals in ihrem langen Leben brach sie zusammen. Mit gebeugtem Rücken, schwankendem Kopf und kraftlosen Armen bot sie den Anblick eines Menschen, den das Alter gebrochen hat. Kaum vermochte sie die Füße zu bewegen. So sehr sie sich auch wünschte diesen Ort verlassen zu können, es gelang ihr nicht. Immer wieder strauchelte sie und so sehr sie auch suchte, nichts konnte ihr als Stütze dienen.
Nach einer Weile gelang es ihr mit größtem Willenseinsatz diese Mattigkeit zu überwinden. Sie zwang sich aufrecht durch die belebten Straßen zu gehen.



Es dauerte eine gute Woche bis sich Faustina soweit erholt hatte. An einem heißen Tag schleppte sie sich die steilen Hänge zur Villa des Tiberius hinauf.

Ein Gefühl der Mattigkeit überkam sie als sie gewahr wurde, wie sehr sich alles seit ihrer Abwesenheit verändert hatte.
Keine Scharen von Menschen, die die Stufen hinauf und hinab eilten.
Kein Senatoren-Gewimmel.
Keine Sänftenträger.
Keine Sendlinge aus den Provinzen von Sklaven geleitet.
Keine nach Ämtern suchende vornehme Männer.
Keine Gäste, die zu den Festen des Kaisers geladen waren.
Lediglich graugrüne Eidechsen begegneten der Greisin als einzig lebende Geschöpfe auf den Treppen und Pfaden!



Die alte Frau war bestürzt!
Alles schien zu verfallen. Dabei mochte die Krankheit des Herrschers doch höchstens einige Monate dauern.
Schon wucherte Gras zwischen den Marmorplatten.
Die edlen Gewächse waren vertrocknet.
Die Balustraden von wilden Zerstörern gebrochen.

Doch alles berührte sie nicht so sehr als das Fehlen der Menschen. Wo waren die Tänzerinnen und Musikanten? Wo die Köche, Tafeldecker, Palastwachen, Gartenarbeiter und wer so noch zum Haushalt gehörte?

Endlich erreichte Faustina die oberste Terrasse.
Hier saßen einige alte Sklaven und als sie sie erkannten, verneigten sie sich vor ihr: "Sei gegrüßt, Faustina! Gott sendet dich um unser Unheil zu lindern."
"Milo, was geht hier vor?" wollte Faustina wissen. "Warum schaut hier alles so aus? Tiberius soll doch immer noch hier wohnen."
"Der Kaiser hat alle fortgejagt. Er meint, einer habe ihm Gift in den Wein gemengt und das wäre die Ursache für seine Krankheit. Tito und ich haben uns aber geweigert zu gehen. Du weißt, wir haben unser ganzes Leben ihm und seiner Mutter treu gedient."

"Ich frage auch nach den Senatoren und Feldherren, nach den Vertrauten und Speichelleckern des Kaisers."
"Der Kaiser möchte nicht, daß ihn wer so sieht, außer dem Senator Lucius und dem Anführer der Leibwache Marco. Die kommen täglich um Befehle in Empfang zu nehmen. Ansonsten darf keiner in seine Nähe."

Indessen war Faustina mit Milo die Treppen hinaufgestiegen.
"Und was sagen die Ärzte?
"Keiner von ihnen weiß um diese Krankheit. Ob sie schnell oder langsam tötet ... Sicher ist nur, er muß sterben. Verweigert er weiterhin die Nahrung aus Angst vergiftet zu werden, verhungert er. Er schläft nicht mehr aus Sorge er werde ermordet. Ich weiß nur, daß dies kein kranker Mann auf Dauer aushalten kann. Doch Dir könnte es gelingen, daß er dir wie in früheren Tagen zu vertrauen, er endlich ißt, trinkt und schläft. Du könntest so sein Leben verlängern."

Der Sklave geleitete sie durch die Gänge, durch Höfe und endlich zu einer Terrasse, wo sich Tiberius aufzuhalten schien. Hier pflegte er die Aussicht über die Buchten und den Blick zum stolzen Vesuv zu genießen.

Was Faustina da allerdings erblickte, war ein Kreatur mit geschwollenem Gesicht und grausig tierischen Zügen. Hände und Füße dick in weiße Binden gewickelt, aus denen faulige Zehen und Finger ragten. Das Geschöpf in seinem dreckigen Gewand kroch mehr als es aufrecht gehen konnte und lag mit fast geschlossenen Augen am äußersten Rand der Balustrade. Das Wesen bewegte sich auch nicht, als der Sklave und Faustina herankamen.

"Milo, was bedeutet das? Wie gelangt so ein Mensch auf des Kaisers Terrasse? Schaffe ihn fo..."
Mitten im Wort bemerkte sie, wie sich Milo tief vor dem am Boden liegenden verneigte: "Cäsar (*) Tiberius! Endlich habe ich eine Frohbotschaft zu bringen ..."
Damit drehte er sich zu Faustina um und vermochte kein Wort mehr zu sagen.

Die ehedem stolze Matrone, die stets so stark aussah, der man ihr Alter für das einer Sibylle halten mochte, war nun in greisenhafter Kraftlosigkeit zusammengesunken. Er sah nun eine gebeugte alte Frau mit suchenden Händen vor sich.
Freilich, die Leute hatten erzählt wie schrecklich sich der Kaiser verändert habe.
Sie jedoch hatte nie aufgehört sich einen kräftigen Mann vorzustellen, so wie er gewesen war, als sie ihn verließ. Man hatte ihr auch berichtet, diese Krankheit schreite eigentlich langsam vor sich, doch in diesem Falle sie so reißend fortgeschrien und daher der Kaiser schon nach wenigen Monaten unkenntlich war.

Wankend trat Faustina zum Kaiser. Sie vermochte nicht zu sprechen. Sie weinte.
"Bist du nun endlich gekommen? Hier liege ich und bilde mir ein, du, Faustina, stehst neben mir und weinst. Verzeih, wenn ich nicht wage aufzublicken aus Angst, es könnte ein Trug sein ..."

Faustina setzte sich zu ihm, nahm seinen Kopf und legte ihn in ihren Schoß.
Tiberius blieb still und wagte immer noch nicht sie anzuschauen. Aber es umfing ihn ein wohliges Gefühl der Ruhe und endlich versank er in einen tiefen Schlaf.



Weitere Wochen waren ins Land gezogen als ein kaiserlicher Sklave zu der einsamen Hütte in den Sabiner Bergen hinan wanderte.

Die Sonne war eben im Sinken begriffen, als sich der Sklave zu den Winzerleuten vor der Hütte gesellte, diese grüßte, einen riesigen Beutel aus dem Mantel zog und ihn dem Winzer in die Arme legte mit den Worten: "Das ist ein Danke gesendet von unserer Faustina, welche ihr so barmherzig bei euch aufnahmt. Sie möchte, daß ihr davon einen eigenen Weinberg für euch erwerbt und nicht länger hier heroben mit den Adlern hausen müßt."

Erfreut rief der Mann aus: "Gottlob, unsere Faustina lebt doch noch! Was haben wir die Berge, Schluchten und Sümpfe abgesucht, weil wir fürchteten, sie hätte irgendwo elends den Tod gefunden ..."
"Siehst du," unterbrach ihn seine Frau, "was ich dir stets sagte. Aber du wolltest es nicht glauben, daß sie zu ihrem Kaiser zurück gegangen ist."
"Ja, ja!" bestätigte ihr Mann, "wie so oft hast du wieder einmal recht behalten. Ich freue mich, daß es ihr gut geht. Auch, weil sie nimmer mit uns in dieser Armut leben muß und besonders, da sie unserm Kaiser beistehen kann."

Der Sklave gedachte, seine Aufgabe erledigt zu haben und noch vor Einbruch der großen Finsternis eine belebtere Gegend zu erreichen.
Dies jedoch wollten ihm die beiden nicht erlauben: "Nein, nein, lieber Freund! Bitte bleibe bei uns. Schau, wir möchten sooo vieles über unsere Faustina erfahren. Warum kehrte sie zum Kaiser zurück? Wie war deren Begegnung nach so langer Zeit? Sind sie Glücklich sich erneut gefunden zu haben? ..."

Fragen über Fragen quollen nur so aus ihnen heraus.
Der Sklave erkannte die ehrliche Anteilnahme und so blieb er über Nacht. Beim Abendessen berichtete er alles über des Kaisers Krankheit und über Faustinas Rückkehr.

Starr und wie betäubt vom Gehörten saßen die Gastgeber da. Sie waren voller Erregung und derart überwältigt von allem. Dies versuchten sie jedoch dem Gast nicht zu verraten.

Endlich war der Mann so weit gefaßt, daß er die Hand seiner Frau nahm und sagte: " Das war wohl göttliche Fügung, Frau?"
Seine Frau pflichtete ihm bei: "Ja, das scheint wohl so zu sein. Der Herr hat uns beide wohl deshalb über das weite Meer hier herauf zu der Hütte gesandt. Es lag wie es scheint in seiner Absicht uns die alte Greisin vor die Türe zu führen ..."

Nun wandte sich der Winzer dem Sklaven zu: "Lieber Freund! Überbringe Faustina eine Botschaft von uns - aber bitte merke dir jedes Wort und gib sie genauso wieder!

>>Dein Freund, der Winzer aus den Sabiner Bergen; entbietet Dir seinen Gruß.
Du hast die junge Frau gesehen, die mein Weib ist.
Erschien sie Dir nicht lieblich in ihrer Schönheit und blühend in Gesundheit?
Und dennoch litt dieses junge Weib einst an derselben Krankheit,
die jetzt Kaiser Tiberius ergriffen hat.<<

Weigert sich Faustina die zu glauben, sag, daß mein Weib und ich aus Palästina stammen, wo diese Krankheit vielfach verbreitet ist. Dort werden laut einem Gesetz die Aussätzigen aus Städten und Dörfer gejagt. Sie müssen in Gräben, Felshöhlen und sonst öden, verwilderte Gegenden hausen. In solch einer Gegend wurde meine Frau gesund geboren. Doch als junge Frau wurde auch sie von dieser Krankheit befallen ..."

Der Sklave schüttelte zunächst verwundert seinen Kopf um dann freundlich zu entgegnen: "Aber sag an, wie sollte das Faustina glauben, da sie deine Frau so gesund und wunderschön erlebt hat? Ferner ist bekannt, daß es gegen diese heimtückische Krankheit keine Heilung gibt."

"Wenn sie nicht glauben kann, dann soll sie Kundschafter nach Nazareth in Galiläa entsenden. Dort wird jedermann meine Aussage bestätigen!"

Mit großen Augen lauschte der Sklave: "Ist dein Weib etwa durch eine Wunderheilung eines Gottes gesund geworden?"
Der Winzer erwiderte: "So war es! Eines Tages drang ein Gerücht zu uns in diese grausame Wildnis, das folgendes besagte:
>>In der Stadt Nazareth lebt ein großer Prophet, ausgestattet mit der Kraft Gottes.
Dieser vermag diese Krankheit zu heilen - allein mit dem Auflegen seiner Hände auf die Stirn.<<

Viele der Erkrankten wollten das nicht glauben und versteiften sich, daß dies alles bloß ein Gerücht sei, denn niemand könne sie aus dem Unglück erretten. Doch eine junge Magd glaubt fest daran. Sie verließ die Öde und begab sich nach der Stadt des Propheten.
Wie sie so dahin schritt über die weite Ebene, begegnete ihr ein Mann - groß, mit dunklen Locken, bleichem Antlitz und Augen wie Sterne.

Schon von weitem rief sie ihm warnend zu: 'Vorsicht, ich bin eine der Unreinen. Doch hätte ich eine Frage - kannst du mir verraten, wo ich den Propheten aus Nazareth treffen kann?'

Der Mann allerdings näherte sich unbeirrt und fragte schließlich, weshalb sie den Propheten suche.
'Ich glaube daran, daß er mich von meiner Krankheit erlösen kann allein durch seine Hände auf meiner Stirn.'

Da legte der Mann seine Hände auf die Stirn der jungen Magd und sagte: 'Nun geh hin in die Stadt und zeige dich den Priestern.'

Die kranke Magd vermeinte, er würde über sie spotten, da sie so fest an eine Heilung glaube.
'Schade,' dachte sie, 'durch ihn habe ich nichts erfahren ...'

Wie sie so weiterging, sah sie in der Ferne einen Mann auf der Jagd.
Als sie sich in dessen Hörweite wähnte, warnte sie auch ihn vor ihr und fragte sogleich nach dem Propheten in Nazareth.
Auch der wollte wissen, was sie denn von dem wolle und wiederum erwähnte sie ihren Wunsch, auf daß dieser Prophet seine Hand auf sie legen möge damit sie gesunde.

Der Mann war näher geritten und fragte erstaunt: 'Sag, von welcher Krankheit wünscht du denn geheilt zu werden?'
Die junge Frau sagte: 'Ja erkennst du denn nicht, daß ich eine Unreine bin, eine in der Felsenhöhle geborene?'

Nun war der Reiter ganz nahe.
Er sah nur ein schönes Mädchen, rosig wie eine Blume. 'Verzeih, aber du bist das schönste Mädchen von Judäa ...'
Gekränkt fauchte die junge Magd: 'Spotte nicht! ich weiß selber wie ich aussehe; das Gesicht zerfressen und eine Stimme klingt wie das Geheule wilder Tiere ...'
Nein, holde Maid,' und dabei blickte er tief in die Augen der Jungfrau, 'dein Gesicht ist zart wie ein feines Seidentüchlein und deine Stimme klingt wie der Frühling.'
Er war ihr so nahe, daß sich ihr Gesicht in den Beschlägen des Sattels spiegelt.
Es war also wahr!
Ihr Antlitz glich einem zarten Schmetterlingsflügel so fein und zart!

Verwunderung machte sich auf dem Gesicht des Mädchens breit und mit großen Augen fragte sie ungläubig: 'Das kann nicht MEIN Gesicht sein ...! Und meine Stimme? Sie klingt doch wie röchelndes Wagenrasseln?'
Der Reiter antwortete geduldig: 'Aber nein! Wie ein leises Zitherspiel so sanft klingt deine Stimme.'

Es dauerte einige Momente - dann drehte sie sich um und sah gerade noch jenen Fremdem hinter zwei Palmen verschwinden, dem sie zuerst begegnet war. Sie wies in dessen Richtung und fragte den Reiter, ob er diesen Fremdling wohl kannte.
'Nun, dies war doch der Prophet nach dem du eben fragtest.'

Voll Verwunderung und Dankbarkeit, mit Tränen in den Augen, schlug sie die Hände vors Gesicht und rief: 'Oh du Heiliger! Du, der du die Macht Gottes besitzt, DANKE für die Heilung!'

Nun hob der Reiter sie zu sich aufs Pferd und ritt mit ihr den Abhang hinunter in die Stadt um sie den Ältesten und den Priestern zu zeigen. Denen berichtete haargenau, wie er auf sie getroffen war und von ihrem Gespräch. Alle wollten sie genauestens darüber Auskunft - und sie erfuhren von ihrer Geburt in den Felsenhöhlen, ihrer eigenen Erkrankung, von dem Gerücht, daß es Heilung gäbe und was ihr geschehen war.

'Dann gehe zurück zu den Deinen, wenn du dein Leben lang diese unheilbare Krankheit hattest, dann kannst du nicht hier bleiben. Du könntest sonst auch andere damit anstecken ...'
Sie aber hielt daran fest: 'Ich weiß bestimmt, daß ich genesen bin, denn der Prophet hat seine Hand auf meine Stirn gelegt!'

Da riefen alle Priester und die Ältesten: 'Wer vermag Unreine zu Reinen zu machen, der könne nur im Besitz böser Geister sein. Geh endlich zurück in die Wildnis, ehe du hier allen Unglück und Verderben bringst!'

Da sie nicht bereit waren den Worten Glauben zu schenken, waren sie auch nicht beriet, sie für genesen zu erklären, sondern jagten sie aus Nazareth. Ferner verkündeten sie, >>jeden, der ihr Obdach oder Nahrung geben würde für ebenso unrein zu erklären.<<

Nach diesem Urteil hob sie der Reitersmann wieder auf sein Pferd. 'Ich lasse dich nicht wieder zu den Kranken zurück. Wir beide ziehen weit übers Meer wo es keine Gesetze für Reine oder Unreine gibt ...' Und ..."

Nun unterbrach der Sklave: "Ich denke, du brauchst nicht weiter sprechen. Bitte geleite mich hinunter, dann ich bin des Weges unkundig und möchte raschest meinen Heimweg antreten. Jeder Augenblick zählt für unseren Kaiser und Faustine, den sie deine Botschaft eher erreicht!"

So brachte der Winzer den Sklaven sicher ins Tal und erklomm gleich wieder die Anhöhe zur Hütte. Dort erwartete ihn seine Frau noch immer wach.
"Du bist noch wach?"
"Ja, ich denke nur noch daran, wie es wohl wird, wenn der, der alle Menschen liebt auf jenen trifft, der alle haßt ... Es ist mir grade so, als würde diese Begegnung allen Wegen und Bahnen der Welt einen anderen Verlauf geben ...!"



Sobald Faustina die Geschichte erfuhr, machte sie sich sogleich selbst auf den Weg nach Jerusalem in Palästina. Niemals hätte sie es einem anderen erlaubt nach besagtem Propheten zu suchen um ihn zum Kaiser zu bringen.

Sie war der Meinung: "Wer von dem fremden Mann etwas derart großes wünscht, erreicht es nicht mit Gewalt, nicht mit Forderungen oder Geschenken. Aber vielleicht, wenn man selber zu seinen Füßen niedersinkt, ihm von des Kaiser Leid berichtet und um seine Gnade fleht...Wer, außer ihr, könne ihm so recht für den Kaiser bitten, wenn nicht sie, die sie doch unter dessen Krankheit ebenso leidet wie er?"

Allein die Hoffnung, auf Besserung ihres Kaisers verlieh der Greisin enorme Kraft ... ja fast Jugend.
Die lange Seereise bereitete ihr keinerlei Beschwerden und dann ... sie reiste nicht mit einer Sänfte, sondern ritt auf einem Pferd - gleich den Römern, Kriegsknechten und deren Gefolge.

Das Herz Faustinas, der Greisin, war erfüllt mit Hoffnung und Freude.
Die lange Reise von Jaffa nach Jerusalem war in der Frühlingszeit.
Die Saron-Ebene (3) glich einem strahlendem Blumenteppich! Selbst in den Bergen Judäas fehlte es nicht an Blumen. Entlang des gesamten Weges prangten blühende Pfirsich- und Marillenbäume (4) . Zwischen den alten Rebstöcken lugten junge Weinreben hervor.
Es schien beinahe, als könnte man ihnen beim Wachsen zusehen.



Doch es waren nicht nur die Blumen und Blüten, sondern diese Menschenmassen, die von Wegen und Stegen, von allen Seiten, selbst von den entlegensten Höhen und fernsten Winkeln des Landes auf Jerusalem strömten. Auf der Landstraße vereinigten sich die Scharen und schritten Jubeln dem Ziel entgegen. Gar mancher kam mit Seiner Frau, den Kindern und Schwiegerkindern, Enkeln ... daher, gleich einem kleinem Heer. War wer zu schwach und hatte nichts zu reiten, wurde er auf Armen getragen.
Etwas lag in der Luft, was selbst den Traurigsten mit Freude erfüllt hätte. Wenngleich der Himmel nicht klar, sondern leicht milchig bedeckt schien, so klagte keiner, denn dadurch war die gleißende Sonne gemildert.
Trotz der Windstille strömte der Duft der Blumen und Blüten über alle Wege und Felder.
Alle sangen fröhlich und doch wieder feierliche Lieder oder alte Hymnen, manche entlockten seltsamen, alten Instrumenten zarte Töne.

Inmitten all dessen wurde auch Faustina von all der Freude ergriffen.
In hurtiger Gangart trieb sie ihr Reittier an und sprach zu dem sie begleitenden Römer: "Ich träumte just in dieser Nacht von unserem Kaiser. Er bat mich nur ja nicht diese Reise zu verschieben oder sonst was zu versäumen. Fast schien es, als wollten unsere Götter mich gemahnen eiligst an diesem Morgen nach Jerusalem zu eilen."

Just in diesem Augenblick erreichten sie die Anhöhe des langen Bergrückens. Der Talkessel unter ihnen war umkränzt von Bergen und einer der gewaltigen Felsen trug Jerusalem.



Die Stadt glich gleichsam einer Krone, die samt ihren Türmen, Zinnen und Mauern tausendfach vergrößert schien.
Die Hänge hinauf waren gefüllt mit bunten Zelten und Menschen.

Es schien Faustina, als hätte sich die gesamte Bevölkerung Judäas hier zu einem hohen Feiertag (5) versammelt.
Eine Flut von weißen Gewändern, die Luft erfüllt von fröhlich-besinnlichen Gesängen und Festtagsfreude.

Ob all des Eindrucks sprach Faustina zu Sulpicius, den sie begleitenden Römer: "Scheint dir nicht auch, als würde das gesamte Volk nach Jerusalem ziehen wollen?"
"Wahrlich, du sagst es." sagte der von Tiberius auserwählte Begleiter. Er selber schien Tiberius als der einzig richtige, da er einige Zeit hier in Judäa verbrachte hatte. " Stimmt! Zum Frühlingsfest (5) ziehen von überall her die Menschen, egal ob jung oder alt, krank oder gesund, nach Jerusalem."

"Dann freue ich mich noch mehr just in diesen Tagen hierher zu kommen. Mir deucht, es als gutes Zeichen. Meinst du nicht auch, daß jetzt auch der Prophet aus Nazareth an dem Fest teilnehmen wird?"
"Vielleicht ist er schon hier," antwortete ihr der Römer, "vielleicht ist es wirklich eine göttliche Fügung. Auch scheint es, du darfst dich glücklich preisen, nach so langer, beschwerlicher Reise in deinem Alter noch immer kräftig, gesund und so glücklich zu sein."

Dann ritt er auf eine Gruppe zu und fragte, ob sie glaubten, daß auch der große Prophet anwesend sein würde.
Einer der Wanderer berichtete: "Bisher nahm er alle Jahre am Fest teil. So wird er auch in diesem Jahr kommen."
Eine Frau hörte das Gespräch mit und wies mit ihrem Arm auf einen Berg östlich von Jerusalem. "Dort, auf diesem mit Olivenbäumen bewachsenen Hang, wo die Galiläer ihre Zelte aufstellen, dort wirst du ihn gewiß treffen."

Mit den anderen zogen sie hinunter ins Tal und von dort auf den Berg Zion. Der Weg hinauf war mit Mauern eingefaßt, auf denen unzählige Krüppel, Lahme, Ausgestoßene und Bettler um milde Gaben flehten.

Eine junge jüdische Frau wies Faustina auf einen Mann unter ihnen hin: "Diesen Galiläer meine ich unter den Jüngern des Propheten gesehen zu haben. Den frage nach dem, den du suchst."

Faustina und Sulpicius ritten auf den armen Mann zu.
Der war alt, mit grauem Bart und sein Gesicht war von der Sonnenglut gebräunt. Seine Arbeitshände wiesen Schwielen auf. Er war der einzige, der keinen der Vorübergehenden um Almosen anbettelte, weil er in kummervolle Gedanken versunken schien.

Sulpicius mußte ihn zweimal ansprechen: "Man sagt, du seist Galiläer und kennst den Propheten aus Nazareth?"
Heftig schrak der Angesprochene (6) zusammen und in seiner Stimme schwangen Zorn und Entsetzen: "Was sagst du da? Ich kenne den nicht und weiß von nichts, da ich Galiläer bin!"

Eine junge Jüdin mischte sich ein: "Red' doch nicht! Ich habe dich selber mit ihm gesehen! Sag schon den Freunden des Kaisers, wo sie ihn finden."

Der Jünger schien noch entsetzter und nun schrie er sogar: "Es scheinen wohl alle verrückt zu sein. Welch böser Geist läßt euch alle immer nach diesem Mann fragen? Wenn ich doch sage, ich bin nicht aus dieser Gegend und weiß nichts von dem!"

Mit dieser Ungestümheit lenkte er erst recht die Aufmerksamkeit auf sich. Nun erkannten ihn auch andere: "Ei freilich gehörtest du zu seinen Jüngern. Wir alle wissen, du bist mit ihm aus Galiläa gekommen."

Verzweifelt rief er gegen den Himmel: "Wegen jenes Mannes hielt ich es schon in Jerusalem nicht mehr aus und nun läßt man mich nicht einmal hier inmitten der Bettler in Ruhe! Warum will mir bloß keiner glauben, daß ich den nicht kenne?"

"Laß uns weitergehen," sagte Faustina, "dieser Mann scheint wahnsinnig zu sein. Unsinnig von ihm eine Antwort auf unsere Frage zu erhoffen."

Weiter ging es den steilen Berg hinauf.

Vor dem Stadttor rief eine Israelitin, die, die ihr zuvor hatte helfen wollen, sie möge vorsichtig sein. Dabei zog sie die Zügel an und sah, daß die Hufe des Pferdes dicht neben einem Mann im Staube liegend aufsetzten. So, wie er dalag, hingestreckt im Staub, war es ein Wunder, daß er in dem dichten Gedränge weder von Tieren noch von den vielen Menschen niedergetreten wurde.

Obwohl auch Kamele ihre schweren Beine dicht neben ihm aufsetzten, lag er regungslos auf seinem Rücken und schien mit glanzlosen Augen gegen den Himmel zu starren. Fast so, als suchte er sich zu verbergen und damit er leichter zertrampelt werde.

"Was bedeutet das denn? Weshalb liegt dieser Mann auf der Straße?" wollte Faustina wissen.
"Ihr Brüder und Schwestern! Seid barmherzig und führt eure Pferde und Lasttiere über mich. Zerstampft mich! Ich habe unschuldiges Blut verraten!" rief der auf der Straße liegende den Menschen zu.

"Faustina, bitte laß dich nicht von diesem Mann von deinem Vorhaben abhalten. Dies ist ein Sünder, der büßen möchte. Bedenke, dies ist ein absonderliches Volk!"

Doch der Mann flehte weiter die Hufe der Pferde und Kamele möchten ihn zermalmen.

Da sagte die Israelitin, als sie ihn näher betrachtete: "Auch der gehörte den Jüngern des Propheten an." und zu Faustina gewandt: "Soll ich ihn nach seinem Meister fragen?"
Dabei beugte sie sich über den Mann (7) : "Sag, Galiläer, was ist denn mit eurem Meister los? Überall trifft man euch verstreut an, nur von ihm ist nichts zu erkennen."

Urplötzlich kniete er auf und in seiner Stimme bebte helle Verzweiflung: "Welch böser Geist ist in alle gefahren? Warum fragen mich alle nach IHM? Genügt es denn nicht, daß ich mich in den Straßenstaub geworfen habe und um den Tod bitte? Müßt ihr mich auch noch ständig fragen, was ich IHM angetan habe?"

"Was fährst du mich so an? Ich habe dich doch nur nach dem Meister gefragt, wo er zu finden ist."

Plötzlich sprang der eben noch im Staub liegende auf, hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu und schrie entsetzlich aufheulend laut:" Laß mich doch in Frieden sterben!"

Er stürzte von dannen.
Dabei umflatterten ihn die Fetzen seines Gewandes gleich dunklen Flügeln.
"Fast möchte man meinen, dies ist nicht nur ein seltsames, sondern ein wahnwitziges Volk." betrübt blickte Faustina hinter dem Davonrennenden her. "Ob ein Mann, der solch Wahnsinnige unter seiner Jüngerschar hatte, wirklich ihrem Kaiser helfen kann?"

Als könnte die Israelitin die trüben Gedanken lesen, sprach sie ernst: "Gebieterin, suche DEN auf, den du zu finden hoffst!" um dann kummervoll hinzuzufügen, "Ich fürchte nur, ein Unglück sucht ihn heim, weil seine Jünger gar so von allen Sinnen sind. Auch mir wäre es unerträglich IHN nicht sprechen zu können!"

Faustina ritt mit ihrem Begleiter durch die Torgewölbe Jerusalems.

Es schien beinahe unmöglich durch all die engen Gassen und Häuserschluchten durch das Menschengewimmel zu kommen. Sklaven und Kriegsknechte versuchten zwar immer wieder den Weg frei zu machen, doch die Menschen drängten unaufhörlich weiter vorbei.

"Wahrhaft, dagegen sind Roms Straßen stille Gassen ..." Sulpicius erkannte die auf sie wartenden Schwierigkeiten. "Fast scheint es, als käme man gehend eher weiter als zu Pferde. Herrin, laß uns zu Fuß zum Palast des Landpflegers gehen, denn wollten wir weiterhin reiten, ist es Mitternacht, ehe wir dort eintreffen."

Faustina dachte wohl das selbe und übergab ihr Pferd einem Sklaven. Tatsächlich gelang es ihnen nun besser weiterzukommen und bald befanden sie sich in einer halbwegs breiten Straße.

Leicht erleichtert sagte der Römer: "Schau, Faustina, jetzt haben wir es fast geschafft, denn diese Straße führt direkt zu unserer Herberge, dem Palast."

Sie befanden sich auf der Straße, welche vom Palast bis zur Pforte der Gerechtigkeit und von da nach Golgotha führt.
Dorthin geleitete das Volk einen Gefangenen, welcher dort ans Kreuz geschlagen wird. Die Menschen stürmten schier wild und voller Begeisterung durch die Straße. Mittels unmißverständlichem Freudengeschrei gaben sie kund, wie sehr sie sich freuten, das zu sehen, was sich ihnen nicht alle Tage darbot.

Höchst vornehme Personen und kostbaren Seidengewändern folgten den Scharen.
Dahinter folgten Frauen, welche bitterlich und verzweifelt weinten.
Danach folgten Bettler, Lahme und Krüppel aller Art, die ohrenzerreißend riefen: "O Gott und Herr! Schicke bitte deine Engel herab. Sende ihm Helfer in seiner Not!"



Römischer Söldner zu Pferde achteten streng darüber, daß nur ja keiner sich auf den Gefangenen stürzt und ihm womöglich hilft.
Henkersknechte geleiteten den Mann, den sie kreuzigen sollten.
Das schwere Holzkreuz dazu mußte er selber tragen, obgleich es zu schwer für ihn war. Es beugte den geschundenen Körper noch mehr gegen den Boden. Der Kopf war derart tief gesenkt, daß niemand sein Gesicht sehen konnte.



Als er an Faustina vorüberkam, bemerkte sie den Purpurmantel und die Dornenkrone.
Mitfühlend fragte Faustina: "Wer ist dieser Mann? Was hat er getan?"
Einer der neben ihr stehenden sagte: "Der da ist einer, der sich zum König machen wollte."
Wehmütig gab sie zu bedenken: "Wenn dem so ist, so erleidet er den Tod für etwas, was nicht erstrebenswert ist."

Die Schritte des Verurteilten wurden langsamer. Er schwankte. Die Henker hatten ein Seil um den Leib geknotet und begannen sogleich daran zu ziehen, um ihn anzutreiben. Doch sie zogen zu fest und der arme Mann kam unter dem Kreuz zu liegen.



Nur mit äußerster Mühe vermochten die römischen Reiter das Volk zurückzuhalten.
Mit Schwertern gingen sie gegen Frauen vor, die dem Mann beizustehen versuchten.
Gewaltiger Lärm entstand. Die Henker schlugen ihn und stießen mit Stangen in seine Seiten damit er aufstehen sollte. Doch das Gewicht des Kreuzes war zu groß. Schließlich packten doch ein paar Männer an und hoben es etwas an.

Da hob der Verurteilte sein Haupt empor und sah direkt in Faustinas Gesicht. Seine Wangen waren von Striemen und den Dornen gezeichnet. Blut und Schweiß perlten herab und in die Augen. Die Haare hingen in wilden Strähnen blutig herab. Während sich seine Lippen fest zusammenzupressen um einen Schrei zu vermeiden, waren seine Augen voller Qual, Erschöpfung und mit Tränen gefüllt.

Doch Faustina gewahrte unter all dem, fast in einer Vision, ein schönes Antlitz mit sanftmütigen Zügen und mit herrlich majestätischen Augen. Ihr Herz bebte vor Trauer und Mitgefühl für diesen fremden Mann in seinem Unglück.

Sie trat auf ihn zu, Tränen traten in ihre Augen.
Ob seiner Not vergaß sie ihre eigenen Sorgen und sie rief: "Oh, was hat man die angetan, du armer Mensch?!"
Gleich anderen Frauen wollte sie zu ihm hin.

Als der Hingesunkene ( 8 ) dies bemerkte, versuchte er näher an sie heranzukriechen. Es schien, als hätte er auf sie gewartet. Er umklammerte ihre Knie und schmiegte sich an, als suche er wie ein Kind Schutz bei seiner Mutter vor seinen Peinigern.



Die Greisin beugte sich über ihn. Trotz ihrer Tränen empfand sie selige Freude, daß er schutzsuchend zu ihr gekommen war.
Mit einem Arm umfaßte sie seinen Nacken. Wie eine Mutter ihrem Kind die Tränen trocknet, so legte sie ihr Schweißtuch (10) aus kühler Muschelseide (11) auf sein Gesicht. Sie wollte Blut und Tränen fortwischen.

Da hatten die Henker das Kreuz so weit angehoben, daß sie den Totgeweihten von ihr wegrissen und ihm das Kreuz erneut aufluden.
Ein leises Stöhnen entrang sich seiner Brust ob der Last, doch er leistete keinen Widerstand.

Faustina versuchte ihn zu umklammern, doch ihre schwachen, alten Hände konnten gegen diese groben Knechte nichts ausrichten.
Als wäre es ihr eigenes Kind rief sie: "Nein, nicht! Nehmt ihn mir nicht fort. ER darf NICHT sterben!"

Furchtbarer Schmerz und sogar Zorn erfüllten sie, als man ihn fortführte. Sie, die alte, gebrechliche Frau versuchte mit den Henkern um den armen Mann zu kämpfen.
Doch die Aufregung war wohl zu viel.
Schon beim ersten Schritt erfaßte sie ein Schwindel und sie sank ohnmächtig zusammen. Sulpicius konnte sie grade noch vor einem Sturz bewahren und er trug die Greisin in einen kleinen Laden auf der anderen Straßenseite.

Der Ladenbesitzer breitete einen Teppich aus und richtete ein Lager für die alte Frau auf dem Steinboden. Das Schwindelgefühl war derart heftig, daß sie sich nicht aufzurichten vermochte.

"Unsere Gebieterin hat heute schon einen langen Ritt hinter sich. Dazu der Lärm und das Gedränge! Sie ist schon sehr alt. In ihrem Alter ist keiner stark sein Alter zu bezwingen ..." sagte der Begleiter zum Kaufmann.

"Ach, das ist auch ein sehr schwerer Tag für einen, der nicht so alt ist. Die Luft ist so, daß es schwer fällt zu atmen." sagte der Kaufmann und mit einem Blick hinaus, "Würde mich nicht wundern, bräche heute noch ein Unwetter über uns herein!"
Sulpicius bemerkte, Faustinas ruhige Atemzüge. Sie war eingeschlummert.
Während er auf ihr Erwachen wartete, trat er in die Tür und schaute der Menge nach.



Die Frau des römischen Landpflegers träumte in der Nacht vor Faustinas Ankunft folgende Träume.

Sie sah sich auf dem Dach stehen und drunten, auf dem Hofplatz bemerkte sie alle Lahmen, Krüppel, Blinde und Kranke der Welt. Sieche, die hilflos am Boden lagen und sich in Schmerzen wanden. Aussätzige mit zerfressenen Gesichtern und faulenden Gliedmaßen pochten an die Palasttore.

Sie alle riefen nach dem großen Propheten, den Gott gesandt habe, um ihnen zu helfen...
Sie verlangten nach dem, der die Macht hat sie von allem Leiden und aller Qual zu erlösen...
Ebenso vernahm sie im Traum, wie einer der Sklaven hochnäsig die Leute mit den Worten abwies: "Ihr braucht nicht weiter nach ihm zu suchen. Pilatus hat ihn getötet!!"

Jammern, Wehklagen und Geschrei erhob sich unter diesen armen Menschen. Vor Mitleid vermeinte sie ihr Herz würde zerspringen und sie begann bitterlich zu weinen.
Davon erwachte sie.

Alsbald sank wie erneut in tiefen Schlaf.
Erneut träumte sie, sie stünde auf dem Dach und blicke in den Hof hinunter.

Diesmal war der Hof voller Menschen, doch sie waren toll, von bösen Geistern ergriffen, wahnsinnig. Die Nackten flochten aus Stroh Kränze und Mäntel. Andere krochen auf der Erde, weil sie sich für Tiere hielten. Wieder andere wähnten sich Könige zu sein, die schwere Steine für Gold hielten. Und vieles Schreckliche mehr.

Auch diesmal wurde an das Tor gepocht.
Und wieder verlangten sie nach dem Propheten aus Nazareth, der von Gott gesandt worden war, um ihnen ihre Seele und ihren Verstand wiederzugeben.
Wie im ersten Traum, so wies der Sklave die Menschen mit den Worten zurück: "Ihr braucht nicht weiter nach ihm zu suchen. Pilatus hat ihn getötet!!"

Es folgten Wahnsinnsschreie gleich dem Geheule wilder Tiere. In ihrer Verzweiflung zerfleischten sich die Menschen selbst. Blut quoll nur so über den Boden.
Tiefes Wehklagen entrang sich der Brust der Träumenden, die vom eigenen Klagen erwachte.

Ein drittes Mal schlummerte sie ein und fand sich alsbald wie in vorangegangenen Träumen auf dem Dach.
Jetzt duften Rosen und Mandelbäume verstreuten ihre Blüten, während ihre Sklavinnen ihr auf Zymbeln vorspielten.

Eine Stimme gebot ihr in den Hof zu schauen, doch sie wollte nicht.
So sehr sie sich wehrte, es gelang ihr nicht sitzen zu bleiben und nicht in den Hof zu schauen.

An ihre Ohren drangen Kettenrasseln, Hammerschläge, usw.
Es war als vereinten sich hier alle Gefangenen der Welt. Alle in schweren Eisenketten schmachtende, Ruderknechte von Gallähren, Geknechtete aus den Bergwerken mit ihren schweren Hämmern - bis hin zu all jenen, die zum Tode am Kreuz verurteilt worden waren und selbst ihr Kreuz schleppen mußten. Oder die man blendete, ihnen die Augen ausstach, die Gegeißelten, ebenso wie Sklaven, welche aus fernen Ländern verschleppt worden waren ...

Sie alle schrien und riefen verzweifelt und sehr fordernd: "Öffnet! Öffnet endlich!"
Und wie in den beiden Träumen zuvor antworteten sie auch diesmal dem fragenden Sklaven: "Wir suchen den großen Propheten, den von Gott auf die Erde gesandten, der auf die Erde gekommen ist um uns zu erlösen und uns endlich die Freiheit und das Glück zu schenken!"
Wie vorhin war auch diesmal die müde, gleichmütige Antwort des Sklaven: "Ihr braucht nicht weiter nach ihm zu suchen. Pilatus hat ihn getötet!!"

Obschon sie träumte, baute sich nun so viel Wut und Zorn auf unter diesen Unglücklichen, daß man schier meinte zu fühlen, wie Himmel und Erde erbebten.
Sie aber erfaßte ein krampfartiges Zitter und das Entsetzen schnitt ihr förmlich in den Leib, sodaß sie erwachte.
"Ich will nicht mehr träumen! ich bleibe jetzt sitzen und wache bis der Morgen anbricht, denn ich halte kein weiteres Mals solch furchtbaren Traum aus!"
Dabei setzte sie sich im Bett auf.

Trotzdem übermannte sie der Schlaf und sie sank in ihre Pölster retour.

Nun saß sie mit ihrem kleinen Sohn auf dem Dach ihres Hauses. Der lief hin und her und spielte mit dem Ball.
Abermals vernahm sie die Stimme, welche ihr befahl zur Balustrade zu gehen und in den Hof zu blicken.
"Nein! Niemals! Noch mehr Elend und Grauen ertrage ich nicht!"
Doch da flog der Ball des Kindes weit drüberaus. Der Kleine kletterte bereits auf die Balustrade um ihn zu holen. Was erschrak sie da, als sie ihr Kind in Gefahr sah! Eilig faßte sie nach dem Buben und konnte nicht verhindern unwillkürlich hinunter zu sehen.

Was sie nun sah, waren alle Menschen der Erde, die in Kriegen verwundet, verstümmelt oder getötet worden waren.
Der gesamte Hot war mit Blut überflutet!
Diese armen Menschen standen dicht gedrängt zusammen mit ihren Lieben, den Angehörigen, Kindern ohne Väter, Frauen ohne Beschützer und Greisinnen riefen nach ihren Söhnen und Enkeln!

Auf das Pochen der Verwundeten und das Fragen des Torhüters nach ihrem Begehr, antworteten sie: "Wir suchen den großen Propheten aus Nazareth, Gott sendete ihn um Kriege und Feindschaften zu vernichten und endlich Frieden auf die Welt zu bringen. Er allein weiß, wie Schwerter zu Sensen und Speere zu Winzermesser umgeschmiedet werden können!"

Dem Sklaven erreichte es nun: "Kommt doch nicht immer wieder her um mich zu plagen! Ich sagte doch schon dreimal - ihr braucht nicht nach ihm zu suchen. Pilatus hat ihn getötet!!"
Mit lautem Krach fiel das Tor ins Schloß.

"Ich kann all diese Not nicht mehr ansehen, diesen Jammer nicht mehr anhören ...!"
Die Träumerin stürzte mit dem Kind von der Balustrade weg.
Nur ... als sie die Augen öffnete, stand die mit nackten Füßen auf dem kalten Marmorboden neben dem Bett.

Im nun folgenden Traum begleitete sie ihr Gatte aufs Dach.
Der lachte nur über sie und ihre Träume und machte sich lustig.
Die Stimme befahl auch jetzt: "Geh und schau dir alle Menschen an, die in deinem Hof warten."
"Ich will nicht schauen! Ich will nicht schauen!"

Da vernahm sie drei harte Schläge gegen das Tor. Jetzt schaute ihr Mann in den Hof hinab.
Er winkte ihr, sie solle näher kommen. Dann fragte er sie: "Kennst du diesen Mann?"

Ängstlich, ob der vorhergegangenen Erlebnisse, blickte sie in den Hof. Freilich, im Hof wimmelte es - doch es nur waren Pferde mit Reitern, Maultiere, Esel und Kamele, die mit schweren Lasten beladen darauf warteten, von en Sklaven endlich abgeladen zu werden.

Im großen Palasttor jedoch stand diesmal ein sehr hochgewachsener, vornehmer Reisender - alt, schwermütig und finster dreinschauend.

Sie erkannte ihn sofort und sie flüsterte ihrem Manne zu: "Erkennst du denn nicht Cäsar (12) Tiberius? Er ist nach Jerusalem gekommen." und weil Pilatus nicht gleich begriff, "schau doch, kein anderer als er kann das sein!"

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Nun endlich schnallte er, wer da untern stand: "Freilich, jetzt erkenne ich ihn auch."
Dabei preßte er die Finger gegen die Lippen, denn er wollte hören, was da unten geredet werde.

Unfreundlich trat der Türsteher auf den Mann zu: "Was willst du? Wen suchst du?"
Da antwortete der Fremde: "Ich suche den großen Propheten von Nazareth, dem Gott Wunderkräfte verliehen hat. Der Kaiser Tiberius ruft ihn, auf daß er ihn von einer schrecklichen Krankheit befreien möge, die kein anderer Arzt zu heilen vermag."

Als er gesprochen hatte, neigte sich der Sklave in tiefer Demut und sprach demütig: "Herr, zürne nicht, aber Dein Wunsch ist unerfüllbar."

Mit einem Handzeichen erteilte der Kaiser seinen Sklaven den Befehl die kostbaren Geschenke, reichen Geschmeide, Schalen gefüllt mit schimmernden Perlen und Säcke voller Gold zu enthüllen.
"Dies soll alles dessen sein," sagte er zum Pförtner, "der Tiberius helfen kann. Sieh, damit könnten alle Armen der Welt reich werden!"

Noch tiefer als zuvor verneigte sich der Türsteher: "Bitte, Herr, zürne mir , deinem Knecht, nicht. Jedoch es ist vergebens - dein Verlangen ist unerfüllbar!"

Noch ein kaiserliches Handzeichen - jetzt brachten etliche Sklaven reichgestickte Gewänder mit juwelenbesetzten Brustschilden herbei.
Der Kaiser Tiberius sprach: "Schau her! Ich biete die Herrschaft über Judäa! Er soll das Volk auch als höchster Richter regieren! Nur soll er mir endlich sagen, wo der große Prophet ist, der Tiberius heilen kann."

"Ach, Herr!" war die verzweifelte Antwort des Sklaven und seine Verneigung reichte beinahe bis zur Erde: "Es steht nicht in meiner Macht. Ich kann dir nicht helfen!"

Ein neuerlicher Wink und es wurden ein goldener Stirnreif und ein kostbarer Purpurmantel gebracht.

"Sieh her! Es ist des Kaisers Wille!" sprach Tiberius, "Er gelobt, ihn zu seinem Erben einzusetzen und ihm die Herrschaft über die ganze Welt zu verleihen. Er soll die Macht haben, die ganze Erde nach dem Willen seines Gottes zu lenken. Möge er nur zuvor seine Hand ausstrecken, um Tiberius zu heilen."

Da sank der Sklave zu des Kaisers Füßen nieder und rief mit wehklagender Stimme: "Herr, es steht nicht in meiner Macht, Dir zu gehorchen. Er, den Du suchst, weilt nicht mehr hier auf Erden. Pilatus hat ihn getötet."



Es war bereit helllichter Tag und die Sklavinnen standen schon lange wartend bereit zum Ankleiden, als die Träumende erwachte.
Während das morgendlichen Ritus war die Herrin nachdenklich und still.

Erst, als eine der Sklavinnen das Haar ordnete, fragte sie nach ihrem Gemahl und erfuhr, dieser wurde schon früh morgens abberufen, um über einen Verbrecher Gericht zu halten.
"Ich hätte ihn gern zuvor gesprochen." sagte die junge Frau.
"Herrin, das wird während des Verhörs nicht möglich sein. Doch sobald es beendet ist, werden wir es dich wissenlassen." sagte die Sklavin.

Nach einiger Zeit fragte sie die Mädchen: "Hat eine von euch etwas von dem Propheten aus Nazareth gehört?"
Rasch kam von einer: "Der Prophet aus Nazareth ist ein "Wundermann."!"
Eine andere Sklavin sagte: "Seltsam, daß du gerade heute nach ihm fragst, denn gerade der ist es, den die Juden zum Palast geführt haben, damit der Landpfleger ihn verhört!!"

Die junge Frau gebot sogleich nachzufragen, wessen Schuld man ihn bezichtige.
"Herrin, sie klagen ihn an sich zum König dieses Landes erheben zu wollen. Es wird verlangt, ihn dafür zu kreuzigen!" hieß es.

Entsetzt vernahm sie diese Mitteilung und verlangte: "Ich muß mit meinem Gatten reden, sonst wird am heutigen Tage hier ein schreckliches Unglück geschehen."
Als ihr versichert wurde, selbst sie, die Gattin des Landpflegers, dürfe nicht zu ihm, brach sie in Tränen aus.

Eine ihrer Dienerinnen wurde von Mitleid ergriffen und sprach: "Wenn Du eine schriftliche Botschaft an den Landpfleger senden willst, so werde ich versuchen, sie ihm zu übermitteln."



Und alsogleich nahm sie einen Stift und schrieb einige Worte auf eine kleine Wachstafel, die man Pilatus überbrachte. Ihn jedoch traf sie den ganzen Tag über nicht mehr.
Nach Abfertigung gemäß des Wunsches der Juden über den Verurteilten, wurde dieser zum Richtplatz geführt.

Für Pilatus war die Essenszeit gekommen, zu welcher er einige Römer eingeladen hatte.



Selbst ob der Beredsamkeit eines jungen Meisters war es kein frohes Mahl wie üblich, denn die Gemahlin des Landpflegers saß stumm und überaus betrübt bei Tisch.

Als sie Gäste besorgt über das Warum nachfragten, begann Pilatus lachend von der Botschaft , die sie ihm geschrieben hat, zu erzählen.
Er trieb Scherze mit ihr: "Man stelle sich nur vor," lachte er, "ein römischer Landpfleger läßt sich von den Träumen seines Weibes in seiner Urteilsfähigkeit beeinflussen ... hahahahaaaaa ..."

Tieftraurig und leise sagte sie: "Das war wahrlich kein Traum, sondern eine Mahnung der Götter! Hättest du den Mann doch nur noch einen Tag leben lassen ..."
So sehr die Gäste sich auch bemühten mit fesselnden Gesprächen sie abzulenken, sie war keinem Trost zugänglich.
Sie blieb ernst und betrübt.

Plötzlich - etwas Seltsames schien sich anzukündigen ...

"Was ist das? Wir haben doch nicht so lange gespeist? Es ist doch noch Nachmittag und doch scheint es, der Tag geht schon zu Ende ..." sagte einer am Tisch.
Jetzt fiel das auch den anderen auf.
Diese eigenartige Dämmerung, die sich wie ein seltsames Farbenspiel auf alles legte.
In der Natur war es gespenstisch still. Kein Vogelgezwitscher.
Nichts!

Es verfinsterte sich noch mehr.
Der junge Meister meinte erschauderndem Gesichtsausdruck: " Wir gleichen wirklich den Toten. Unsere Wangen sind ja grau und unsere Lippen schwarz!"

Die Dunkelheit wurde tiefer und tiefer.
Die junge Frau rief: " Ach, Mann, glaubst Du noch immer nicht, daß die Unsterblichen Dich warnen wollen? Sie zürnen, weil Du einen heiligen und schuldlosen Mann zum Tode verurteilt hast. Ich meine nun, daß er jetzt schon ans Kreuz geschlagen und sicherlich noch nicht tot sein kann. Laß ihn bitte vom Kreuze abnehmen! Mit meinen eigenen Händen will ich seine Wunden heilen. Gewähre Du es nur, ihn ins Leben zurückzurufen!"

Doch Pilatus lachte nur schallend: " Ganz sicherlich hast Du recht, dies als ein Zeichen der Götter anzusehen. Doch keinesfalls lassen sie die Sonne ihren Schein verlieren, nur weil ein jüdischer Irrlehrer zum Kreuzestode verurteilt worden ist. Dagegen können wir wohl erwarten, daß bedeutsame Ereignisse eintreten werden, die das ganze Reich angehen. Wer kann es wissen, wie lange der alte Tiberius – – –"

Er sprach nicht mehr weiter. Die Finsternis war nun so tief geworden, daß er seinen eigenen Weinpokal nicht mehr sehen konnte.
Er befahl schleunigst Lampen herbei zu schaffen.

Im Schein derer erkannte er an den Gesichtern seiner Gäste deren Verstimmung, die auf ihnen lag.
Verärgert sprach er zu seiner Frau: "Schau nur! Es scheint mir wirklich, es ist Dir geglückt mit Deinen Träumen die frohe Stimmung unseres Kreises zu zerstören. Aber wenn es schließlich so sein muß, daß Du heute an nichts anderes zu denken vermagst, dann laß uns lieber hören, WAS Du geträumt hast. Erzähle uns doch einmal alles, dann werden wir versuchen, die Deutung hierfür zu finden."

Sofort begann sie zu erzählen.
Die Gäste wurden immer ernster.
Keiner leerte mehr seinen Becher. Falten lagen auf jedes einzelnen Stirn. Lediglich Pilatus lachte und lachte und hielt alles für eine Sinnestäuschung.

Am Ende sagte der junge Rhetor: "Dies ist wahrlich doch mehr als ein Traum, denn heute sah ich zwar nicht den Kaiser persönlich, jedoch seine alte Freundin Faustina in Jerusalem einziehen. Ich wundere mich nur, daß sie noch nicht hier im Palast des Landpflegers erschienen ist."
"Es geht ja wirklich ein Gerücht um, der Kaiser leide an einer furchtbaren Krankheit," erzählte der Anführer der Truppen. "Auch mir erscheint es glaubhaft, wenn der Traum Deiner Gattin eine von den Göttern gesandte Warnung sein könnte."

"Es wäre nicht unmöglich, daß Tiberius Boten hergesandt hätte, um den Propheten an sein Krankenlager zu berufen," stimmte der junge Rhetor bei.
Nun wandte sich der Truppenanführer an Pilatus: " Falls der Kaiser wirklich auf den Einfall gekommen ist, diesen Wundertäter zu sich rufen zu lassen, so wäre es besser für Dich und für uns alle, ihn lebend vorzufinden."

Jetzt war Pilatus zornig: " Ist es diese Finsternis, die Euch zu Kindern gemacht hat? Man könnte wirklich glauben, Ihr alle seiet in Traumdeuter und Propheten verwandelt worden!"

Immer dringender wurden die Worte des Hauptmanns: "Vielleicht ließe sich noch jetzt das Leben dieses Mannes retten, wenn Du eiligst einen Boten ausschickst!"
"Ja wollt ihr mich alle zum Narren machen?" Pilatus tobte, " Sagt selber, wohin würde es in diesem Lande mit Recht und Ordnung kommen, wenn man in Erfahrung brächte, ICH, der Landpfleger begnadige einen Verbrecher, weil meine Frau einen bösen Traum hatte?"

"Es ist aber doch Wahrheit und kein Traum. Ich selbst habe Faustina in Jerusalem gesehen!" warf der junge Rhetor ein.
"Ja und ich übernehme es, mein Vorgehen in dieser Sache dem Kaiser gegenüber zu vertreten," sprach Pilatus. "Er wird einsehen, daß dieser Schwärmer, der sich ohne jede Gegenwehr von meinen Knechten mißhandeln ließ, nicht die Macht besessen hätte, ihm zu helfen."

Kaum ausgesprochen, brach heftiges Grollen, wie Donnerschläge über den Palast herein.
Ein Erdbeben wie noch nie ließ alles erzittern.
Während der Palast so ziemlich verschont blieb, hörte man unter fürchterlichem Getöse die Häuser draußen zusammenstürzen, Säulen und Pfeiler einknickten und umfallen ...
Eine dicke Staubwolke erschwerte das Atmen.



Es dauerte ziemlich lange, ehe sich der Landpfleger und seine Gäste von ersten Schrecken erholten.
Pilatus befahl einem Sklaven: " Eile zum Richtplatz hinaus und befiehl in meinem Namen, daß der Prophet aus Nazareth vom Kreuze genommen werde!"
Der Sklave eilte so rasch er konnte.



Die Gesellschaft aber begab sich nach dem Peristyl (13) , um unter freiem Himmel zu sein, falls die Erde erneut bebt.
Bis zur Wiederkehr des entsandten Sklaven verlor keiner ein Wort.

Atemlos trat der Sklave vor Pilatus.
"Konntest du es ausrichten? Lebte er noch?" fragte dieser ungeduldig.
"Herr, er war dahingeschieden. Man sagt, im Sterben verfinsterte sich die Erde und alles war totenstill. Als er seinen Geist aufgab, erbebte die Erde ..."

Zugleich vernahmen sie harte Schläge gegen das Tor.
Alle zuckten sie zusammen, denn sie fürchteten erneutes Beben.
Doch ein Sklave trat ein und sagte: "Die edle Faustina und Sulpicius, des Kaisers Angehörige, entbieten dir ihren Gruß. Sie sind mit der Bitte hergekommen, du mögest ihnen helfen, den Propheten von Nazareth aufzusuchen."

Im Peristyl erhob sich ein leises Gemurmel. Man vernahm gedämpfte Schritte.
Als der Landpfleger umherblickte, erkannte er, daß seine Freunde von ihm gewichen waren, wie von einem, der dem Unheil verfallen ist.



Faustina betrat nach der Seereise in Capri wieder römischen Boden und eilte sogleich zu Kaiser Tiberius.

In ihrer Abwesenheit hatte sich die Krankheit grauenhaft verschlechtert.
Sie sagte darob zu sich selbst: " Gäbe es bei den Himmlischen Barmherzigkeit, so hätten sie mich sterben lassen, um mich davor zu bewahren, diesem armen, gepeinigten Menschen so sagen zu müssen. Nun ist alle Hoffnung dahin ..."

Tiberius allerdings hörte sie mit größter Gleichgültigkeit an.
Sie hingegen wagte nicht in bei ihrer Erzählung anzusehen. Sie sprach vom Tag ihrer Ankunft in Jerusalem und daß genau an dem Tag der große Wundertäter gekreuzigt wurde --- wie nahe sie ihm gewesen war ihn zu retten --- wie er sie umfaßte, während sie ihm Blut und Schweiß wegwischen wollte ---
Dicke Tränen quollen aus ihren Augen ob der großen, bitter enttäuschten Hoffnung ...

Tiberius versuchte ihr Trost zu geben: "Darüber grämst Du Dich also wirklich? Ach, Faustina, ein ganzes in Rom verbrachtes Leben hat Dich nicht von dem Glauben an Zauberer und Wundertäter befreit, den Du während Deiner Kindheit in den Sabiner Bergen mit der Luft eingeatmet hast."
Faustina erkannte, er hatte nie wirklich Hilfe vom Propheten aus Nazareth erwartet.

"Da läßt du mich allen Ernstes die weite Reise in das ferne Land machen, obwohl du nicht an den Propheten glaubst und alles für nutzlos hältst?!"
"Faustina," sagte der Kaiser, "dir, meinem einzigen Freund werde ich niemals eine Bitte abschlagen, solange ich noch einen Funken Macht habe, sie zu erfüllen."

Gekränkt meinte sie, er würde sie verspotte und so brauste sie auf: "Das genau ist deine Tücke! Genau das kann ich an dir am wenigsten leiden!"
Er blickte sie an: "Du hättest besser nicht zurückkehren sollen, sondern wärst besser in deinen Bergen geblieben ..."

Es schien für einen Moment, als würden sie streiten wollen.
Doch schon in der nächsten Sekunde wußte Faustina, sie würde nicht ernsthaft mit ihm böse sein können.
Und wie es in der menschlichen Natur ist, versuchte sie mit leiser, gesenkter Stimme doch noch recht zu behalten.
"Dieser Mann ist in Wahrheit ein Prophet gewesen," sprach sie. "Ich habe ihn gesehen. Als sein Blick dem meinen begegnete, glaubte ich, er sei ein Gott. Ich muß wahnsinnig gewesen sein, als ich ihn in den Tod gehen ließ!"
"Ich bin darüber froh," entgegnete Tiberius. "Er war ein Majestätsverbrecher und ein Aufwiegler."

Faustina war nahe daran, wieder vom Zorn übermannt zu werden.
"ICH habe in Jerusalem mit vielen seiner Freunde gesprochen, warf sie ein. "ER hat niemals die Verbrechen begangen, deren man ihn anklagte."

"Sollte er auch nicht gerade DIESE Verbrechen begangen haben, so war er doch wohl keinesfalls besser als irgendein anderer Mensch," sprach der Kaiser in mattem Tone. "Wo wäre wohl der Mensch zu finden, der während seiner Lebenszeit nicht tausendfach den Tod verdient hätte?"

Diese Worte waren es, die Faustina nun tun ließen wozu sie sich zuvor noch nicht entschließen konnte.
"Gut, dann werde ich Dir also einen Beweis für seine Macht geben," sprach sie. "Ich erzählte Dir doch, daß ich mein Schweißtuch über sein Antlitz gebreitet hatte. Es ist dasselbe Tuch, das ich jetzt hier in meiner Hand halte. Willst Du es einen Augenblick betrachten?"

Jetzt erst gewahrte er, daß sie während der ganzen Zeit etwas in der Hand hielt.
Sie breitete das feine Tuch aus ...
und ...



er schaute in das schattengleiche Antlitz eines Menschen ...
Faustinas Stimme bebte vor Rührung als sie fortfuhr: "Jener Mann erkannte, daß ich ihn liebte. Ich weiß nicht, durch welche Macht er es vermochte, mir sein Bild zu hinterlassen. Doch bei seinem Anblick füllen sich meine Augen mit Tränen."

Nun beugte sich Tiberius vor um intensiver dieses Bildnis aus Blut, Schweiß und Tränen zu betrachten.
Er erkannte die schwarzen Schatten jener Leiden ...
Immer deutlicher trat das Gesicht jenes Mannes aus dem Tuch hervor. Bald erkannte man jeden einzelnen Blutstropfen, jede einzelne Dorne der stachligen Dornenkrone, das mit Blut verklebte Haar, die Lippen, welche vor Schmerzen zu beben schienen ...

Immer tiefer beugte er sich über das feine Tuch. Immer klarer wurde das Bildnis.
Aus den schattenhaften Linien waren nun auf die Augen zu erkennen. Es schien als strahlten sie in einem verborgenen Leben.
Trotz grausamsten Leid offenbarte sich doch eine Hoheit, eine Reinheit!
Tiberius sank zurück auf die Bank. Aber er konnte seinen Blick nicht von dem Tuch wenden.
"Ist das der Mensch?" Und immer wieder: "Ist das der Mensch?"



So still er da lag, so tief traf ihn der Anblick.
Tränen strömten nun auch ihm über seine Wangen.
Schließlich flüstere er: "Ich bedaure sehr den Tod dieses Mannes ..."
Plötzlich schrie er Faustina an: "Warum hast du ihn sterben lassen?! Er würde mich geheilt haben!!"

Erschöpft lag er eine geraume Zeit still da um sich dann endlich zu Boden gleiten zu lassen.
Er sank vor dem Bildnis auf die Knie: "Du bist ein Mensch. Du bist DER, dessen ansichtig zu werden ich nimmer glaubte."
Er wies sein zerstörtes Gesicht, auf seine von Eiter zerfressenen Hände.
"Ich und alle anderen, wir sind Raubtiere und Ungeheuer, aber Du bist ein Mensch!!"
Dabei beugte er den Kopf so tief vor dem Bilde, daß er den Boden berührte.
"Erbarme Dich meiner, du Ungekannter!" flehte er.
Seine Tränen benetzten die Steine. "Wenn Du noch lebtest, so würde DEIN Anblick allein mich heilen ...!"

Wie sehr Faustina sich über dies alles erschrak!
Was hat sie ihm angetan?!
Und sie dachte: 'Es wäre klüger gewesen ihm das Tüchlein nicht zu zeigen.'
Sie hatte schon von Anfang an befürchtet, welch mächtiger Kummer ihn überkommen werde, sobald er es sieht.

In ihrer Verzweiflung entriß sie ihm das Tuch.

Da ...
Der Kaiser sah auf und ...
Sein Gesicht war total verwandelt!
Es war wie einst vor der Krankheit. Bevor Haß und Menschenverachtung sein Herz erhärteten.
Und nun ...
In dem Augenblick, da er für diesen Menschen mit all seinem Leid, den Qualen, nur sichtbar im Tuch, tiefe Liebe, Mitleid und Mitgefühl empfand, da wich die Krankheit von ihm.


Tiberius ließ keine Zeit verstreichen. bereits andern tags entsandte er drei Boten.

Der erste Bote erhielt den Befehl nach Rom zu gehen. Der Senat soll Untersuchungen über den Landpfleger Pilatus in Palästina anstellen. Er, der Kaiser, wünsche genausten Bericht, wie jener sein Amt verwalte. Ergibt es, er habe Unschuldige zum Tode verurteilt und das Volk unterdrückt, so soll ihn selbst der Tod ereilen.

Der zweite Bote wanderte auf die Sabiner Berge zu jenem Winzer und seiner Frau in Faustinas Heimathütte.
Zum einen wollte er die beiden belohnen für den Rat, den sie dem Kaiser seinerzeit erteilt hatten, zum andern auch, um ihnen über alles, was geschehen war, genau zu berichten.

Als der Winzer alles vernommen hatte, weinte er leise: "Ich werde wohl mein Leben lang darüber nachdenken und grübeln, was geschehen wäre, wären sich diese beiden begegnet ..."
Seine Frau legte ihre Hand auf seinen Arm: "Schau, es konnte doch nicht sein. Allein der Gedanke wäre unfaßbar gewesen, daß die zwei sich getroffen hätten. Gott, der Herr, allein wußte wann die Zeit und die Welt reif dazu waren."

Der dritte Bote aber reiste nach Palästina.
Dort suchte er einige von Jesu Jünger auf und brachte sie mit nach Capri zum Kaiser.
Hier begannen sie über den Gekreuzigten zu predigen und bald verkündeten sie im Übrigen Land ihre Botschaft.

Einen der Jünger Jesu brachten sie zur alten Faustina.
Sie lag bereits im Sterben auf ihrem Totenbett.
Doch es gelang sie vor ihrem Gang ins Jenseits zur Bekennerin des großen Propheten aus Nazareth zu weihen taufen und zu taufen.
Bei der Taufe erhielt sie den Namen




VERONIKA




Veronika deshalb, weil es ihr beschieden war, der Menschheit das wahre Bild unseres Heilands und Erlösers, Jesus Christus, zu überliefern!









Einige Erläuterungen zum besseren Verständnis!

(1)
Tiberius Claudius Nero -- Römischer Kaiser --
Geboren: 16. November 42 v. Chr., Rom, Italien --
Gestorben: 16. März 37 n. Chr., Miseno, Italien



(2)
Sabiner Berge = westliches Randgebirge des Abruzzischen Apennin,
Höchster Gipfel: Monte Pellecchia (1365 m),
zwischen Tiber und Turano, w
waldreiches,weitgehend landwirtschaftlich genutztes Bergland --
Provinz: Rieti, Italien



(3)
Saron-Ebene - erstreckt sich entlang der israelischen Mittelmeerküste
zwischen dem Großraum Tel Aviv und dem Karmelgebirge -
ehemalige römische Provinzhauptstadt Caesarea

(4)
Marillen = Aprikosen



(5)
Frühlingsfest = wichtigstes, höchstes Fest der Juden = Pessachfest
Damit wird an den Auszug aus Ägypten gedacht

(6)
Petrus = Simon Petrus -- († um 65–67) -- Jünger - Apostel von Jesus und 1. Bischof von Rom
Namensbedeutung = Stein
verleugnet Jesus 3x ehe der Hahn krähte
er wurde selbst auch zum Tod am Kreuz verurteilt und er bat, man würde ihn kopfüber aufstellen (ist noch qualvoller!)



Gedenktag = 29. Juni (alle christl. Kirchen = röm.-kath., evangel., anglikan., armen., orthodox, koptisch., ...)
Sein Attribut = Schlüssel



(7)
Judas, der Jesus mit einem Kuß auf dem Ölberg verraten hat

( 8 )
Jesus Christus und dem Weg zur Kreuzigung
Namensgebung: 1. Jänner = katzh., eveng., syr.-orthodox, orthodox, armen., anglikan., kopt., ...
Name bedeutet: der Gesalbte, der Retter

(9)
Jesu Sterbetag = Karfreitag
--- laut unserer Zeitrechnung haben seriöse Wissenschaftler verschiedener Länder und Wissensgebieten herausgefunden -
Jesus starb tatsächlich an einem Freitag --- es war der 3. 4 33 n. Chr.
es stimmen ferner alle Berichte der Bibel mit anderen Aufzeichnungen aus dieser Gegend überein ---
es gab damals am Nachmittag eine totale Sonnenfinsternis und gleichzeitig das stärkste Erdbeben mit immensen Zerstörungen im gesamten Raum um Jerusalem

(10)
"Schweißtuch der Veronika" wird jeden 2. Sonntag in Rom/Petersdom nach dem Fest der "Erscheinung des Herrn" den Gläubigen gezeigt
--- legt man es über den "Schleier von Manopello (Abruzzen), so ist eine totale Übereinstimmung zu erkennen.
Dies haben wissenschaftliche Untersuchungen mit großer Bestimmtheit ergeben!

(11)
Muschelseide = (griech. Byssos)
= ist ein Sekret aus der Fußdrüse verschiedener Muschelarten.
= phenolische Proteine
- derzeit leben nur noch eine Handvoll Frauen, die es verstehen daraus ein Garn herzustellen und Stoff zu weben
- das Besondere daran, Muschelseide verschmutzt und zerreißt nicht.



(**)
Veronika (lat.) = wird im Nikodemus-Evangelium als Berenike (makedon.) bzw, Pherenike (griech.) genannt.
Der Name bedeutet: SIEGBRINGERIN
gefeiert wird sie: 4. Feber und 9. Juli = kath., 12. Juli = orthodox, 16. August = armenisch
Hl. Veronika - verehrt von Katholiken, Protestanten, Orthodoxen, ...
Patronin der Pfarrhaushälterinnen, Wäscherinnen, Leinenweber und -händler;
bei schweren Verletzungen
beim Kreuzweg wird sie in der 6. Darstellung gezeigt!

Ihr Attribut ist das Schweißtuch


(12)
Cäsar - ein anderer Ausdruck der Römer für ihren Kaiser

(13)
Peristyl - antike Architektur -- rechteckiger Hof umringt von allen Seiten mit durchgehenden Säulenhallen --- ein nicht überdachter Innenhof eines Prachtgebäudes











18. 4. 2018
@eea
Thema: Wie das Rotkehlchen endlich zum Rotkehlchen wurde
katze_edith

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Wie das Rotkehlchen endlich zum Rotkehlchen wurde 07.04.2018 13:32 Forum: Eigene Geschichten




Wie das Rotkehlchen endlich zum Rotkehlchen wurde



In unseren Gärten finden wir oftmals einen hübschen kleinen Vogel. Wäre da nicht der rot-orange Brustfleck, hielte man ihn für völlig unscheinbar.
Doch wie kam es zu diesem hübschen Federnschmuck?
Davon will ich Euch erzählen.
Als kleines Mädchen wurde mir das in etwa so in mein Herz gepflanzt ...



Vor ewiglangen Zeiten erschuf unser aller Herrgott die Welt und damit auch Pflanzen, Blumen, und unterschiedlichste Tiere in allen Größen und Formen, zu Wasser, zur Erde und in der Luft.
Die Schöpfung war so weit ja schön und gut, aber ziemlich eintönig.
Farblos, bzw. fast etwas langweilig; deshalb waren die einzelnen Individuen nur sehr schwer zu unterscheiden.

Der liebe Gott saß auf seinem Wolkenthron und da kam ihm die Idee: man müßte jedem eine andere Farbe, vielleicht sogar ein Muster geben ...
Er ersann nun geeignete Farben. Für jedes der Geschöpfe mußten diese auch spezielle Eigenschaften besitzen ... wasserunlöslich für die Wasserlebewesen, hitzebeständig für Wüstenbewohner, usw.
Ich kann Euch verraten, das war ganz schön anstrengend, sich das einfallen zu lassen.

Dann kam der ersehnte Tag. Die Spannung und Aufregung war kaum auszuhalte!
Heute sollten die ersten Blumen und Tiere Farbe erhalten.
Keiner konnte sich vorstellen, was Farbe ist. Wie sie sich wohl anfühlt?
Eins nach dem anderen erschien vor dem Wolkenthron auf welchem unser Herrgott thronte, drehte sich langsam, sodaß der sich rundum genau anschauen konnte und dann ... dann gab er dem Geschöpf seinen Namen und seinen Engerln die Anweisung zur Farbgestaltung. Ganz nach seinen Vorstellungen erhielten die einen mehr, andere weniger Farbe. Die einen wurden mit Glitzerstaub angehaucht, andere nur so viel, daß sie grade leicht schimmerten, wieder andere wurden in dezenteren Farben gehalten.
Anfangs war es sogar noch so, daß die Engerln sehr großzügig mit den Farben umgingen. Gegen Abend zeigte sich langsam, daß es knapp werden könnte mit all der Pracht.
Freilich wurden die Tiere bereits ab Mittag nicht mehr soooo prächtig ausgestattet. Aber später dann gab nur noch wenige Farbkleckse ...

Ganz zum Schluß trat ein kleiner, unscheinbarer grauer Vogel vor unsern Schöpfer. Der besah sich das Vöglein ganz liebevoll und meinte: "Du sollst Rotkehlchen heißen."
"Danke, Herr! Das ist ein schöner Name." freute sich das Vögelchen.
Doch als es zu den Engeln kam ... da ... da ... war ... kein einziger Farbtropfen mehr. Nichts! Alles war aufgebraucht.
Freilich versuchten die Engerln das vor dem Vogel zu verheimlichen und taten mit den Pinseln so als ob ...

Unser Vögelchen schritt hocherhobenen Hauptes in Richtung seines Nestes. Jeder sollte sehen, wie schön es war. Jedem, der es nach seinem Namen fragte, erzählte es stolz: "Rotkehlchen ist mein Name! Das sieht man doch!"
Nun, irgendwie wunderte es sich über die eigenartigen Reaktionen der anderen, aber es ist halt so, dachte sich der kleine Vogel.
Erst als er an einer kleinen Wasserpfütze Halt machte um zu trinken, besah er sich im Wasserspiegel.
"Ähhh, der Schöpfer nannte mich doch Rotkehlchen und die Engel hatten doch gepinselt ... oder etwa nicht? Nur, ich seh kein einziges Federchen, welches rot ist oder so ähnlich ..." Das Rotkehlchen ohne rote Kehle dachte angestrengt nach - es konnte sich das nicht einfach nicht erklären. Ob da wem ein Fehler passiert ist?

Nach einer Weile faßte es sich ein Herz und kehrte, laut vor sich hingrummelnd, zu unserm Herrgott zurück.
Der wollte eben die Pracht und Herrlichkeit seiner Schöpfung begutachten, als ein kleiner Vogel ihn mit seinem Schnabel am Saum zupfte und ziemlich laut für seine geringe Größe nach seiner 'roten Kehle' fragte.
"Herr, ich will ja gewiß nicht meckern, aber findest du nicht auch, daß kein einziges Federchen in rot an mir ist, das meinen Namen rechtfertigt?!"
Unser Herr schaute zum Tierchen hinab - und schaute - und schaute -
"Du hast recht, kleiner Vogel, auch ich kann nirgends rot an deinem Gefiedert entdecken." Ihr könnte Euch vorstellen, wie peinlich ihm das war!
Er hob den kleinen Vogel sachte auf. Mit einem Finger strich er sanft über das flauschige Federkleid.
"Liebes Rotkehlchen! Du hast ein Recht grantig zu sein. Doch ich denke, so tapfer und mutig wie du bist und dich sogar getraut hast zu mir zu kommen und dich zu beschweren, da wirst du einen Weg finden und dir deine roten Federn selber verdienen."
"Das ist höchst ungerecht!" maulte das Vöglein, "die andern sind bunt, glänzend und prächtig und für mich ist nicht ein Pünktchen geblieben!"
"Ja, Rotkehlchen, was soll ich tun? Aber glaube mir, DU wirst dir dein Rot erwerben und alle Welt wird stolz auf dich sein und dann für alle Zeiten darüber berichten."
"Schöner Trost ... danke" damit verabschiedete es sich traurig und flog gesenkten Köpfchens nach Hause.

Viele Jahrhunderte zogen ins Land.
Von einer Vogelgeneration zur nächsten wurde davon erzählt, wie das war, daß sie Rotkehlchen heißen, keine einzige rote Feder haben und sich die Farbe selber verdienen müssen.
Was immer die Vöglein taten, wie tapfer sie sein mochten, wenn sie die Jungen verteidigten, oder die Menschen durch ihr Gezwitscher vor aufkommendem Gewitter warnten, und vieles anderes mehr ...
Sie bekamen kein rotes Federchen!
Schon begannen einige zu tuscheln, daß dies alles nur eine Geschichte sei ohne Wahrheitsgehalt ...

Dann ... es war im gelobten Heiligen Land, vor gut 2000 Jahren, da geschah es!

Eben waren Vater und Mutter Rotkehlchen dabei ihre Kinderchen zu füttern. Dabei mußten sie zum wiederholten Male die Geschichte von damals, von der Welterschaffung, erzählen.
"Aber wann, Papa, wann wird das sein, daß wir eine rote Kehle bekommen?"
Ein anderes: "Mama, Mama, was meinst du, müssen wir tun?"
Ach, die Kinderchen stellten hunderte Fragen und die armen Eltern wußten keine Antwort.

Dann machte sich Papa-Rotkehlchen erneut auf um Futter für die Kleinen zu bringen.
Da sah er eine großé Menschenmasse sich durch die Stadt in Richtung Berg wälzte. Drei Männer wurden unter lautem Gejohle und mit Hieben angetrieben. Einer der Männer dauerte den Vogel ganz besonders. Er mußte selber ein schweres Kreuz schleppen und brach wohl auch darunter zusammen. Seltsam war, er hatte eine Art Krone auf dem Kopf ...
Was sollte es tun? Es fürchtete sich sehr vor den Menschen und vor dem lauten Lärm! So blieb es sicherheitshalber weiter weg.

Dann - endlich - hatten die Menschen ihr Ziel erreicht.
Sie schlugen alle drei an ein Kreuz und richteten diese dann auf. Der, der in der Mitte war, war der mit dieser eigenartigen Krone.
Das große "Schauspiel" schien vorüber und die Menschen wanderten wieder zurück in die Stadt. Nur eine Handvoll Leute war noch da und ein paar mit eigenartigen Blechanzügen ...
Das Rotkehlchen flog tapfer näher heran und setzte sich dann auf das Kreuz. Das Köpfen bewegte es von einer Seite auf die andere um genauer zu sehen, was das ist, daß der Mann da auf dem Kopf hatte. Erst jetzt erkannte es, daß das auf dem Kopf lauter Dornen waren. Die stachen ihm tief in den Kopf! Er blutete schrecklich!
"Armer Mann!" versuchte da das Vögelchen zu trösten, "ich will versuchen dir das leichter zu machen so gut ich's kann." Und dann begann es ganz vorsichtig einige Dornen, die besonders in die Stirn drangen, herauszuziehen. Mit aller Kraft zog es an den Dornen.
Dabei passierte es!
Ein oder waren es zwei Blutstropfen trafen dabei die Brust des kleinen Vogels und ein kleiner Spritzer traf auch die Augenpartie. Das war dem Vogel einerlei. Tapfer versuchte es die Schmerzen des Mannes zu lindern.
Ein gütiger Blick traf das tapfere Tierchen und der Mann schenkte ihm trotz aller Schmerzen ein kleines Lächeln und hauchte: "Danke, jetzt hast du sie ..."

Erst als das Rotkehlchen merkte, daß der arme Mann gestorben war, hörte es auf die Dornen zu zupfen.
Müde und ohne Futter kehrte es zu seiner Familie zurück.
Ach, was waren die entsetzt, weil der Vogelpapa so voller Blut heimkam. Die Kleinen vergaßen sogar darauf ihn um Futter anzubetteln. Auch die Vogelmama war tief besorgt.
Nach einer langen Weile, der Papa hatte sich von der Anstrengung schon etwas erholt, begann er von seinem Erlebnis, von dem armen Mann, von den Dornen ... zu reden.

"Ach, du armer du! Flieg nur noch rasch zum Bach und versuche dich zu waschen." Die Vogelmama dachte, das könnte ihm etwas ablenken von dem schlimmen Geschehnis und ihm Ruhe bringen.
Der Rotkehlchen-Papa flog ans Wasser und begann sich ausgiebig zu waschen, zu baden, zu schrubben ... Egal, was immer es versuchte, dieser rote Blutsfleck blieb.
Es breitete sich bereits die Dunkelheit über die Stadt und die ganze Umgebung aus, als der Vogel bei den Seinen ankam.
"Ich weiß nicht warum, aber das geht einfach nicht weg." sagte er.
"Laß es gut sein, lieber Gatte, morgen versuchst du es erneut und dann ... Du wirst sehen!" tröstete ihn seine Frau.
Sie alle kuschelten sich eng zusammen und waren sehr, sehr froh, daß sie einander hatten.

Doch dann, am frühen Morgen, ...
Was war das?
Plötzlich hatte nicht nur Herr Rotkehlchen einen roten Brustfleck, sondern auch Frau Rotkehlchen und ... ja, sogar die Kinderchen!
Aufgeregt flatterten und zwitscherten sie!
Wie konnte das geschehen?
Bald hörte man von allen Seiten Rotkehlchen außer sich vor Überraschung zwitschern und wirbeln. Keiner wußte, woher der rote Fleck da plötzlich kam.
Schließlich begriff unser Vogelpapa: "ER war es! ER hatte sich und den Seinen die roten Federn verdient! ER mit seinem Herzen, seinem Mitgefühl, mit seinem Versuch die Dornen zu entfernen, es geschafft! Endlich sind sie wahre Rotkehlchen geworden!"

Und Ihr?
Habt Ihr erraten, wem das Rotkehlchen versuchte die Dornen aus der Stirn zu zupfen?
Genau!
Das war damals auf dem Berg Golgotha, als unser Heiland Jesus auf dem Kreuz gestorben ist.

Danke, liebes Rotkehlchen!








6. 4. 2018
@eea



** Astronome (eine exakte Wissenschaft auf Grund von Berechnungen), div. Forscher, Bibelforscher und viele andere namhafteWissenschaftler haben errechnet, der 1. Karfreitag, an dem unser Herr Jesus gestorben ist, tatsächlich ein Freitag und das Datum der 3. 4. 33 n. Chr. war.
Abgesehen von den genauen Berechnungen gab es vor allem historische Ereignisse, welche mit denen in der Bibel völlig übereinstimmten.
In der Bibel wird von Finsternis, starken Beben, schlimme Verwüstungen, usw. berichtet, die just zur Sterbeminute Christ stattfand. Und in der Tat ereigneten sich es an diesem Tag für Menschen in der damaligen Zeit Dinge mit bösen Vorzeichen. Da war zu einen eine totale Sonnenfinsternis dazu zur selben Zeit ein sehr, sehr starkes Erdbeben, welches weite Landesteile verstörte und verwüstete - so auch den Tempel von Jerusalem!
Thema: Wie ist das eigentlich mit dem Osterhasen?
katze_edith

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Wie ist das eigentlich mit dem Osterhasen? 03.04.2018 21:41 Forum: Eigene Geschichten


Pour Sarah!




Wie ist das eigentlich mit dem Osterhasen?





Vor langen, langen Zeiten da war das mit Ostern noch ganz anders als wir es heute kennen.
Bunte Ostereier gab es anfangs überhaupt nicht, geschweige denn irgendwelche Geschenke. Da wurde nur das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christ gefeiert.

Nun, in jenen fernen Tagen war es Usus, daß manche Untertanen ihre Abgaben an die Ritter, Lehensherren und andere hohen Herren auch mit Naturalien "zahlen" durften. So war es etwa im Herbst und Winter Brauch, mit Fleisch und anderen leicht verderblichen Waren (gab ja keine Kühlschränke!) ihre Pacht zu begleichen, während im Frühling Eier als Teil solcher Abgaben dienten.

Doch zu unserer eigentlichen Geschichte, wieso der Hase die Ostereier bringt, wo er doch gar keine legen kann!

Alles begann in Kärnten.

Damals lebte dort ein armer Kleinhäusler namens Jokl. Wie alle anderen, so mußte auch er in den Tagen vor dem Osterfest Eier an seinen Herrn abliefern.
Doch eines Tages geschah etwas, was viel ... was alles verändern sollte!

Es begann damit, daß Jokls Frau gerade in Bottichen Kräutern, Blüten und Wasser zusammenrührte um darin ihre in diesen Winter gewebten Stoffe zu färben.
Und dann war da noch Klarabella, eine gewisse Henne. Diese war bekannt für ihre große Schusseligkeit.
Wieder einmal übertraf sich unser Henderl selber. Sie stolperte über ihre eigenen Beinchen und dabei entglitten ihr einige ihrer Eier. Sie flogen in hohem Bogen durch die Luft und platschten in einen Bottich mit roter Farbe.
OK, Klarabella versuchte ja eh sofort ihre Eier aus dem Bottich zu fischen.
Doch ohne Hände?
Nur mit Flügeln?
Es kam, wie es kommen mußte.
Irgendwie gelang es die Eier aus dem Gebräu herauszufischen. Nur, ihre wunderschönen Eier waren nun rot. Und dieses Rot ging nicht mehr weg, mochte sie tun was sie wollte!
Klarabella wußte, der arme Jokl muß morgen zum Lehensherrn und dem die geforderten Anzahl an Eiern abgeben.
Was also tun?
In ihrer Verzweiflung versteckte sie die roten Eier ganz zu unterst im Korb und hoffte, daß kein Mensch das herausfindet.
Typisch Huhn werdet Ihr jetzt wohl denken?

Am Karsamstag, schon in aller Herrgottsfrüh, machte sich der Kleinhäusler Jokl auf den Weg.
Beim Lehensherren angelangt begannen dessen Eintreiber bei jedem Bauern, Kleinhäusler, usw. die Abgaben nachzuzählen. Bei den Eiern waren sie besonders genau! Sie prüften akribisch, ob auch wirklich genau so viele Eier gebracht wurden, als verlangt waren.
Gegen Ende war Jokl an der Reihe.
Doch was war das?
Plötzlich, mitten unter den gewöhnlichen Eiern, lagen da tief unten im Korb einige rote Eier!
Alle bekamen große Augen! Noch niemand hatte je rote Eier gesehen!
Wie geht das denn? Eigentlich legen Hennen nur weiße oder braune Eier. Aber rote Eier?!
Die Kinder des Lehensherren waren sofort hellauf entzückt.
"Vater, Vater!" bettelten sie laut, "bitte dürfen wir die roten Eier haben? Bitteeeeeeeeeeeeeeeeee ..."
Welche Freude als sie diese roten Eier geschenkt bekamen!
"Wie kommt es, daß da auch rote Eier dabei sind?" fragte der Lehensherr. "Wie sieht das Huhn aus, das solche Eier legt?"
Jokls Schulten hohen und senkten sich, er wußte es ja selber nicht.
"I-i-i-ich ..."
Mehr kam aus dem armen Mann nicht heraus. Wie denn auch. Erstens war er selber baß erstaunt, was da in seinem Korb zu sehen war, und zweitens ... wo um Himmels Willen waren diese roten Eier hergekommen.
Er war sich total sicher: ER war es nicht!
"Gut" sagte der Herr, "wenn du nichts sagen willst , so will ICH dir etwas sagen! In Zukunft will ich von dir IMMER rote Eier als Abgabe bekommen. Hast du mich verstanden?" und etwas gütiger, mit einem Blick auf seine Familie, fuhr er fort, "Du siehst ja, daß meine Gemahlin und die Kinder schier aus dem Häuschen sind vor Freude darüber!"
"Ja, ga-ganz nach Befehl!"
Jokl war kaum fähig zu sprechen. In einer tiefen Verbeugung und im Rückwärtsgang verließ er den Saal seines Gebieters, denn zu jenen Zeiten war es strengstens untersagt dem Herrn den Rücken zuzuwenden.

Auf dem Heimweg wunderten sich die Freunde und Bekannten sehr über den Jokl. Er, sonst stets fröhlich und freundlich, schlurfte kopfschüttelnd und murmelnd dahin und sah nichts und niemanden. Selbst seine Frau brachte erst nach Tagen langsam kleinweise aus ihm heraus, was geschehen war. Auch sie konnte sich das mit den roten Eiern nicht erklären.
Endlich hörten auch die Tiere davon und so drang diese Kunde nach weiteren Tagen endlich zu den Hennen und damit zu Klarabella.
Nun geriet das Henderl in einem gar seltsamen Zustand:
Einerseits freute sie sich über alle Maßen, daß die Kinder sich über die roten Eier gefreut haben, andererseits war sie sehr traurig, wenn sie den armen Bauern in seinem Kummer sah. Und sie war dran schuld ... gack - gack - gack ...
Eines war ihr klar:
NUR SIE hatte das verschuldet!
Also konnte NUR SIE was gegen seinen Kummer unternehmen!

So schlich sie eines Nachts verbotenerweise aus dem Hühnerstall, versteckte sich in einem Hollerbusch* und rief verzweifelt nach der Oberhenne Berta von Gluck. Genau wie uns Menschen, so erging es beim Warten auch dem armen Huhn. Für Klarabella schien es eine Ewigkeit zu dauern, bis ihr Flehen und Rufen erhört wurde und diese Oberhenne erschien.

Ihr müßt wissen, diese Oberhenne, Berta von Gluck, ist eine ganz besondere Henne!
Sie ist nicht nur viel größer als andere Hennen, sie ist auch um vieles klüger als normale Artgenossen und sie besitzt ein glänzendes Gefieder, welches in der Sonnen golden, im Mondlicht jedoch silbern schimmert.

"Du hast mich gerufen? Warum bist du nicht im Stall, wo du zu dieser Zeit hingehörst?!" streng war der Bertas Blick.
"Jjja," begann kleinlaut Klarabella, "ich war so frei. Ich brauche ganz, ganz dringend ... wirklich gaaaaaanz dringend deine Hilfe, liebe Oberhenne. - - - Und ich bin heraus'n, - - - weil die anderen müssen das nicht unbedingt wissen ... dachte ich ..."
Leise tropften ein paar kleine Tränchen aus Klarabellas Augen.
Als die Berta von Gluck diese gewahrte, da konnte sie nicht mehr länger streng sein. Sie nahm Klarabella unter ihre Fittichen und dann begann diese zu erzählen.
Die Oberhenne lauschte und staunte. Sie sann nach, wie ein Weg aus diesem Dilemma zu finden wäre.
Als der Morgen schon langsam die Welt erhellte wurde Klarabella zurück in den Stall geschickt. Ihr wurde geheißen, kein Pieps oder Gacker von sich zu geben, bis sie wieder komme.

Bald darauf gingen seltsame Dinge vor sich.
Immer, wenn die Frauen des Dorfes Farbe in ihren Bottichen anrührten, fehlte ein Teil. Freilich nicht besonders viel, aber doch merkbar. Etwas Unbegreifliches ging vor sich. Die Frauen stellten Wachen auf. Aber ... außer ein paar verrückten Hühnern, welche gackernd wie irr herumtobten, war nichts von einem merkwürdigen Dieb zu bemerken!

Die Zeit verrann und langsam zog wieder der Frühling ins Land und mit ihm die Zeit, da es Abgaben zu entrichten galt.
Unserm Bauer Jokl wurde es von Tag zu Tag schwerer und banger ums Herz. Woher sollte er bloß rote Eier nehmen? Er hatte keinen Plan! Er fürchtete sich vor dem Karsamstag! Was wird der Herr mit ihm machen, wenn keine roten Eier dabei sind?
Doch was war das?
Als er sich früh morgens auf den Weg machen wollte, da war sein Korb vollgefüllt mit bunten Eiern!
"Wie nun!" staunte der Jokl und seine Augen wurden dabei fast so groß wie Wagenräder, "woher kommen die denn?"
Augenblicklich fiel eine große Last von seinen Schultern. Erleichtert eilte er zu seinem Herrn und Gebieter. Woher die bunten Eier kamen, darüber wollte er später nachdenken.

"Na, hast du auch nicht vergessen uns rote Eier zu bringen?" fragte der Rittersmann
Der Bauer nahm das Tuch ab ... und ... da waren sie.
Eier in rot, gelb, grün und blau, ...
"Ich will gar nicht wissen wie du das machst," sagte der Lehensherr und schüttelte erstaunt den Kopf, "Hauptsache, deine Eier sind ab jetzt immer so schön bunt!"

Als Jokl daheim seiner Familie von den bunten Eiern berichtete, waren diese noch erstaunter.
Waren sie schon über die Herkunft der roten Eier sprachlos, so jetzt über die bunten erst recht!
Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen!
Wer vermochte aus den gewöhnlichen weißen oder braunen Eiern jetzt sogar bunte machen?
Wie geht das denn?
War da ein geheimer Zauber im Spiel?

Nun, Ihr könnt Euch das sicherlich schon denken, wer dahinter steckte ...

Die Oberhenne Berta hatte die Hennen beauftragt, immer, wenn die Frauen Farbe für ihre Stoffe in Bottichen herrichteten, etwas davon zu nehmen. Im hintersten Eck, wo kaum jemals ein Mensch hinkam, wurde diese versteckt. Dann, knapp bevor der Zehent abzugeben war, mußten die Hühner Nachtschichten einlegen und die Eier mit den geklauten Farben färben.

Zuerst war es nur Jokl, der bunte Eier ablieferte. Doch eines Tages begehrte der Herr auch von den anderen Untertanen bunte Eier. Nur, die Schwierigkeit war, daß Jokl keine Ahnung hatte, warum nur seine Eier und insbesondere nur die für den Zehent bunt waren.
Jetzt war es am Federvieh ihrem Jokl zu helfen, da der sonst des Zauberns angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden würde. Und nicht nur er, sondern mit ihm ebenso seine Frau und seine Kinder.
Da war es an der Zeit sich zusammenzuschließen und das Geheimnis den anderen Hendln im Dorf preiszugeben.
Für eine kurze Weile schien Ruhe eingekehrt zu sein.

Doch wie wie Menschen halt so sind.
Irgendwann war es dann so weit. Zuerst wollten Kinder von größeren Bauern und wieder eine Weile später sogar Kinder ganz armer Familien einmal so ein farbiges Ei haben.

Boah! Ich kann Euch sagen! Jetzt kamen die armen Hühnchen ganz schön ins Trudeln!
Nicht nur die viele und anstrengende Eierlegerei, das unbemerkbare Stibitzen der Farben, die laaaaaaaaaaangen Nächte, in denen mühsamst die Eier bunt bemalt werden mußten ... und das ... man bedenke ... !!! ... mit Flügeln !!!!

Was für eine Patzerei!



Als ob das alles nicht schon arg genug sein würde, mußten sie jetzt, da alle braven Kinder so ein Ei bekommen sollten, diese auch noch unter Blumen oder im Gras verstecken!!
Man stelle sich das vor!!

Die Oberhenne Berta von Gluck verlangte dies aus dem Grund, weil ja kein Mensch auch nur erahnen sollte, wie die Eier auf wundersame Weise zu den buntfröhlichen Farben kamen.

Naja - hin und wieder kam ein Dienstbote oder Kleinhäusler schon ins Grübeln. Nämlich immer dann, wenn eines der Hennen nicht sorgsam genug war und mit einigen unbemerkten Farbspritzern auf der Hühnerleiter vor Müdigkeit einschlief.
Gar oft wunderten sich die Menschen dann darüber und mancher kratzte sich am Kopf, als ob Kopfkratzen beim Denken hülfe.
Ferner versuchen wir Menschen alles zu benennen, selbst Unbegreifliches. So kam es, daß die bunten Eier, weil sie immer nur in der Osterzeit zu finden waren, als Ostereier bezeichnet wurden.

Aber jetzt wißt Ihr ja immer noch nicht, wie da der Hase ins Spiel kam.

Nun, das geschah so Mitte des 19. Jahrhunderts ...
Die Hühner hielten eines nachts eine Versammlung ab und dazu geladen war auch die Oberhenne Berta von Gluck. Das Hühnervolk klagte und jammerte über die immer mehr werdende Arbeit.
"... Werte Frau Oberhenne! Was zu viel ist, ist zu viel und deshalb verlangen wir Hilfe. Sie haben die ganze Färberei damals auch zu verantworten!" hieß es zu guter Letzt.
"Gack-gack-ganz genau! An Farben zu kommen wird immer schwerer, das sollte auch einmal gegackert sein!" gackerte noch ein Huhn.
Das stimmte alles, aber dann doch wieder nur zum Teil ...

Seit damals Klarabella die Eier aus Versehen im Farbbottich landeten und dieser Versammlung waren mehrere hundert Jahre vergangen.
Die seinerzeitige Berta von Gluck war eine Urururururururur...oma der der jetzigen.
Nur das mit den Farben, das wurde wirklich von Jahr zu Jahr schwerer. Mittlerweile webten und färbten die Frauen ja nicht mehr selber, sondern die Stoffe wurden in riesigen Webereien gewebt und in wiederum anderen Fabriken gefärbt ...
Und jetzt komm da einmal als Huhn hinein und klau Farben!
Aufgeregt stimmten unter lautem Gegacker und Geschrei die Hühnerschar der letzten Rednerin zu.
Das war vielleicht ein ohrenbetäubender Krach!
Aber - von einer Sekunde auf die andere wurde es mucksmäuschenstill.
Hatte sich da etwas bewegt?
Wurden sie belauscht?
War da etwa ein Fuchs?
Fragen über Fragen. Endlich erhob sich die Oberhenne von ihrem Nest und schritt majestätisch in die Richtung, aus der das leise Geraschel zu hören gewesen war.
Sachte teilte sie das Stroh ... und ... ein kleines, ängstlich bibberndes Hasenkind kam zum Vorschein!

"Was machst du denn hier?" fragte die Oberhenne den kleinen Hasen streng.
Der bibberte vor Angst und Schrecken noch mehr und konnte nur stammeln: "I-i-i-ich ha-hab mi-mich verlaufen."
"Aha! Und wer bist du?" Das kleine Hasenkind dauerte ihrem weichen Herzen.
"Bi-bi-bitte, i-i-ich bi-bin Hansi und ein Hase."
"So so! Ein Hase bist du und Hansi heißt du."
"Mhm!" war Hansis mutige Antwort. "Ich wohne da drüben im Wald und wollte wissen, wie das wohl ist ohne Wald. Und dann hab ich was gehört und dann wollte ich wissen, was das ist. Aber auf einmal war es soooo schrecklich laut. Da hab ich mich gefürchtet und im Stroh versteckt."
"Wenn du schon lauscht, dann sag uns, was du dazu meinst." fauchte ihn Frida, eine alte, stets grantige Henne an.
Hatte sich Hansi beinahe wieder von dem Schrecken erholt und Mut gefaßt, so verlor er den gleich wieder als Frida ihn da so anfauchte und dabei ihre Flügel bedrohlich spreizte.
"I-i-i-ich weiß nicht. I-i-i-ich könnt' nur meine Mama fragen." ganz leise kamen seine Worte und er sah dabei auf seine tapsigen Hasenfüße, die immer einer auf den anderen traten. Hansis Ohren hingen herunter als er bat: "Darf ich bitte, bitte nach Hause zu meiner Mama?"
Nicht nur die Oberhenne mußte sich ein Schmunzeln verkneifen. Sie alle mochte den kleinen Kerl sehr. Wenn man recht bedenkt, für einen Hasen war er ziemlich tapfer!

Eiligst hoppelte Hansi nach Hause. Als er sich fortgeschlichen hatte war es grade etwas dämmerig gewesen und jetzt ... jetzt stand der Mond hoch am Himmel.
"Au weh! Das wird was geben, wenn ich heimkomme" befürchtete das Hasenkind.
Und seine Mama?
Die war wie alle Mamas auf der Welt. Sie war in hellster Aufregung und größter Sorge um ihren Kleinen. Hoffentlich ist ihm nichts Schlimmes passiert. Schier aufgelöst rief sie immer wieder nach ihrem Kind.
Da! Endlich! Etwas Mondlicht genügte und sie erkannte ihren Schatz sofort.

Nach der großen Begrüßungs-Busslerei und als Hansi wieder Luft holen konnte, beichtete er seiner Mama alles. Daß er außerhalb des Waldes war und sogar in Menschennähe ... und ... und sogar in einem Hühnerstall.
Jetzt kamen alle Hasen des Waldes an. Ein jeder wollte haarklein wissen, wie es denn da so ist, wie es ausschaut, usw.
Und Hansi erzählte ganz stolz. Besonders wichtig war ihm von den Hühnern zu berichten und welche Sorgen die da hatten.
Am Ende war es total still. Allein am Mümmeln erkannte man, daß alle Hasen äußerst angestrengt nachdachten.
"Es hilft alles nichts." sagte da die Hasenmama in die Stille, "wir können nur helfen, wenn wir von ihnen wissen WIE wir helfen können."
"Was denkst du, machen wir hier schon seit Stunden?" grummelte der Hasenchef. "Nachdenken! Nichts als nachdenken!"
"Und," war die schnippische Erwiderung der Hasenmama, "zu welchem Ergebnis bist du oder einer von den anderen gekommen? Genau! Zu keiner!"
Wohl oder übel mußte der Hasenchef und alle anderen der Hasenmama Recht geben.
"Hansi, morgen Abend gehst du wieder hin und ich werde dich begleiten."
Damit verabschiedete die Hasenmama alle Hasen nach Hause und nach dem Zähneputzen ihren Liebling ins Nest.

Wie gesagt, so getan.
Am anderen Abend hoppelte Hansi gemeinsam mit seine Mama zu dem kleinen Bauernhof. Zuerst blieb Mama ja noch im Versteck und nur Hansi tapste zu den Hühnern in deren Stall.
"Was machst du denn schon wieder hier?" gackerte Frida und weckte damit auch all jene Hennen auf, die schon schliefen.
"Ich hab meine Mama mitgebracht. Wissen sie Frau Henne, wir wollen wissen, wie wir helfen können" Hansi war ausgesprochen tapfer!
Da hob Frida lautest zu Gackern an - ihre Art zu lachen!
Angelockt vom Lärm, schwebte Berta von Gluck daher, während Hansi seine Mama holte. Die Hasenmama war von dem glänzenden Gefieder sehr angetan, was der Oberhenne wiederum äußerst schmeichelte.
Jede stellte sich der anderen mit einer kleinen Ehrerbietung vor.
"Gestatten, ich bin Hasine von Langohr und das hier ist mein Sohn, Hansi von Langohr. Er hat mir von ihren Sorgen berichtet und nun sind wir hier um zu erfragen, ob, und wenn ja, wie wir ihnen behilflich sein können."
Berta von Gluck war tief beeindruckt.
Bald sprachen die beiden Damen vertraut miteinander. Sie diskutierten so eifrig, daß sie beinahe die Zeit übersahen. Der Tag graute bereits als Hasine mit ihrem verschlafenen Hansi in Richtung Bau hoppelte und Berta gen Himmel entschwand.

Zur Zeit der Dämmerung trommelte Hasine alle Hasen des Waldes zusammen. Der Hasenchef, der, der sich dafür hielt, staunte nicht schlecht, als die Häsin das Kommando übernahm. Kein Hase wagte es sich ihr zu widersetzen. Hasine testete eines jeden Fähigkeit und Talent.
Wer war gut im Verstecken?
Wer war besonders geschickt seine Pfoten einsetzen?
Wer konnte sorgsamst mit zerbrechlichen Dingen umgehen?
Wer war besonders flink und dabei leise?
usw.

Auch bei den Hennen kam Schwung in den Stall.
Zunächst mußte eine jede der Damen mindestens eine ihrer weichen und doch stabilen Federn opfern!
War das ein Gegacker und Getue! Keine wollte auch nur auf eine einzige Feder, geschweige denn auf ein solches Prachtstück von Feder verzichten!
Und dann ... noch dazu für einen Hasen!

PF!


Schließlich fand alle Aufregung, sowohl bei den Hühnern als auch bei den Hasen, ein Ende.
Die Hühner unterrichteten die geschicktesten der Hasen im Färben und Bemalen der Eier. Und wehe, eines entglitt den Hasenpfoten und landete auf dem Boden!



Hasen, die bei der Hasenmama als nicht sehr geschickt galten, bekamen die nicht unwichtige Aufgabe mit ihrer Blume, so heißt das Hasenschwänzchen, so arg zu wackeln, daß die Farben rasch trockneten.

Für die Flitzer unter den Hasen galt es alsdann diese Eier so rasch und ohne Schaden zu den Versteck-Hasen zu bringen.
Die ihrerseits huschten lautlos durch Gärten, bei Schlechtwetter durch die Häuser oder sogar durch den Stall. Die Versteck-Hasen kamen auf die sonderbarsten Verstecke.

Aber, da gab es auch junge Hasen, die Spaß haben wollten und nur Quatsch im Kopf hatten. Was denen alles einfiel ...!
Nur ein Beispiel!

Da spielten 2 Junghasen Ball mit den Eiern! Prompt landete eines in einer Astgabel hoch oben im Apfelbaum!

Als alle Arbeit getan war, stellte sich für die Tiere endlich Ruhe ein. Die Oberhenne kontrollierte zum Abschluß, ob wohl keines der Tiere mit Farbe bekleckert war, die Häsin ihrerseits ob auch kein Ei übersehen oder vergessen worden war.
Zufrieden schüttelten sich Henne und Häsin Flügel und Pfote.
Die beiden waren sich einig: Ab nun wollen sie das immer so handhaben.

Seit dieser Zeit, und das sind nun schon beinahe 200 Jahre, bewerkstelligen Hühner und Hasen gemeinsam die anstrengenden
Ostereier-Verbreitungs-Arbeiten.





Und falls Ihr einmal in einer Astgabel hoch in einem Baum ein Osterei finden, ... denkt dran, vielleicht gibt es, wie in den alten Zeiten, zwei Lauser, die ihren Spaß hatten ...




Hollerbusch* = Holunderstrauch



3. 4. 2018
@eea
Thema: Für mei Schmeichlkatzle ...
katze_edith

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Für mei Schmeichlkatzle ... 20.02.2017 11:15 Forum: Eigene Gedichte


Zu Sarahs 10. Geburtstag!



In mein'm Herzn, då gibt's an Platzle,
då wohnt drin a liabs Schmeichlkatzle.
Obwohl, für uns is ans g'wiß -
aa wenn se nit allweil a Engale is,
so is se doch mastns liab;
hålt a richtiga, klana Herznsdiab!

Åb heut fångt ån a neue Zeit -
Unsa Diarndle is fürs "GUMMI-NASI-UM" bereit!
Dafür wünsch' i gånz viel Erfolg, Freud und Spaß!
Sarah waß aa wohl für sonst noch was ...

So lång Du lei bleibst, wia Du hiaz bist,
mir nit bång um Dei Zukunft is!
Nia vagiß: Wia ålt Du aa werst,
Du åls mei Herzpinkale in mei Herzn g'herst!



14.2.2017
@eea
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